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Thema des Monats Juni 2018

08.06.2018

Mit dem Rolli quer durch Europa

Der Pariser Eiffelturm. © Cornerstone / pixelio.de
Blick auf den Eiffelturm in Paris.

Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Grund genug für CIP, sich mit den Fragen der Mobilität im Urlaub zu beschäftigen. In diesem Jahr hat es uns dabei besonders das Thema der Barrierefreiheit am Urlaubsort für contergangeschädigte Menschen im Rollstuhl angetan. Wie sind die Informationen zu bewerten, die man sich online oder per Reiseprospekt zum Thema Barrierefreiheit in Europa holen kann? Wie genau spiegelt sich darin die Realität wieder und wohin kann man sich wenden, wenn man es vorab genauer wissen will? CIP spricht mit Experten und stellt exemplarisch einige beispielhafte Reiseziele für den Urlaub mit Rolli vor.

Ihre Erfahrungen

Wenn Sie bereits selbst Erfahrungen mit der Mobilität in Europa gemacht haben, die vielleicht auch für andere Nutzer des CIP interessant und hilfreich sein könnten, oder wenn Sie Interesse an einem speziellen Reiseziel haben, so würden wir uns - wie immer - über eine kurze E-Mail mit Ihren Erfahrungen unter info@contergan-infoportal.de freuen.


Titelseite des Rollstuhl-Kuriers 06/07-2018. © Escales-Verlag
Titelseite des Rollstuhl-Kuriers mit Blick auf ein Hotel in Bad Staffelstein.

Mit dem „Rollstuhl-Kurier“ durch Europa

Informationen und praktische Urlaubs-Tipps für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen

Vor 35 Jahren hatte Yvo Escales, der Gründer des Escales-Verlages, im Rahmen seines Zivildienstes in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderung, eine Idee, die das Leben vieler Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen seitdem verbessert hat. Die überwiegend schwerbehinderten und an den Rollstuhl gebundenen Menschen, die er zum damaligen Zeitpunkt betreute, hatten nahezu keine Möglichkeiten, einen Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände oder der Pflegeeinrichtung zu verbringen. Grund hierfür war, dass es damals zum einen nur sehr wenige  barrierefreie Unterkünfte gab und zum anderen keine Informationsquellen, um diese ausfindig zu machen. 

Ein Ausflug ans Meer, oder vielleicht doch lieber in den Schwarzwald? Einfach einen Reiseführer oder ein Hotelverzeichnis zur Hand nehmen, ins Reisebüro an der Ecke ein Hotel buchen oder blindlinks drauf los. Als Fußgänger kein Problem. Im Rollstuhl hingegen in der damaligen Zeit nahezu undenkbar. Es gab nur wenige Spezialreiseveranstalter für Menschen mit Behinderung, jedoch keine oder nur unzureichende Informationen für diese Zielgruppe von Reiseveranstaltern, Reisebüros und Fremdenverkehrsämtern. Auch in den Hotelverzeichnissen wurden wichtige Informationen über Barrierefreiheit nicht berücksichtigt. Für die meisten Menschen mit körperlichen Einschränkungen, insbesondere für Rollstuhlfahrer, damals ein Grund, auf Reisen verzichten zu müssen.

Yvo Escales organisierte deshalb einige Tagesausflüge und Freizeiten für Rollstuhlfahrer und schwerstbehinderte Menschen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz in Neuss und einem Behindertenverein. Für die meisten mitreisenden behinderten Menschen war es das erste Mal, ihre häusliche Umgebung oder Pflegeeinrichtung für einen Tag oder für eine Woche verlassen zu können und eine neue Umgebung kennenzulernen. 

Um jedoch flächendeckend behinderten Menschen in ganz Deutschland helfen zu können, kam er dann auf die Idee, weltweit nach rollstuhl- und behindertengeeigneten Hotels, Pensionen, Ferienhäusern, Ferienbauernhöfen und Spezialreiseveranstaltern zu recherchieren und diese in einem Ratgeber zu veröffentlichen. Zur damaligen Zeit eine unendlich mühevolle Arbeit, denn Suchmaschinen im Internet bzw. das Internet selbst gab es damals noch nicht. So wurden Tausende Beherbergungsbetriebe, Reiseveranstalter, Verkehrsämter und Organisationen angeschrieben, zum Teil persönlich besucht, und im Jahr 1984 erschien die erste gedruckte Ausgabe des Ratgebers "Handicapped-Reisen", der inzwischen in der 29. Auflage vorliegt. Bis 1995 wurde "Handicapped-Reisen" mit einer Loseblattsammlung ergänzt, welche aktuelle Reiseinformationen für Rollstuhlfahrer und schwerbehinderte Menschen enthielt. 

