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Tauchen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen

22.07.2018

Erlebnisbericht vom Schnuppertag in Geldern

Vor dem Tauchgang. © IAHD
Vorbereitungen zum ersten Tauchgang. Ein Betroffener im Wasser mit zwei Tauchlehrern.

Am Anfang war eigentlich nur ein Telefonat. „Das kann ich dir nur schlecht am Telefon erläutern“, meinte Freddy. „Das Beste wird sein, du kommst zum nächsten Kurs vorbei und machst einfach mit. Das ist besser als jede Erläuterung. Und du siehst dann selbst, wo es Probleme geben könnte und wo nicht.“ Gesagt, getan. Was blieb mir auch anderes übrig.

Freddy, eigentlich Freddy Gaubitz, ist der Ansprechpartner der International Association for Handicapped Divers in Deutschland (IAHD). Diese wurde 1993 durch den Schweden Maurice Parry gegründet, um Tauchlehrer im Umgang mit Tauchern mit einer körperlichen Behinderung auszubilden. Die Idee hat sich seitdem auf der ganzen Welt verbreitet. Und so bietet die IAHD auch in Deutschland kontinuierlich Kurse an. Wie am 23. Juni 2018 in Geldern.

Als ich kurz vor zwölf Uhr an der Stadtschwimmhalle in Geldern ankam, waren Freddy und seine Mitstreiter bereits dabei, das umfangreiche Tauch-Equipment aus den Autos auszuladen. Nach einer kurzen Begrüßung stellte mir Freddy das Team vor und ich bekam auch gleich eine Aufgabe: Equipment in den Vorraum der Umkleidekabine tragen. Wenn alle mithelfen, dann geht es schneller. Ganz schön schwer die Flaschen, dachte ich bei mir. Und dann noch die Westen und die Bleigewichte. Das soll ein Betroffener alles  beim Tauchen tragen? Ich war ein wenig skeptisch.


Schnuppertauchen in der Schwimmhalle in Geldern. © IAHD
Betroffene und Tauchlehrer beim Schnuppertauchen im Becken der Schwimmhalle in Geldern in NRW.
Ein Betroffener übt mit zwei Tauchlehrern. © IAHD
Betroffener und zwei Tauchlehrer beim ersten Schnuppertauchen.

Kurzfristig hatten zwei Betroffene abgesagt. Deshalb waren nur zwei Tauchbegeisterte mit körperlichen Einschränkungen - einer davon querschnittsgelähmt - und ich als Tauchnovize anwesend. Dazu sechs erfahrene Taucher und Tauchlehrer. Je nach körperlicher Beeinträchtigung tauchen Betroffene mit einem oder zwei Tauchlehrern, um den Tauchgang sicher und zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Doch dazu später mehr.

Zuerst kamen jetzt die notwendigen Aufklärungen zum geplanten Kurs durch ein Vereinsmitglied und einige theoretische Erläuterungen. In Bezug auf die gesundheitlichen Voraussetzungen ist beim Tauchen wichtig, dass bei den Betroffenen das Herz- und Kreislaufsystem, die Atemwege, die Nasennebenhöhlen sowie die Ohren keine Beeinträchtigung aufweisen. Bei Unsicherheiten sollten Betroffene vorher ihren Arzt konsultieren. Nach einer kurzen Belehrung sowie dem Lesen und Unterschreiben der notwendigen Unterlagen zur Teilnahme am Kurs zog ich mich um und duschte. Dann ging es in die Halle. Der Zugang zu den Umkleidekabinen ist nur über eine Treppe möglich. Hier ist jedoch ein Treppenlift installiert. Bei Bedarf unterstützen auch die Tauchlehrer. Am Samstag hatte sich ein Betroffener zudem Assistenz mitgebracht.

Die Tauchlehrer hatten die Gerätschaften unterdessen schon in die Schwimmhalle getragen. Freddy wies jedem Taucher sein Tauch-Equipment zu. Als Novize bekam ich alles gestellt. Dazu auch einen Neoprenanzug, um nicht zu schnell im Wasser auszukühlen. Georg sollte heute mein Tauchlehrer sein und mit mir alle Schritte so zusammen gehen, wie er es auch mit einem contergangeschädigten Tauchinteressierten oder einem anderen körperbehinderten Anfänger tun würde.

