Tipps vom Experten

Tipps vom Experten: Neue Technik erleichtert den Alltag

Welche Möglichkeiten haben Menschen mit Conterganschädigung, wenn sich ihre Lebenssituation - zum Beispiel durch den Auszug der Kinder - verändert hat? Wenn die Technik der Wohnung oder des Hauses modernisiert werden muss? Wenn zunehmende Pflegebedürftigkeit die Aufnahme einer Pflegekraft erforderlich macht? Im Fokus steht immer eine Lebensraumgestaltung, die optimal nutzbar ist und funktionale wie emotionale Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt. Grundregel: Jede Schädigung erfordert individuelle Maßnahmen. Manfred Häpp, Fachkraft für barrierefreies Bauen und Wohnen, gibt konkrete Tipps und Hinweise zur Umsetzung einer barrierearmen Wohnraumgestaltung und wirft einen Blick auf neue technische Möglichkeiten.

Die Anforderungen an den Wohnraum verändern sich

Neue Lebensphasen bieten auch neue Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Arbeitszimmer kann aufgegeben und der Arbeitsbereich in das Wohnzimmer eingegliedert werden. Oder in einem, nicht mehr benötigten Kinderzimmer, kann ein Wanddurchbruch erfolgen, um ein Bad zu vergrößern und mehr Bewegungsflächen zu schaffen. Die geplante Funktion hat maßgeblichen Einfluss auf die Form der Umbauten. Beispiel: Räume mit "Rückzugsinseln" stellen andere Anforderungen an die Gestaltung als Räume für ein "geselliges Miteinander".

Darum sollten solche funktionalen und emotionalen Anforderungen frühzeitig in die Planung einfließen. Zentrales Moment bleibt aber: der besondere, personenbedingte Bedarf der Bewohner mit Conterganschädigung. Geschädigte mit einer Mobilitätseinschränkung stellen andere Anforderungen als Menschen mit einer Hör,- oder Sehbeeinträchtigung. Ein guter Planer lässt alle Aspekte in seine Überlegungen einfließen.

Neue Möglichkeiten der Lichtgestaltung

Mit Licht kann die Raumwahrnehmung verändert werden. Formen, Volumen und Details können hervorgehoben werden. Durch den Einsatz eines Lichttechnikmanagementsystems wie Visual Timing Light VTL kann zum Beispiel Tageslicht nachgebildet werden. Durch das Zusammenspiel von Licht und Farbe verändert es maßgeblich die Raumanmutung und gibt zudem Orientierung.

Haustechnik als High-Tech

Der Einsatz unterstützender KNX-Technik erhöht den Komfort einer Wohnung. Sie übernimmt zahlreiche Funktionen: Man kann mit ihr nicht nur Licht dimmen oder vorprogrammierte Lichteinstellungen abrufen, sondern auch eine ganzheitliche Haushaltsgeräteüberwachung . Alle Fenster können über eine KNX-Busleitung verbunden werden. Im Falle eines Einbruchs wird automatisch Alarm ausgelöst. Bei schlechter Luftqualität kann sie eine automatische Lüftung veranlassen. Bei Rauchentwicklung werden Rauchmelder aktiviert. Ein Dachfenster kann durch KNX-Standard vom Erdgeschoss aus geschlossen werden. UV-Sensoren erkennen eine starke Sonneneinstrahlung, Elektroantriebe öffnen und schließen Rollläden dann automatisch oder zeitgesteuert. 

Neu: Digitale Helfer für die Küche

In der Küche gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die tägliche Hausarbeit zu erleichtern. Eine in den Raum gesetzte Kücheninsel ist z.B. für Rollstuhlfahrer komplett umfahrbar und kann mit Herd, Dunstabzugshaube und Spüle ausgestattet werden. Unterfahrbarkeit der Küchenarbeitsbereiche ist für Menschen mit einem Rollstuhl ein Muss.

Ober- und Unterschränke werden in verschiedenen Breiten- und Tiefen-Varianten angeboten. Als Schrankböden können (für eine bessere Orientierung) Glasplatten eingesetzt sein. Auch drehbare oder ausziehbare Schrankböden bzw. in der Höhe elektrisch verstellbare Oberschränke bieten Komfort in der Handhabung und erleichtern die Nutzung.

Beim Kühlschrankkauf spielt - neben der Energieeffizienz - auch der Nutzerkomfort eine wichtige Rolle. Die vollständige Ausfahrbarkeit des Kühlbereichs ist hier wichtig. Aktuell etablieren sich Modelle, die durch einen digitalen Scan des Innenraums die eingelagerten Produkte erkennen. So wird auf das Smartphone eine Liste des Kühlschrankinhalts übermittelt. Der Nutzer kann dann über sein Smartphone eine Bestellung den fehlenden Lebensmittel über einen Online-Lieferdienst veranlassen. 

Auch der Herd bietet noch Optimierungspotenzial, z.B. durch ein extern montiertes Herdsicherungssystem, das optisch oder akustisch auf Gefahren hinweist und nach voreingestellten Zeiten den Herd automatisch ausschaltet. Alternativ kann man die Dunstabzugshaube an den Herdbetrieb koppeln, sodass immer ein akustisches Signal beim Betrieb des Herdes besteht.

Sicherheit und Behaglichkeit im Bad

Das Bad soll sowohl der Körperhygiene als auch dem Wohlfühlen dienen. Rutschfeste Bodenbeläge sind für alle Altersgruppen und Schädigungsmuster ein Komfort und dienen der Sicherheit. Alle Haltegriffe haben besondere Anforderungen an die Tragfähigkeit. Deren maximale Belastungswerte sollten bei der Planung berücksichtigt werden.

Viele Firmen bieten heute Einhebel-Mischbatterien mit extra langem Hebel an. Dies erleichtert Menschen mit kurzen Armen die Bedienung. Schon heute ist es technisch möglich, dass die Dusche die gewünschte Temperatur als gespeichert vorhält. Mit Touchscreens und Apps kann das Wasser auf die gewünschte Temperatur gebracht werden.

Auch der Wasserfluss lässt sich über Infrarottechnik steuern. Bei der Toilette  können die Nachlaufzeit und das Spülintervall über eine Fernbedienung individuell angepasst werden. Besonders hervorzuheben sind Dusch-WCs, die in der Höhe individuell verstellbar sind und bei denen der Reinigungsvorgang anhand der Duschstrahlstärke und der Trocknungstemperatur beliebig einstellbar ist.

Bei der Planung von Spiegeln und Lichtgestaltung sollte man außerdem auf das Zusammenspiel der verwendeten Lichtquellen geachtet werden, um Überblendungen und damit Stürze zu vermeiden. Das optimale Zusammenspiel von Bodenbelagsfarbe, Farbe der Kacheln, der Badausstattung und der Beleuchtung steigern sowohl das Sicherheitsgefühl als auch die Behaglichkeit.

Kontakt

Manfred Häpp
Fachkraft für barrierefreies Bauen & Wohnen
Mirweilerweg 22 a
52349 Düren 

Telefon: 02421 440 771
Fax: 02421 407787
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E-Mail: m.haepp@bmz-dueren.de