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Innere Medizin

Mit welchen Erkrankungen beschäftigen sich die Innere Medizin?

Die Innere Medizin beschäftigt sich als medizinisches Fachgebiet mit der Diagnose und nicht-operativen Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe. Dies beinhaltet auch Fragen der Lebensweise und der Gesundheitsführung der Menschen.1 

Was haben bisherige Studien zur Conterganschädigung über Beeinträchtigungen in diesem Bereich festgestellt?

K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2014)

Im Forschungsbericht von Prof. Peters und seinen Kollegen wurden 202 contergangeschädigte Menschen (56,9% weiblich; Altersspanne 48-54 Jahre; Zweifachschädigung 80,5%, Vierfachschädigung 9,0%, keine Dysmelien 10,5%) systematisch befragt und untersucht. Dies umfasste eine komplette fachorthopädische Untersuchung, ein strukturiertes Interview zur Diagnose psychischer Erkrankungen, strukturierte Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität und der Schmerzsymptomatik sowie - bei Bedarf - auch ergänzende Diagnostik (Neurologie, Röntgen, Sonografie). Damit wurden rund 25% aller in Nordrhein-Westfalen lebenden Contergangeschädigten einbezogen. Bei den "nicht-skelettalen Fehlbildungen" sind dabei folgende Untersuchungsergebnisse für den Bereich Innere Medizin aufgeführt:

Von 202 untersuchten Betroffenen wiesen insgesamt 102 Studienteilnehmer (50,5%) Ursprungschäden an inneren Organen auf. Die häufigsten Schädigungen waren dabei Fehlbildungen der Niere (19,3%). In einer früheren Studie von Weicker (1967)2 wurden bei 25% der überlebenden Kinder mit Thalidomid-Embryopathie Fehlbildungen im Bereich der Nieren gefunden. Peters et al. verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Untersuchung von Lenz (1994)3 nach der zu den Nierenfehlbildungen einseitige Nierenaplasien, Kuchennieren, Hufeisennieren, Beckennieren, Rotationsanomalien und doppelte Nierenbecken oder Ureteren zählen.4

Ursprungsschäden der inneren Organe bei Thalidomid-Embryopathie (n=202)5

Schädigung Fallzahl Prozent
Herzfehler 21 10,4
Darmfehlbildung 15 7,4
Fehlen der Gallenblase 13 6,4
Nierenfehlbildung 39 19,3
Leistenbruch 24 11,9

 

     
Diese Ergebnisse wurden von den Studienautoren mit den Erkenntnissen der Marquardt-Studie (Erhebung von Ursprungsschäden mit 2.540 Contergangeschädigten aus dem Jahre 1991)6 und der Lenz-Untersuchung von 19947 verglichen. In der Peters-Studie sind - im Vergleich zu der 1991 durchgeführten Erhebung von Marquardt - die Fehlbildungen an inneren Organen etwas häufiger vertreten, insbesondere im Bereich der Nierenfehlbildungen.

Verteilung der Fehlbildung an inneren Organen im Vergleich Peters (2014) und Marquardt (1991)8

Schädigungsmuster

Marquardt (n=2.540)
1991
Peters (n=202)
2014
Herzfehler 7,6 % 10,4 %
Darmfehlbildung 6,0 % 7,4 %
Fehlen der Gallenblase 0,8 % 6,4 %
Nierenfehlbildung 6,4 % 19,3 %
Leistenbruch 5,7 % 11,9 %

 

    
Peters et al. vermuten, dass gerade geringer-gradige Fehlbildungen innerer Organe, die keine merkliche Funktionseinschränkungen mit sich brachten, oft erst verspätet entdeckt wurden. In der Untersuchung von Lenz wurden 1994 noch bei 9,2 % aller durch die Conterganstiftung anerkannte Fälle eine Nierenfehlbildung (n = 2.864) diagnostiziert.  

A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen (2012)

Die Untersuchung von Professor Kruse und seiner Kollegen vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg zur aktuellen Lebenssituation und zum zukünftigen Versorgungsbedarf von Contergangeschädigten umfasste eine Fragebogenerhebung (n = 870 TN), biografische Interviews (n = 285 TN) und 23 themenzentrierte Fokusgruppen (n = 112 TN) sowie eine Befragung der behandelnden Ärzte (n = 62 TN). Auf der Basis der dabei gesammelten Erkenntnisse trafen die Studienautoren differenzierte Aussagen zur aktuellen körperlichen, psychischen und sozialen Situation contergangeschädigter Menschen.

Nach Ansicht der Experten gewinnen die Fehlbildungen innerer Organe mit zunehmendem Alter der Betroffenen an Bedeutung. Dabei kommen die Folgen des natürlichen Alterungsprozesses zu den bereits bestehenden Einschränkungen der Organfunktionen hinzu und führen dadurch zu weiteren gesundheitlichen Einschränkungen und einer Abnahme der Belastbarkeit.

Der Zuwachs an auftretenden Schädigungen z. B. auch im Bereich der inneren Organe, wie er in der Heidelberger Studie auf der Basis der Befragungen festgestellt wurde, ist nach Meinung der Wissenschaftler teilweise darauf zurückzuführen, dass vorgeburtliche Schädigungen in der frühen Kindheit nicht erkannt wurden (z. B. Schädigungen der Nieren oder der inneren Geschlechtsorgane) bzw. dass die vorgeburtlich geschädigte Funktion mit zunehmendem Alter nicht mehr kompensiert werden kann, wie beispielsweise bei Herzfehlern. Auch die über Jahrzehnte verringerten Trinkmengen schadeten bei einigen Betroffenen den eigentlich gesunden Nieren und führen heute z. B. zu dialysepflichtiger Niereninsuffizienz. 

Aktuelle Behandlungsansätze im Bereich der Inneren und der Allgemeinmedizin

Zusammen mit Experten aus dem Bereich der Inneren und der Allgemeinmedizin werden wir Ihnen hier zeitnah aktuelle Therapieansätze und Erfahrungen aus der klinischen Praxis präsentieren. Sollten Sie vorab schon Fragen oder konkrete Wünsche zu den zukünftig vorgestellten Therapieansätzen haben, so senden Sie uns einfach eine kurze E-Mail unter info@contergan-infoportal.de zu.

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Weitere Informationen

Studie zu Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive - PDF, 8.43 MB

Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen


Quellen:

  1. Vgl. hierzu DocCheck Flexicon. Das Medizinlexikon der Online-Community für medizinische Fachberufe. Zuletzt eingesehen am 09.12.2017.
  2. Weicker H. Das sogenannte Dysmelie-Syndrom (Thalidomid-Embryopathie) und seine Differentialdiagnose. Wien med Wschr 1967; 117: 387-390.
  3. Lenz W. Thalidomidschäden an inneren Organen. In: Niethard FU, Marquardt E, Elt- ze J (Hrsg.) Contergan 30 Jahre danach. Enke Stuttgart, 1994, 27-33.
  4. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 68.
  5. Ebenda.
  6. Marquardt E: Begutachtung des Conterganschadens und seiner Folgezustände. In: Niethard FU, Marquardt E, Eltze J (Hrsg.) Contergan 30 Jahre danach. Enke Stuttgart, 1994.
  7. Lenz W. Thalidomidschäden an inneren Organen. In: Niethard FU, Marquardt E, Elt- ze J (Hrsg.) Contergan 30 Jahre danach. Enke Stuttgart, 1994, 27-33.
  8. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 69.
  9. Ebenda, S. 68.

Eingestellt von: T. Heckmann
Letzte Änderung: 28. Februar 2018

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