Zuerst half Georg mir in den Neoprenanzug. Der saß ziemlich „körperbetont“ und ohne Georgs Hilfe hätte ich den Reißverschluss auf dem Rücken auch nicht schließen können. In der Halle waren es rund 30 Grad Celsius. Der Neoprenanzug soll im Wasser vor Kälte schützen. Da wir aber noch nicht ins Wasser gingen, sondern an Land die theoretische Einweisung in das Tauchgerät absolvierten, wurde es uns in dem Anzug ziemlich warm. Georg bat mich, meine Ausrüstung aufzunehmen. Dann verzogen wir uns in eine Ecke der Schwimmhalle. Bei den Tauchern mit körperlichen Beeinträchtigungen trugen die Tauchlehrer die Ausrüstung und halfen auch in den Neoprenanzug. Für den Weg aus einem Rollstuhl in das Schwimm- bzw. hier unser Tauchbecken halfen drei Tauchlehrer. Dabei war das Eintauchen in das Becken offensichtlich etwas einfacher als das spätere Aussteigen aus dem Becken, insbesondere da das Tauchen auch anstrengt und den Betroffenen Kraft kostet. Aber zusammen war auch das kein Problem. Wichtig ist es dann jedoch, schnell ein Handtuch oder einen Bademantel zur Hand zu haben. Trotz Neoprenanzug kühlt das Wasser beim Tauchen den Körper aus. Insbesondere nach dem Tauchgang können die Teilnehmer am Tauchkurs deshalb ganz schnell frieren.

Aber soweit waren wir noch nicht. Georg zeigte und erklärte mir erst einmal die verschiedenen Tauchutensilien:

  • Drucklufttauchgerät (Sauerstoffflasche mit Druckminderer und Atemregler),
  • Taucherweste,
  • Bleigewichte,
  • Taucherbrille und
  • Flossen.
Atemregler. @ Alexander Z. - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45723
Die komplette Ausrüstung: Erste Stufe (rechts außen), Atemregler (schwarz), Oktopus (gelb), Finimeter (hier mit Tiefenmesser), Inflatorschlauch (für Tarierweste (Jacket, B.C.D) oder Trockentauchanzug).

Bei der Sauerststoffflasche mit dem Drucklufttauchgerät gibt es einiges zu beachten. Das Drucklufttauchgerät versorgt den Taucher mit dem notwendigen „Atemgas“, um unter Wasser atmen zu können. Dabei besteht jedes Drucklufttauchgerät aus drei verschiedenen Komponenten: eine Tauchflasche mit Lungenautomat, die der Taucher auf dem Rücken trägt, ein vorgeschalteter Druckminderer sowie ein Atemregler. Der Druckminderer reduziert den Flaschendruck (etwa 200 bis 300 bar) in einem ersten Schritt auf einen konstanten Druck zwischen 4 und 15 bar. Dieser bereits reduzierte Druck wird dann vom Atemregler, je nach Tauchtiefe, weiter reduziert, auf einen Druck knapp über dem Umgebungsdruck. Durch das Mundstück am Atemregler atmet der Taucher dann. Zusätzlich gibt es noch den sogenannten „Oktopus“. Das ist ein zweites Mundstück bzw. genauer gesagt ein zweiter Atemregler mit Mundstück. Er dient der Versorgung mit Atemluft bei Notfällen, wenn der erste Atemregler ausfällt oder man sich die Atemluft mit einem weiteren Taucher teilen muss. Der Finimeter, der eher wie zwei Uhren aussieht, gibt Auskunft über den aktuellen Flaschendruck. Dabei kann man an ihm auch ablesen, wie viel Luft bzw. Atemgas schon verbraucht ist und wie viel noch für den aktuellen Tauchgang zur Verfügung steht. Und dann gehört auch noch der sogenannte Inflatorschlauch - zur Versorgung der sogenannten „Tarierweste“ mit Luft - zum Drucklufttauchgerät.