Im Juni 1995 wurde daraus eine alle zwei Monate erscheinende Fachzeitschrift, zunächst unter dem Titel "Handicapped-Kurier", im Jahr 2008 umbenannt in "Rollstuhl-Kurier", mit dem Themenschwerpunkt Reisen. Urlaubsdomizile auf der ganzen Welt werden von der Redaktion seit 22 Jahren auf Barrierefreiheit geprüft und detailliert beschrieben. Seit kurzem erscheint der „Rollstuhl-Kurier“ quartalsweise und ist eine der größten Fach-Zeitschriften in Deutschland, welche sich speziell an Menschen mit Behinderung, Senioren und andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen richtet.

Am Rande der IRMA 2018 in Hamburg haben wir uns mit Catharina Escales getroffen, die seit vielen Jahren Reiseberichte für den „Rollstuhl-Kurier“ verfasst und bereits in ganz Europa auf der Suche nach barrierefreien Urlaubszielen war.

CIP: Frau Escales, was ist das Besondere am „Rollstuhl-Kurier“?

Catharina Escales: Wir sind im Bereich Reisen die einzige Zeitschrift in Deutschland, die in aufwendigen Reportagen Reiseziele europaweit auf Barrierefreiheit untersucht und ihren mobilitätsbeschränkten Lesern darüber detailliert Bericht erstattet. Es gibt immer noch zu wenig gute Beispiele in Deutschland, wie auch auf der ganzen Welt, was verlässliche Informationen für Menschen mit Handicap angeht. Viele Betroffene berichten beispielsweise, ein Museum als Rollstuhlgerecht empfohlen bekommen zu haben und am Eingang dann an zwei Stufen gescheitert zu sein (Beispiel: Touristeninformation Barcelona). Manche Hotels beschreiben sich als gut geeignet für Rollstuhlfahrer und die gebuchten Zimmer sind dann so klein, dass man kaum durchkommt. Oder im Bad wartet gar eine Badewanne anstelle einer einfahrbaren Dusche. Sehr gerne werden auch Cafés und Restaurants uneingeschränkt empfohlen, bei denen das WC dann ohne Fahrstuhl im Keller liegt (Beispiel: Touristeninformation Pisa im Herbst 2017). Beliebt in manchen Ländern sich auch „modernste barrierefreie Sanitäranlagen“ in denen das WC dann beiderseits von festen Haltestangen „zugemauert“ ist (Beispiel: Paralympics-Umbauten in Peking). Ob nun Touristeninformation, Selbstauskunft oder Apps: Oft stimmen die Informationen nicht oder sind veraltet, weil sie nicht gepflegt werden. Hier versuchen wir Aktualität und Transparenz zu schaffen.

CIP: Das hört sich teilweise ziemlich frustrierend an?

Catharina Escales: Nahezu jeder Mobilitätsbeschränkte hat beim Reisen schon negative Erfahrungen machen müssen. Bei vielen führt dies zu Frust, bis hin zur Angst vor dem selbstständigen Reisen. Selbst nach wochenlanger, intensiver Recherche kann es dann vor Ort ganz anders aussehen. Wir erleben immer wieder Überraschungen, positive wie auch negative. Um unseren Lesern dies zu ersparen, Planungssicherheit zu geben und den Urlaub so angenehm wie möglich zu gestalten, gucken wir uns vor Ort alles selbst ganz genau an. Jedes relevante Detail wird berücksichtigt. 

Anhand der Berichterstattung kann dann jeder selbst entscheiden was er sich zutraut und was nicht. Man weiß aber in jedem Fall, was einen erwartet. Wir berichten deshalb von barrierefreien Unterkünften, Touristenattraktionen, Ausgehmöglichkeiten sowie Straßen- und Wegeverhältnissen in den verschiedensten Ecken Europas. Wie groß ist das Badezimmer, wie viel Platz habe ich zum rechts- oder linksseitigen Anfahren an das WC? Gibt es Haltegriffe und wo sind diese angebracht? Ist das Waschbecken unterfahrbar und reicht mir der Bewegungsspielraum in der Dusche? Das Zimmer liegt im 3. Stock, passe ich mit dem Rollstuhl in den Aufzug? Was macht die Bettkantenhöhe? Welche Attraktionen kann ich mit meiner Gehbehinderung besichtigen? Kann ich im Museum auf die Toilette gehen? Welche Kosten erwarten mich? Wo geht man gut essen, auch mit dem Rollstuhl?  Da sind wir auch mit dem Zollstock unterwegs und messen nach. Und die Ergebnisse finden sich im Artikel bzw. können auch direkt bei uns im Verlag nachgefragt werden.

