Navigation

Brotkrümelpfad

Inhalt

Neurologie

Mit welchen Erkrankungen beschäftigt sich die Neurologie?

Die Neurologie beschäftigt sich als medizinisches Fachgebiet mit der Vorsorge, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen im Bereich des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems. In einer erweiterten Definition zählen dazu auch verschiedene muskuläre Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Überganges von Nerven und Muskeln.1

Was haben bisherige Studien zur Conterganschädigung über Beeinträchtigungen in diesem Bereich festgestellt?

K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2014)

Im Forschungsbericht von Prof. Peters und seinen Kollegen wurden 202 contergangeschädigte Menschen (56,9% weiblich; Altersspanne 48-54 Jahre; Zweifachschädigung 80,5%, Vierfachschädigung 9,0%, keine Dysmelien 10,5%) systematisch befragt und untersucht. Dies umfasste eine komplette fachorthopädische Untersuchung, ein strukturiertes Interview zur Diagnose psychischer Erkrankungen, strukturierte Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität und der Schmerzsymptomatik sowie - bei Bedarf - auch ergänzende Diagnostik (Neurologie, Röntgen, Sonografie). Damit wurden rund 25% aller in Nordrhein-Westfalen lebenden Contergangeschädigten erfasst. Bei den "nicht-skelettalen Fehlbildungen" sind dabei folgende Untersuchungsergebnisse für den Bereich Neurologie aufgeführt:

Im Bereich der neurologischen Veränderungen im Bereich des Gesichtes dominierten in der Untersuchung in Nordrhein-Westfalen die Fazialisparese mit insgesamt 14,9% (n=30 TN). Bei 11 Teilnehmern (5,4%) wurde eine Gaumensegellähmung diagnostiziert und bei 5 Teilnehmern (2,5%) ein Hirnschaden. Diese Ergebnisse wurden von den Studienautoren mit den Erkenntnissen der Marquardt-Studie (Erhebung von Ursprungsschäden mit 2.540 Contergangeschädigten aus dem Jahre 1991)2 und der Kruse-Studie von 2012 verglichen. In der Untersuchung von 1991 waren neurologische Schädigungen leicht höher vertreten. So wurden bei 19,2 der Teilnehmer eine Fazialisparese, bei 7,6% eine Gaumensegellähmung und bei 5% ein Hirnschaden konstatiert. Im Rahmen der Studie von Kruse et al. In 2012 wurden die Fazialisparese und die Gaumensegellähmung nicht einzeln aufgeführt sondern unter Schädigungen im Kopfbereich und der Sinnesorgane zusammengefasst (35,4% der Teilnehmer). Explizite Angaben zu Hirnschäden werden nicht getroffen.3 

Veränderungen im Gesichtsbereich in Abhängigkeit von einer Extremitäten-Fehlbildung mit Prozentangeben relativ zum jeweiligen Schädigungsmuster4

Schädigung keine Dysmelie (n=21) Zweifachschädigung (n=161) Vierfachschädigung (n=20)
Faszialsparese 17 (81,0 %) 11 (6,8 %) 2 (10,0 %)
Gaumensegellähmung 7 (33,3 %) 4 (2,5 %) 0 (0 %)

 

     
A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen (2012)

Die Untersuchung von Professor Kruse und seiner Kollegen vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg zur aktuellen Lebenssituation und zum zukünftigen Versorgungsbedarf von Contergangeschädigten umfasste eine Fragebogenerhebung (n= 870 TN), biografische Interviews (n= 285 TN) und 23 themenzentrierte Fokusgruppen (n= 112 TN) sowie eine Befragung der behandelnden Ärzte (n= 62 TN). Auf der Basis der dabei gesammelten Erkenntnisse trafen die Studienautoren differenzierte Aussagen zur aktuellen körperlichen, psychischen und sozialen Situation contergangeschädigter Menschen.

Im Rahmen der Heidelberger Conterganstudie wurden dabei folgende Schädigungen im Bereich des Nervensystems konstatiert, die auf eine Schädigung durch Contergan zurückzuführen sein könnten5:

  • neurologische Beschwerden unklarer Herkunft, die mit motorischen Störungen, Taubheitsgefühlen in Extremitäten, lokaler Verminderung der Schmerzempfindung oder einem Kribbeln in den Armen und Füßen einhergehen,
  • chronisch-entzündliche Prozesse des Zentralnervensystems, 
  • periventrikuläre Marklagerläsionen (Gehirnschädigung) unklarer Herkunft, 
  • Verdacht auf Multiple Sklerose, ohne dass notwendige Kriterien erfüllt waren,
  • sowie Polyneuritis.

Aktuelle Behandlungsansätze im Bereich der Neurologie

Zusammen mit Experten aus dem Bereich der Neurologie werden wir Ihnen hier zeitnah aktuelle Therapieansätze und Erfahrungen aus der klinischen Praxis präsentieren. Sollten Sie vorab schon Fragen zum Bereich der Neurologie oder konkrete Wünsche zu den zukünftig vorgestellten Therapieansätzen haben, so senden Sie uns einfach eine kurze E-Mail unter info@contergan-infoportal.de zu. 

Weitere Informationen

Studie zu Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive - PDF, 8.43 MB

Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen

Kontakte

Adressen Neurologie
in der CIP-Adressdatenbank


Quellen:

  1. Vgl. hierzu DocCheck Flexicon. Das Medizinlexikon der Online-Community für medizinische Fachberufe. Zuletzt eingesehen am 09.12.2017
  2. Marquardt E: Begutachtung des Conterganschadens und seiner Folgezustände. In: Niethard FU, Marquardt E, Eltze J (Hrsg.) Contergan 30 Jahre danach. Enke Stuttgart, 1994.
  3. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 67.
  4. Ebenda, S. 66.
  5. A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefizi-ten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen. Heidelberg 2012, S. 195 ff. 

Eingestellt von: T. Heckmann
Letzte Änderung: 28. Februar 2018

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.