An der Tarierweste wird die Druckluftflasche befestigt. Darüber hinaus ist sie für die Regulierung der Tauchtiefe zuständig. Mit Hilfe des Inflatorschlauches kann Luft in die Tarierweste gefüllt bzw. auch wieder herausgelassen werden. So können Taucher den Auf- und Abtrieb im Wasser ausgleichen, um eine konstante Tauchtiefe zu halten. In der Tarierweste können darüber hinaus auch Bleistücke untergebracht werden, die das Untertauchen erleichtern sollen. Einige Taucher nutzen dafür auch einen Bleigürtel.

US Navy 100504-N-9818V-453 Master Chief Petty Officer of the Navy (MCPON) Rick West and divers from Southwest Regional Maintenance Center conduct pre-dive checks; hand signal "OK".
US-Taucher zeigt Handzeichen "OK".

Dann soll ich zum ersten Mal das Mundstück nutzen und Atemluft direkt aus der Flasche atmen. Funktioniert. Ist doch eigentlich nicht schwierig, denke ich. Ja, auf dem Trockenen ... Jetzt erklärt mir Georg die Handzeichen im Wasser, mit denen wir uns dann unter Wasser verständigen wollen. „Alles OK?“, „Ja, alles OK!“ und „Nein, nicht OK“ sowie „Nach oben und „Nach unten“ sind die wichtigsten Zeichen für den ersten Tauchgang. Dabei weist er wiederholt darauf hin, dass Sicherheit oberste Priorität hat. Immer, wenn ich mich nicht wohl fühlen würde oder mir irgendetwas im Wasser oder an meinem Körper komisch vorkäme, dann sollte ich mich melden und wir würden auftauchen. Wichtig wäre vor allem der Druckausgleich. Wenn der Druck in meinem Mittelohr nicht kontinuierlich an den Umgebungsdruck im Wasser angepasst würde, kann das nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch zu Folgeschäden führen. Dagegen hilft z.B. die „Valsalva-Technik“. Nach Auskunft der Experten kann sie auch von Tauchanfängern ohne großes Training umgesetzt werden. Dazu presst der Taucher mit Daumen und Zeigefinger einer Hand seine Nasenflügel zusammen und verschließt dadurch die Nasenlöcher. Wenn er dann durch die Nase auszuatmen versucht, wird in der Nase ein Druck aufgebaut, der die sogenannte Ohrtrompete öffnet und den Druck ausgleicht. Dieser Druckausgleich muss mit jedem zusätzlichen Meter des Abtauchens erneut gemacht werden. Bekommt man Schmerzen im Ohr und kann den Druckausgleich nicht mehr durchführen hilft nur eins: auftauchen. Betroffene, die den Druckausgleich z.B. wegen einer Schädigung an den Armen nicht selbst durchführen können, bekommen Hilfe von den Tauchlehrern. Sie würden dann z. B. die Nasenflügel des Betroffenen im Wasser zusammendrücken. Der Betroffene müsste dann nur selbständig versuchen durch seine Nase auszuatmen, um den Druckausgleich durchzuführen. Das hätten sie schon bei verschiedenen Betroffenen so gemacht und es hat funktioniert.

Georg würde mich – da es mein erster Tauchgang wäre – sehr oft per Handzeichen fragen, ob alles „OK“ wäre. Ich müsste das dann immer - ebenfalls per Handzeichen - bestätigen. Vorher ginge es nicht weiter.

Und dann geht es wirklich los. Georg bittet mich in das Becken zu steigen und die Flossen anzulegen. Dann gibt es noch einen Tipp, um das Beschlagen der Maske zu reduzieren (eigene Spucke ...). Jetzt hilft mir Georg die Tarierweste mit der Flasche anzuziehen. Diese wird dann noch von ihm festgezurrt und dann sind wir eigentlich soweit. Entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen merkt man die an der Tarierweste befestigte schwere Flasche im Wasser überhaupt nicht. Überraschend, aber sehr hilfreich.