Wer nun aber denkt, eine Flut trockener technischer Daten in den Artikeln vorzufinden,  der irrt sich. Neben den besonderen Details der Barrierefreiheit, werden Erlebnisse und Eindrücke in äußert leb- und bildhafter Weise beschrieben. Von kulinarischen Höhepunkten bis hin zu beeindruckend spannenden geschichtlichen Details besuchter Monumente ist das Reiseberichtspektrum lange nicht ausgeschöpft. Die Berichte bieten alles, was eine spannende Reiselektüre zu bieten hat - nur eben abgerundet mit den für Rollstuhlfahrer wichtigen Details. Dabei ist den Schreibern bewusst, dass viele Leser vor allem im Kopf mitreisen und davon träumen, dass auch für Sie so eine Erfahrung möglich sein könnte.

CIP: Hätten Sie ein konkretes Beispiel dafür für uns?

Catharina Escales: Aber natürlich. Gerne sende ich Ihnen für das CIP unseren aktuellen Bericht aus dem Juli-Heft über ein Wellness-Wochenende in Bad Staffelstein zu. Ihre Nutzer können sich so gerne ein konkretes Bild über unsere Reiseberichte machen.

CIP: Vielen Dank! Gab es eigentlich auch schon einmal einen Reisebericht, der sie selbst überrascht hat?

Catharina Escales: Ja, Venedig. Wir hatten es uns bei den ersten Diskussionen in der Redaktion nur sehr schwer vorstellen können, dass Venedig ein gutes Reiseziel für einen Urlaub mit Rollstuhl wäre. Im Oktober 2015 haben wir der Lagunenstadt Venedig dann trotzdem einen Besuch abgestattet und Hotels, Wege, Bauwerke und Sehenswürdigkeiten getestet. Und tatsächlich, die auf Pfählen erbaute Stadt, die seit Jahren gegen den Untergang kämpft, ist, wenn auch mit kleinen Einschränkungen, durchaus gut im Rollstuhl erlebbar. Das hat mich schon ziemlich überrascht.

CIP: Wie kommen Ihre Reiseberichte bei ihren Lesern an?

Catharina Escales: Sehr gut. Viele unserer Berichte wurden schon von Betroffenen „nachgefahren“. Danach melden sie uns ihre Eindrücke zurück: Was sie gut fanden und manchmal auch, wo sie noch Optimierungsbedarf sehen. Ein älteres Ehepaar fährt z. B. seit Jahren unsere Routen nach und sendet uns dann ihren Reisebericht. Dabei haben Sie uns auch schon neue Tipps gegeben. Als ein vorgestelltes Restaurant einmal nicht offen hatte, haben sie ein anderes Restaurant in der Straße genutzt und uns einen kleinen Bericht mit Empfehlung darüber geschickt. Manchmal bekommen wir auch Wünsche zugesandt, welches Reiseziel wir einmal vorstellen sollten. Diese versuchen wir natürlich in unsere Planungen mit aufzunehmen.

CIP: Wie viele detaillierte Reiseberichte gibt es jetzt eigentlich schon?

Catharina Escales: Es sind über die ganzen Jahre bestimmt schon an die hundert Berichte zu Zielen in Deutschland und ganz Europa zusammengekommen. Und, es werden jährlich mehr, da der Bedarf an verlässlichen Informationen zu barrierefreien Reisezielen genauso schnell steigt, wie die Lust der Betroffenen am Reisen.

CIP: Vielen Dank für das Gespräch und noch viel Erfolg beim Auffinden und Testen barrierefreier Reiseziele!

Weitere Informationen

Beispielbericht zu einem Wellness-Wochenende
in Bad Staffelstein aus dem aktuellen
Rollstuhl-Kurier

Kontakt

Catharina Escales
Escales-Verlag
Talstraße 58
77887 Sasbachwalden

Telefon: 07841 6841133
E-Mail: info@escales-verlag.de


Blick in ein umgebautes Auto.

Automobilität bei Bedarf

Im Thema des Monats Juni 2018 dreht sich alles um das rollstuhlgerechte Reisen durch Europa. Nachdem wir uns im Februar 2018 bereits mit praktischen Tipps für die Fahrt mit dem eigenen Auto im Ausland, den verschiedenen Mautregelungen und dem richtigen Verhalten bei einem möglichen Unfall beschäftigt haben, geht es nun vor allem um die Barrierefreiheit am Urlaubsort. Dazu zählen neben einer barrierefreien Unterkunft und den trotz körperlicher Beeinträchtigung nutzbaren Sehenswürdigkeiten bzw. Ausflügen insbesondere auch die Sicherung der Mobilität vor Ort.

