Das Bild zeigt das Team der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht

Über 20 Jahre gezielte Hilfe: Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht

Eine Conterganschädigung ist einzigartig. Gleichsam weist sie typische und dennoch individuelle Symptome auf. Diese unterschiedlichen Krankheitsbilder und immer stärker auftretende Folgeschäden sind für Betroffene wie medizinische und therapeutische Fachkräfte eine stetige Herausforderung. In einigen Kliniken hat sich im Laufe der Jahre und in Zusammenarbeit mit Betroffenenverbänden und anderer Unterstützung Fachwissen gesammelt. So sind spezielle medizinische, beratende- und therapeutische Angebote entstanden. In den kommenden Wochen werden wir vier solcher medizinischer Fachzentren vorstellen. Den Anfang macht die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht/NRW.

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht ist auf neurologische, orthopädische und osteologische Rehabilitation spezialisiert. Hier sind langjährige Erfahrung und hohe Kompetenz in der Behandlung von Menschen mit Conterganschädigung anzutreffen. Das Medizinzentrum bietet mehrere unterschiedlich aufgebaute und speziell auf die Bedarfe und Beschwerden dieser Menschen ausgerichtete Behandlungsangebote: Die Sprechstunde, das ambulante Zentrum für Contergangeschädigte sowie gezielte stationäre Rehamaßnahmen für eine umfassende Versorgung der betroffenen Menschen mit Conterganschädigung.
 

Eine Sprechstunde für Contergangeschädigte

Die Sprechstunde für contergangeschädigte Menschen und Dysmelie-Patienten wurde vor genau 20 Jahren durch den Chefarzt der Orthopädie und Osteologie, Prof. Dr. med. Klaus M. Peters ins Leben gerufen. Er sagt: „Entstanden aus der intensiven Zusammenarbeit mit dem Interessenverband Contergangeschädigter Köln und Nordrhein-Westfalen e.V. war sie der erste wichtige Baustein auf dem Weg zu einem umfassenden Versorgungskonzept“. Die Sprechstunde erbringt folgende Leistungen:

  • die ärztliche Erfassung der Contergan-Ursprungs- und -Folgeschäden
  • gutachterliche Untersuchungen und Stellungnahmen 
  • Beratung zur multimodalen Schmerztherapie
  • Beratung zur weiteren konservativen, ggf. operativen Behandlung
  • die Indikationsstellung für eine Rehabilitationsbehandlung (z.B. stationäres Heilverfahren)

Anders als bei den Behandlungsleistungen im „Ambulanten Zentrum für contergangeschädigte Menschen“, die durch die gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, handelt es sich bei der Contergansprechstunde um eine privatärztliche Leistung. Die Erstbehandlung und -beratung in Nümbrecht ist für Mitglieder des Ortsverbandes „Contergangeschädigtenhilfswerk Bezirk Köln“ kostenlos.

 

Das Ambulante Zentrum als Meilenstein

Mit der Eröffnung des Ambulanten Zentrums wurde ein weiterer Meilenstein für contergangeschädigte Menschen geschaffen. „Das Behandlungszentrum stellt ein weitreichendes Versorgungsangebot bereit, das mit seinen umfassenden diagnostischen, therapeutischen und beratenden Leistungen speziell auf die Belange der betroffenen Klientel zugeschnitten ist“, erklärt Prof. Peters. Bisher ist es als einziges Contergan-Schwerpunktzentrum in Deutschland in einem speziellen Zulassungsverfahren durch die Krankenkassen als MZEB (Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit mehrfacher Behinderung) gemäß § 119 C SGB V zugelassen.

Als ambulanter Leistungserbringer unter ärztlicher Leitung versteht sich das Experten-Zentrum als Ergänzung zum medizinischen Regelversorgungssystem in Deutschland und hilft, die medizinische Versorgung contergangeschädigter Menschen bundesweit auch im Alter sicherzustellen. „Dabei wird neben der Erkennung und Behandlung der Folgeschäden, die sich bei den meisten Betroffenen durch chronische Schmerzen, Gelenkprobleme und auch psychische Belastungen bemerkbar machen, auch ein besonderes Augenmerk auf die nicht-medizinischen Anliegen und Beratungsbelange der Patienten gelegt“, so Prof. Peters weiter.
 