Je nach Schädigungsgrad tauchen normalerweise ein oder zwei Tauchlehrer mit dem Betroffenen. Wenn nötig kann auch ein dritter Taucher dazukommen. Ein Tauchlehrer hält den Betroffenen an der Flasche und kontrolliert über die Tarierweste die Lage des Tauchers im Wasser. Der zweite Tauchlehrer taucht direkt vor dem Betroffenen und hält beständig Blickkontakt und kommuniziert mit Handzeichen. Bei Bedarf kann er dem Betroffenen auch beim Druckausgleich helfen. Freddy und Georg erzählen mir später, dass sie auch schon mit einem Interessenten getaucht wären, der sich nur mit Bewegungen seiner Finger mit ihnen verständigen konnte. Da hätten sie sich vorab auf entsprechende Gesten geeinigt und das hätte prima funktioniert.

Georg taucht mit mir allein. Zuerst machen wir kleine Schritte auf dem Weg in die Unterwasserwelt. Tauchmaske auf. Mundstück rein, auf der Stelle auf die Knie sinken und damit mit dem Kopf unter Wasser gehen. Mein erster offizieller Tauchgang startet und ist schnell wieder zu Ende. Das ungewohnte Atmen durch das Mundstück stresst mich. Bekomme ich wirklich genug Luft? Georg fragt mit Handzeichen, ob alles OK sein. Nein, nichts ist OK. Also wieder hoch. Mundstück raus und tief einatmen.

Georg meint, dass das Atmen unter Wasser schon etwas anders sei. Einfach ruhig und tief einatmen. Ich versuche es. Und wieder geht es unter Wasser. Ich widerstehe dem Reflex kurz und schnell zu atmen und nehme die Atemluft aus der Flasche in langen, ausgiebigen Atemzüge in mich auf. Geht nun viel besser. Alles OK zeigt Georg? Ja, alles OK. Nun hinlegen und Druckausgleich machen. Hinlegen geht, Druckausgleich geht so mittel. Alles OK? Ja, noch OK. Nun geht es am Hallenboden entlang. Noch OK? Ja, alles OK. Dann wieder auftauchen.

Georg erkundigt sich nach meinem Befinden. Er war die ganze Zeit mit der Hand an meiner Flasche und hat den Kontakt gehalten. Das beruhigt. Im Moment bin ich eher noch damit beschäftigt alles richtig zu machen, ausreichend zu atmen und den Druckausgleich hinzubekommen. Von der Schönheit und Entspanntheit des Tauchens ist noch nicht viel zu spüren.

Jetzt geht es mit dem nächsten Schritt weiter. Georg erklärt mir, dass wir uns nun in den tieferen Bereich des Beckens vortasten. Zuerst einmal bis an den Rand des Sprungbereichs, der dahinter bis auf eine Tiefe von rund fünf Metern abfällt.

Atemregler rein. Maske auf und unter Wasser. Erst auf die Knie, dann in die Horizontale und immer wieder Druckausgleich. Das fällt mir nicht so leicht. Mein linkes Ohr schmerzt etwas. Ich versuche den Druckausgleich hinzubekommen. Nichts. Georg fragt, alles OK. Nein. Also auftauchen. Er bläst über den Inflatorschlauch an meiner Druckluftflasche Luft in meine Tarierweste und aufwärts geht es. Was war los, fragt mich Georg. Ich habe Probleme mit einem Ohr. Kein Stress meint Georg. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Aber ohne Druckausgleich funktioniert Tauchen nicht. Ich will es noch einmal versuchen. Also wieder Atemregler rein, Maske auf und los geht es. Unter Wasser sinken wir langsam tiefer. Der Druckausgleich funktioniert immer noch nicht richtig, Check mit Georg, ein erneuter Versuch und dann funktioniert es. Weiter geht’s. Alles OK? Alles OK!

