Kommunikation

Der Weg ist das Ziel: Die barrierefreie Kommunikation

Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Architekten, Haustechniker oder Möbeldesigner. Die barrierefreie Kommunikation ist eine zentrale Forderung, um Menschen mit Beeinträchtigungen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Wir haben einige Beispiele und neue Techniken für Sie zusammengestellt, die die barrierefreie Kommunikation erleichtern. Unsere Linkliste am Ende des Artikels führt zu weiterführenden Infos sowie zu Herstellern von entsprechenden Hilfen.

Telefonie für hörgeschädigte Menschen

Telefonieren gehört heute in nahezu allen Lebensbereichen zum Alltag. Für viele hör- und sprachgeschädigte Menschen ist dies aber ohne fremde Hilfe nicht so einfach möglich. Im Auftrag der Bundesnetzagentur sowie führender Telekommunikationsunternehmen stellt die Tess-Relay-Dienste GmbH bereits seit einiger Zeit einen bundesweiten Telefonvermittlungsdienst zur Verfügung. Er ermöglicht es hör- und sprachbehinderten Personen mittels simultaner Übersetzung selbst in Gebärden- und Schriftsprache zu telefonieren und erleichtert ihnen so den Alltag. Die Services sind kostenpflichtig. Informieren Sie sich daher auf der Website von Tess (siehe Link unten). 

Durch Tess werden Gesprächsinhalte der deutschen Gebärdensprache und Schriftsprache in deutsche Lautsprache und umgekehrt übersetzt. So können hörgeschädigte und hörende Teilnehmer miteinander in Echtzeit kommunizieren, ohne auf die Unterstützung von Angehörigen, Kollegen oder anwesenden Dolmetschern angewiesen zu sein. Damit werden vorhandene Kommunikationsbarrieren überwunden und die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein der Betroffenen gefördert. 

Dabei ist die Nutzung der Serviceangebote von Tess nicht auf den heimischen PC oder den Computer im Büro begrenzt. Hörgeschädigte Menschen können die Dolmetscherdienste der Tess-Relay-Dienste auch unterwegs nutzen. Möglich macht es eine App, die im Google Play Store oder im Apple App-Store kostenlos heruntergeladen werden kann. Damit sind der Video-Gebärdensprach-Dolmetschdienst TeSign und der Schriftdolmetschdienst TeScript auch mit Smartphones und Tablet PCs erreichbar. 

Schriftdolmetscher übersetzen gesprochene Sprache in eine Mitschrift – in Echtzeit

Schriftdolmetscher schreiben das gesprochene Wort auf einem Laptop mit, so dass Hörgeschädigte zeitgleich mitlesen können. Bei Veranstaltungen mit vielen Hörgeschädigten wird der Text dann z.B. durch einen Beamer auf eine Leinwand übertragen, um allen Anwesenden die Inhalte zum Mitlesen zur Verfügung zu stellen. Dies nutzten Menschen mit Conterganschädigung z.B. bei den Stiftungsratssitzungen oder den Anhörungen zum Conterganstiftungsgesetz im Bundestag. Insbesondere bei längeren Gesprächen oder Vorträgen macht sich die Übersetzung durch einen Schriftdolmetscher für die Betroffenen als wirkliche Hilfe positiv bemerkbar.

Seit 2011 gibt es den Bundesverband der Schriftdolmetscher Deutschlands (BSD) in Berlin. Das ist ein eingetragener Verein, der die Schriftdolmetscher aus verschiedenen Bundesländern vertritt. Er repräsentiert damit - als berufsständische Vereinigung - die große Mehrheit der aktiven Schriftdolmetscher in unserem Land. 
 

Der BSD als berufsständische Vertretung aller Schriftdolmetscher bietet Betroffenen jedoch keine Vermittlung oder einen konkreten Verweis auf einzelne Schriftdolmetscher. Hier werden die einzelnen Landesverbände aktiv, zum Beispiel der Berufsfachverein der Schriftdolmetscher e.V. in Nordrhein-Westfalen.

Bekannter als Schriftdolmetscher sind Gebärdendolmetscher, die ebenfalls eine wichtige Hilfe für Hörgeschädigte sein können. Für beide Dolmetscher gilt: die Kosten sind übernahmefähig.

 

Der Computer hilft bei der Kommunikation

Menschen mit Behinderung sind intensive Internet-User, sie sind nahezu täglich im Internet. Dabei sind sie - je nach Art der Behinderung - auf eine spezielle Aufbereitung der Webangebote angewiesen. Neben der normalen Bildschirmausgabe sollten die Informationen deshalb z.B. so aufbereitet sein, dass sich Menschen mit einer Sehbehinderung diese per Software vorlesen oder in Braille-Schrift ausgeben lassen können. Auch Menschen mit einer Beeinträchtigung des Gehörs benötigen z.B. für Video- und Audiodateien auf sie zugeschnittene, besondere Darstellungsformen im Internet (z.B. Gebärdensprache oder Texteinblendungen). 

Unabhängig davon gibt es weitere Aspekte der Barrierefreiheit im Internet, die nicht nur für behinderte Nutzer von Bedeutung sind. So sollen Nutzer die Angebote im Internet auch mit jeder Hard- und Softwarekonfiguration nutzen können (technische Barrierefreiheit). Und dies soll auch gelingen, egal ob er am Computer sitzt, auf dem Tablet surft oder ein Smartphone oder SmartTV nutzt. Genauso wichtig wie diese technischen Zugangsbedingungen ist es aber auch, dass die Inhalte übersichtlich und in einer für alle Nutzer leicht verständlichen Sprache präsentiert werden. Auch wenn öffentliche Angebote hier - aufgrund gesetzlicher Anforderungen - schon viel für die Barrierefreiheit im Internet getan haben, ist das Thema Barrierefreiheit für viele private und/oder kommerzielle Angebote immer noch ein Feld mit Verbesserungspotential. 
 

Für Menschen mit einer Hörbehinderung bietet das Internet dagegen zusätzliche neue Möglichkeiten. Durch die Verlagerung vieler - bisher am Telefon zu klärender - Fragestellungen in die Welt der Chats und E-Mails bieten sich neue Chancen zur individuellen und selbstbestimmten Gestaltung der eigenen Kommunikation. Diese Betroffenen stören sich eher daran, dass bestimmte Informationen im Internet noch nicht verfügbar sind und - laut Hinweis im Internet - weiter per Telefon erfragt werden müssen.

Spezialbibliotheken bieten breites Angebot an Hörbüchern

Die Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V. ist eine gemeinnützig tätige Stiftung, die mehr als 50.000 Hörbücher und einige Hörzeitschriften aus allen Bereichen der Literatur kostenlos als DAISY - CD an Sehbehinderte, Blinde und körperlich Beeinträchtigte verleiht. Die angebotenen Hörbücher können darüber hinaus auch heruntergeladen oder auf zuvor eingeschickte eigene Speicherkarten oder USB-Speichersticks kopiert werden. Um die Angebote der WBH nutzen zu können ist jedoch ein eindeutiger Nachweis der Beeinträchtigung notwendig. Hierzu dienen zum Beispiel eine Kopie des Schwerbehindertenausweises mit BL-Zeichen, ein formloses ärztliches Attest, ein Bescheid über Blindengeld oder ein vergleichbares Schriftstück. Die Anmeldeunterlagen kann man sich von der WBH an seine Heimatanschrift zusenden lassen oder direkt auf der Internetseite herunterladen.

Der Buchkatalog der WBH ist als gedrucktes Verzeichnis, aufgelesene Fassung auf einer Daisy-CD, als CD-ROM mit Suchprogramm für MS Windows, iPhone-App oder online auf der Homepage verfügbar. Er umfasst über 50.000 Hörbücher insbesondere aus den Bereichen Belletristik, Sach- und Fachliteratur sowie Kinder- und Jugendliteratur. Die Ausleihe der Hörbücher auf DAISY/MP3 - CD ist kostenlos.

Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde und Sehbehinderte Menschen (DZB) bietet Betroffenen in Deutschland bereits seit 1894 ein vielfältiges Angebot an Literatur zum Ausleihen und Kaufen. Dabei ist die Tätigkeit der DZB nicht auf das Verleihen von Büchern beschränkt. Sie ist auch ein Produktionszentrum für Braille-Bücher, Hörbücher, Reliefs und Noten. In Düsseldorf präsentierte die DZB eine Auswahl aus Ihrem Angebot und informierte über ihre Arbeit und darüber, wie Interessenten die rund 60.000 Medien der DBZ gebührenfrei nutzen können.

Die DZB präsentierte zudem die deutschlandweit erste Bibliotheks-App, welche sehbehinderten und blinden Lesern eine mobile Nutzung von Hörbüchern ermöglicht. Aktuell stehen dafür rund 35.000 Titel zur Verfügung. Die App wurde für die DZB und die Norddeutsche Blindenhörbücherei von der Softwarefirma visorApps entwickelt. Die App ist für iOS-Smartphones und Tablets im App Store unter dem Namen „DZB“ verfügbar. Die Android-Version gibt es im Google Play Store. Die wichtigsten Funktionen der App „DZB“ sind dabei:

  • Einfache und erweiterte Suche im Katalog mit rund 35.000 DAISY-Hörbüchern
  • Detaillierte Informationen zu jedem Titel
  • Hörprobe für jedes Buch
  • Download bzw. Streaming von Büchern
  • Bestellung der Titel auch auf CD inklusive kostenfreiem Versand
  • Verwaltung der Ausleihe über eine persönliche Mediathek
     

TV-Hilfen für hörgeschädigte Menschen

Mit dem Online-Angebot Hörfilm.de soll blinden und sehbehinderten Menschen der Zugang zu Audiodeskription erleichtert werden. Dazu wurden Informationen zu Hörfilmen mit TV-Sendeterminen, zu den Empfangsmöglichkeiten und zur Einstellung der TV-Geräte gesammelt und für die Betroffenen aufbereitet. Diese Informationen sind online auf einer eigenen Projektplattform verfügbar. Darauf basierend gibt es in der Beilage "hörfilm.info" der Verbandspublikation "Gegenwart" jeden Monat in Schwarzschrift, Punktschrift und im Daisy-Format Hörfilm-Neuigkeiten, Fakten zur Audiodeskription, eine Auswahl der Hörfilmsendetermine, Redaktionstipps zu besonderen Hörfilmen und eine Übersicht der regelmäßigen Sendeplätze von TV-Formaten mit Audiodeskription.

Die Barrierefreie Notruf-App

Für Menschen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung war die schnelle Einleitung eigener Rettungs- und Hilfsmaßnahmen bisher oft schwierig. Die Notfall-Kommunikation mit einem Telefonanruf und der sich daran anschließenden Beantwortung der rettungsrelevanten Fragen, stellte für hör- und sprachbeeinträchtigte Menschen eine große Herausforderung dar. Ihnen bietet die App „HandHelp“ mit einem barrierefreien Notruf nun eine erste Lösung an. Die App übermittelt im Notfall automatisch genaue Angaben zur Person, zu Zeit und Ort des Notfalls inklusive Foto- bzw. Tonaufnahmen direkt an die Leitstellen der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Zusätzlich informiert sie die vorab angegebenen Vertrauenspersonen der Betroffenen. Um die App nutzen zu können, benötigt man ein Smartphone und einmalig 5 Minuten Zeit für die individuelle Einrichtung. Die App und alle damit verbundenen Services sind jedoch kostenpflichtig.