Das Leistungsspektrum beinhaltet:

  • medizinische Diagnostik, Beratung und Expertise
  • therapeutische Befunderhebung, Training und Probebehandlungen
  • konsiliarische psychotherapeutische Beratung und Behandlungsklärung (falls gewünscht)
  • konsiliarische Besuche bei kooperierenden Fachärzten, wie z.B. Neurologe, HNO, Internist, Urologe, Zahnarzt, Augenarzt, Psychosomatik, etc.
  • Beratung zu Hilfsmitteln, Reha und Rente, Pflege, Assistenz, individueller Wohnraumanpassung, Anträgen, Widersprüchen und vielem mehr
  • Erstellung eines Weiterbehandlungskonzepts und Anbahnung der wohnortnahen Versorgung
  • behandlungsbegleitende Verordnung notwendiger Heil- und Hilfsmittel
  • Folgebesuche in mehrmonatigen Abständen zur Überprüfung und Anpassung des Therapieverlaufs.

Prof. Peters erklärt: „Ein Behandlungsbesuch im Ambulanten Zentrum ist in der Regel mehrtägig. So ist ausreichend Zeit für alle notwendigen Untersuchungen, Behandlungen und Beratungen.“ Benötigt wird lediglich eine Überweisung durch den Haus- oder Facharzt, da die Behandlungskosten der aus dem ganzen Bundesgebiet stammenden Contergangeschädigten durch die gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. „Bei hörgeschädigten Menschen mit Conterganschädigung gilt dies auch für die Leistungen eines Gebärdensprachdolmetschers.“

 „Der mehrtägige Behandlungsbesuch ist bewusst nicht als stationärer Klinikaufenthalt mit Übernachtung in der Klinik gestaltet“, sagt Irmela Aurich. Sie ist unter anderem Ergotherapeutin und trägt als Koordinatorin des Zentrums gemeinsam mit Andrea Engel  dafür Sorge, „wirklich allen contergangeschädigten Menschen diese Behandlungen zu ermöglichen, auch jenen, die durch Arzt- oder Krankenhausbehandlungen in ihrer Kindheit Traumata erlitten haben. Um sich ganz auf die Behandlungen konzentrieren zu können, entscheiden sich die meisten Patient*innen für die Dauer des ambulanten Behandlungsaufenthaltes für eine Unterbringung in einer nahegelegenen Pension oder Hotel auf eigene Kosten.“
 

Gute Vernetzung und Wohlfühlen als Erfolgsfaktoren

Das Ambulante Zentrum arbeitet in intensiver Vernetzung mit einem sehr aktiven Contergan-Netzwerk, dessen orthopädisch ausgerichtetes Herzstück es bildet. „Der Aufbau des Netzwerks geht maßgeblich auf die Zusammenarbeit mit dem Interessenverband Contergangeschädigter NRW e.V. zurück“, erklärt Irmela Aurich. „Die erfahrenen Fachberater können bei Beratungswünschen – beispielsweise zu besonderen Hilfsmitteln – in den Behandlungsbesuch mit einbezogen werden. Unterstützend und auf Wunsch kann auch der Kontakt zu selbst conterganbetroffenen bundesweit verfügbaren Peer-Supportern des Interessenverbandes vermittelt werden.“

Darüber hinaus ist es möglich, ausgesuchte und besonders Contergan-erfahrene Fachärzte in der Umgebung in Form von konsiliarischen Besuchsterminen in die Behandlungstage einzubeziehen. „Für Patienten, die aufgrund von Mobilitätseinschränkungen die Fahrten zu diesen Ärzten nicht selbst bewältigen können, stellt der Interessenverband einen kostenlosen Fahrdienst zur Verfügung“, erläutert die Koordinatorin.

Dank dieser Kooperationen kann das Ambulante Zentrum dieses umfassende Versorgungsangebot für Menschen mit Conterganschädigung bereitstellen und es können von den Patienten auch medizinische Fachrichtungen in Anspruch genommen werden, die nicht im Zentrum selbst verortet sind.

Für ausführliche Informationen und Beratungen zum Behandlungsbesuch als auch für die Organisation, Betreuung und Unterstützung vor, während und nach einem Behandlungsbesuch steht den Patientinnen und Patienten das Koordinationsteam des Ambulanten Zentrums für contergangeschädigte Menschen zur Verfügung.
 

Gezielte stationäre Rehamaßnahmen für contergangeschädigte Menschen

Bereits seit Beginn der Contergansprechstunde bei Prof. Peters wurde deutlich, dass neben der ursprünglichen Conterganschädigung immer mehr auch die Erfassung und Behandlung der Folgeschäden in den Vordergrund rückt. „Um dieser häufig von chronischen Schmerzen geprägten Entwicklung entgegenzutreten, wurde in der barrierefrei und rollstuhlgerecht gestalteten Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik bereits im Jahre 2000 ein spezielles stationäres Rehabilitationskonzept für contergangeschädigte Menschen erarbeitet“, schildert Prof. Peters. 