Nun geht es über die Kante in den tieferen Teil. Georg hält mich an Flasche und Weste und reguliert meine Lage im Wasser mit der Druckluft aus meiner Flasche. Um zu steigen, bläst er Luft in meine Tarierweste, um zu sinken lässt er Luft entweichen. Klappt ziemlich gut jetzt. Das erste Mal versuche ich auch mehr von meiner Umwelt mitzubekommen. Benutze die Flossen, um vorwärts zu kommen, bedeutet mir Georg, und rudere nicht so mit den Armen. Wir schwimmen nicht, wir tauchen. Also behalte ich meine Arme vor der Brust verschränkt. Ich brauche sie auch gar nicht. Die Flossen bringen mich gut voran. Ich beobachte meine Mittaucher, die sichtlich Spaß an der „Schwerelosigkeit“ im Wasser habe. Und dann passiert es. Ich bin so fasziniert vom Zuschauen, dass ich vergesse fest auf mein Mundstück zu beißen. Wasser dringt ein und ich verschlucke mich fast. Georg scheint das gespürt zu haben. Alles OK? Nein, nicht OK. Na dann aufwärts. Georg bläst schnell Luft in meine Weste und wir steigen  auf. Oben angekommen nehme ich den Atemregler raus und muss erst einmal husten. Uups, das war einmal nichts. Georg meint, dass man schon den Atemregler immer fest im Mund behalten muss. Deshalb haben Taucher oft individuelle Mundstücke. So reduzieren sie die Gefahr, dass unbeabsichtigt Wasser einen Weg am Mundstück vorbei in den Mund findet. Aber das Mundstück loslassen sollte man trotzdem nicht, sagt er und grinst.

Weiter? Na klar, jetzt fängt es doch erst an Spaß zu machen. Vor dem nächsten Tauchgang erklärt er mir noch, wie ich selbst Luft in meine Weste pumpen kann und dieses auch wieder herauslassen kann. So soll ich nun selbst versuchen, meine Lage im Wasser zu stabilisieren.

Der nächste Tauchgang geht schon ganz gut, finde ich. Jetzt regele ich die Luftzufuhr in die Tarierweste schon selbständig! Ein wenig Übung erfordert die Stabilisierung meiner Lage im Wasser schon. Nachdem die technischen Dinge nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit erfordern, kann ich mich wieder den Tauchgängen der anderen Betroffenen widmen und zuschauen. Faszinierend denke ich und vergesse den Atemregler fest im Mund zu halten. Wieder kommt Wasser in meinem Mund ... uups ... auftauchen mit Georg ... ich schaue in sein grinsendes Gesicht. Ja, ich weiß. Herumträumen ist auch unter Wasser nur bedingt hilfreich. Alles wieder OK. Einmal möchte ich aber noch. Langsam macht es richtig Spaß. Beim nächsten Tauchgang lässt mich Freddy auch schon einmal los, ist aber immer noch nahe bei mir. Kontinuierlich checkt er mein Befinden ab. Alles OK? Alles OK!

Danach ein kurzer Plausch mit Freddy und Georg im Tauchbecken. Grundsätzlich gäbe es eigentlich keine Einschränkungen für die Tauchinteressierten, solange ihre Ärzte keinen Einwand erheben. Je nach körperlicher Beeinträchtigung würde die Zahl der Tauchlehrer angepasst, die Unterstützung und Hilfestellung geben. Wichtig wäre vor allem der Druckausgleich, aber auch hier könnten die Tauchlehrer bei Bedarf helfen.

Jetzt sollten wir eigentlich üben, wie wir unter Wasser eingetretenes Wasser wieder aus meiner Maske bekommen, aber das vertagen wir dann doch lieber auf das nächste Mal. Nun wieder zurück in den flachen Teil des Schwimmbeckens. Maske herunter. Georg nimmt mir die Weste mit Flasche ab. Flossen aus und dann geht es aus dem Wasser. Mein erster Tauchgang ist zu Ende. Eigentlich schade.

Die anderen folgen uns. Alle sind erschöpft, aber sichtlich glücklich. Hat Spaß gemacht. Nun raus aus dem nassen Neoprenanzug und gut abgetrocknet. Die Tauchlehrer räumen das Equipment zusammen und wer kann, der hilft die Gerätschaften wieder aus der Halle zu schaffen. 

Nach dem Duschen und Anziehen treffen wir uns dann alle in der Cafeteria des Hallenbades in Geldern. Bei selbstgebackenem Kuchen sitzen wir zusammen und sprechen über das Tauchen aber auch das abendliche WM-Fußballspiel. Freddy berichtet über ein Projekt, für das er gerade Fördergelder beantragt hat: Tauchen in Ägypten. Fördergelder sind immer ein großes Problem, berichten die Taucher. Der Verein arbeitet ehrenamtlich und der Unkostenbeitrag der Betroffenen für den Tauchgang ist mit 10 Euro auch überschaubar. Selbst die Tauchausrüstung gibt es zum Start erst einmal vom Verein.

In der Kaffeerunde lerne ich auch noch, dass es für Taucher mit Behinderung eigene Tauchscheine gibt (kostenpflichtige Kurse beim IAHD zum Open Water Diver). Diese haben eine Einteilung in drei Level. Darin reflektieren sich neben dem erfolgreichen Abschluss der Theorie und der dazugehörigen praktischen Tauchübungen auch die mit der körperlichen Einschränkung verbundenen Möglichkeiten, sich selbst und anderen in Notsituationen beim Tauchen zu helfen. Eine der Betroffenen zeigt jetzt mir dann stolz ihren „Level-1-Open-Water-Diver“-Ausweis. Es ist vor allem die erlebte Schwerelosigkeit beim Tauchen, die Betroffenen ein neues Körpergefühl und ein bisher ungeahntes Stückchen Freiheit erleben lässt, egal welche körperliche Beeinträchtigung sie haben. 

Auch ich fand mein erstes Taucherlebnis toll. Und dass ich mit meiner Begeisterung für das Tauchen nicht alleine bin, zeigt auch der Kommentar von Udo Herterich vom Interessenverband Contergangeschädigter NRW e. V. auf der Seite des El Alma Rie Coachinghouses, das auf Teneriffa "Tauchen mit Handicap" anbietet: „Im Grunde war es für uns ja ein Schuss ins Blaue – ein Wagnis – als wir für unser World Meeting des Interessenverbandes Contergangeschädigter auf Teneriffa mit rund 200 Leuten auch das Tauchen anbieten und vor allem für viele möglich machen wollten. Und es war ein Riesenerfolg! Ein Pool-Tag der jeden unter Wasser und auch nicht Schwimmende ins Wasser brachte, hochprofessionell, einfühlsam, supergeduldig wie ermutigend und dabei mit Leichtigkeit, Humor und Vergnügen begleitet. Mit dem Schwung ging es gleich zwei Tage später ins Meer als gemeinsames Tauchevent mit einer Prise Abenteuer, individuellem Feinschliff für Tauchen und Schnorcheln um sich wirklich sicher zu fühlen, was für unsere Gruppe sehr wichtig ist ... Summa summarum:  eine einzigartige Erfahrung, die bleibt und schon jetzt so einige für mehr begeistert hat.“


Tauchgang im Meer mit Betroffenem. © IAHD
Drei Tauchlehrer und ein Betroffener tauchen im offenen Meer.
Tauchlehrer hält Kontakt mit Betroffenem. © IAHD
Tauchlehrer und Betroffener tauchen im offenen Meer. Dabei hält der Tauchlehrer immer Kontakt.

Wer nun neugierig geworden ist, sollte das Tauchen unbedingt einmal selbst probieren. Aktuelle Termine für einen Kurs in Geldern gibt es direkt bei Freddy Gaubitz (siehe Kontaktdaten unten). Und vielleicht entwickelt der eine oder andere nach dem Schnupperkurs ja eine neue Leidenschaft und möchte die Schwerelosigkeit des Wassers in Zukunft nicht mehr missen. Einen Versuch wäre es wert. Was meinen Sie?

Kontakt

Freddy Gaubitz
IAHD Office Germany
Telefon: 02833 570755
Mobil: 0172 2495105
E-Mail: germany@iahd.org 

Postadresse des IAHD:
Winternam 8
D-47647 Kerken

Weitere Informationen

Bericht zu "Tauchen mit Handicap:
Geht das überhaupt?"

Deutsche Internetseite
der IAHD

RTZ Rollstuhl-Taucher
in Zürich / Schweiz

Internetseite der Nautico-Divers
Tauchen mit Handicap


Eingestellt von: T. Heckmann
Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2018

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