Autovermietung

Mobilität außer Haus ermöglicht soziale Teilhabe. Eine individuell angepasste technische Ausstattung des eigenen Fahrzeuges hilft dabei, Assistenzbedarf zu vermeiden und sichert dadurch in einem hohen Maße auch die Selbstständigkeit der contergangeschädigten Menschen, auch im Urlaub. Aber nicht jeder hat ein eigenes Automobil oder möchte mit diesem die Reise zu seinem Urlaubsort antreten. Als mögliche Lösung bietet sich da die Anmietung eines entsprechenden Fahrzeuges an. Auch wenn noch nicht alle Anbieter auch für alle körperlichen Beeinträchtigungen die individuell optimale Lösung bieten können, so gibt es doch schon einige Angebote, die für contergangeschädigte Menschen nützlich sein können. Dazu zählen z. B.:

Rollstuhlgerechte Wohnmobile

Die Anschaffung bzw. der barrierefreie Umbau eines Wohnmobils, welches auch mit einem Rollstuhl uneingeschränkt genutzt werden kann, ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Demgegenüber steht der Vorteil mobil, frei und unabhängig zu sein und nicht auf das Vorhandensein von geeigneten Unterkünften am Zielort oder während der Reise angewiesen zu sein. Eine mögliche Alternative zum Kauf eines solchen Wohnmobils ist die Anmietung für den Urlaub. Leider haben wir bei unseren Recherchen mehr Anbieter gefunden, die sich aus der Vermietung wieder zurückgezogen haben als umgekehrt. Entsprechende Angebote finden interessierte Betroffene aber immer noch bei

Rolli-Freizeit
(Nicht geeignet für Elektrorollstühle & Personenlifter)

Grimm-Wohnmobile

MS-Mobil e.V.
Das Angebot richtet sich – laut Mietbedingungen - an schwerstbehinderte Rollstuhlfahrern – vorrangig, aber nicht ausschließlich MS-Erkrankte. Die Reihenfolge ergibt sich durch den Zeitpunkt der Buchung, wobei Vereinsmitglieder vorrangig berücksichtigt werden. Sollten nicht genügend rollstuhlpflichtige Interessenten vorhanden sein, so können auch Behinderte mit dem Kennzeichen „aG“, „B“ oder „H“ bzw. gering behinderte Personen berücksichtigt werden. Zum Angebot.

Mietwagen für mobilitätseingeschränkte Selbst- und Mitfahrer in Deutschland

Einige Mietwagenfirmen bieten Betroffenen auch speziell umgerüstete Fahrzeuge an, die jedoch nicht immer für alle Schädigungsmuster nutzbar sind. Besondere Angebote haben:

AVIS Autovermietung
Laut Eigenwerbung stellt AVIS einen behindertengerecht umgebauten VW Caddy Maxi an über 100 Anmietstationen in Deutschland zur Verfügung.

ASP – Aufbau Service Petersen GmbH
Angebot von Mietwagen für mobilitätseingeschränkte Selbst- und Mitfahrer in Norddeutschland.

Europcar
Behinderungsgerechte Fahrzeuge vom Typ VW Golf Automatik mit Sonderausstattungen. Informationen über Service-Telefon 0180 5 8000 (0,12 pro Minute).

Paravan Autovermietung
Der Spezialist für Autoumbauten und Mobilitätslösungen bietet auch Mietwagen für mobilitätseingeschränkten Menschen und Rollstuhlfahrer.

Autovermietung Nahetal in Bingen am Rhein
Barrierefreie Diesel-Fahrzeuge. Ansprechpartner sind Michael Kruschwitz und Karina Jung, erreichbar unter der Telefon-Nummer: 06721 186264.

rolli-ins-grüne
Spezialisierte Autovermietung für Rollstuhltransporter (Passivfahrer) in München.

Mietwagenangebote im europäischen Ausland

Kurt – Rent-a-Car (Mallorca)
Ford Focus Adaptado mit Handbedienung

Accamino – Barrierefreies Reisen in Berlin
Vermittlung von Fahrzeuge für mobilitätseingeschränkte Menschen (passiv/aktiv) in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Autovermietungen

Motability Ireland (Irland)
Behindertengerechte Autos zur Erkundung der grünen Insel.

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Eingestellt von: T. Heckmann
Quellen: Informationen der Anbieter und eigene Recherchen
Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2018

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