Die individuell abgestimmte Behandlung erfolgt durch das erfahrene multiprofessionelle Contergan-Kompetenzteam im Haus, das neben Prof. Peters und weiteren Fachärzten aus Therapeuten verschiedener Fachrichtungen besteht und ebenso im Ambulanten Zentrum zum Einsatz kommt. Das Team kommt regelmäßig zusammen, um Erfahrungen und neue Erkenntnisse auszutauschen. Darüber hinaus werden interne und externe Schulungen zu conterganspezifischen Themen organisiert.

Für die stationäre Behandlung in der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik stehen Betroffenen dabei sechs speziell für contergangeschädigte Menschen eingerichtete Patientenzimmer zur Verfügung, sowie ein breites Spektrum an Therapieangeboten. Dazu gehören z.B.

  • Krankengymnastik, manuelle Therapie
  • Ergotherapie
  • Gangschulung, Ergometer-Training, Laufbandtraining
  • Bewegungsbad, orthopädisches Rückenschwimmen
  • Wirbelsäulen-Gymnastik
  • Terraintraining, Walking
  • Medizinische Trainingstherapie, Sequenztraining, Gleichgewichts- und Koordinationstraining 
  • Physikalische Therapien (z.B. Massagen, Fango, Lymphdrainage) 
  • Kraniosakrale Therapie
  • Entspannungstechniken (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation)
  • Akupunktur
  • Transdermale Mikroapplikation
  • Neuraltherapie

Bei Bedarf werden diese Angebote ergänzt, „etwa durch eine multimodale Schmerztherapie, psychologische und sozialrechtliche Beratungsangebote sowie die Möglichkeit zur Nutzung der umfangreichen Angebote der hier befindlichen eigenen orthopädischen Werkstatt“, so Prof. Peters.

Darüber hinaus kooperiert die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik mit weiteren medizinischen und therapeutischen Einrichtungen der Region, z. B. bei orthopädischen Operationen oder psychosomatischen Beschwerden, um den Betroffenen ein optimales Betreuungsangebot zur Verfügung stellen zu können. Alle Kooperationspartner haben viel Erfahrung mit contergangeschädigten Menschen. Hierzu gehört auch die fachlich versierte psychologische Beratung durch das Team von Herrn Prof. Albus und Herrn Dr. Niecke in Köln.

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik steht mit ihrem stationären Rehabilitationsangebot grundsätzlich sowohl gesetzlich als auch privat versicherten Betroffenen offen. 
 

Therapiehunde dürfen mit!

Wie oben schon angesprochen, sollen sich Betroffene in Nümbrecht wohl und idealerweise heimisch fühlen. Deshalb können zum Beispiel contergangeschädigte Menschen, die einen Hund haben, diesen auch zur stationären Reha mit in die Klinik bringen. Aus Gründen der Hygiene gibt es einen separaten Zugang mit Hundeschleuse. Auch eine Tierarztpraxis ist in unmittelbarer Nähe.
 

Kontakt zur Klinik:

Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik
Höhenstraße 30
51588 Nümbrecht
www.dbkg.de

Zur Sprechstunde für Contergangeschädigte und Dysmelie-Patienten: www.dbkg.de/kliniken/dr-becker-rhein-sieg-klinik/reha-orthopadie

Zum Ambulanten Zentrum für contergangeschädigte Menschen: www.dbkg.de/angebote-therapien/orthopadie/spezialangebote/zentrum-fuer-contergangeschaedigte-menschen

Zu den Informationen des Interessenverbandes Contergangeschädigter NRW e.V. über das Ambulante Zentrum für contergangeschädigte Menschen:
https://www.contergan-nrw.eu/?page_id=3929

 

Kontakt zum Chefarzt:

Prof. Dr. med. Klaus M. Peters
Chefarzt der Orthopädie und Osteologie
Chefarztsekretariat
Telefon: 02293 920-603
Fax: 02293 920-642
E-Mail: kpeters@dbkg.de

 

LINK

Auf der Internestseite des Interessenverbandes Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen e.V. ist ein Film aktuell eingestellt, der die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik in Nümbrecht vorstellt. Klicken Sie hier

 

Foto: Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik