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Augenheilkunde

Mit welchen Erkrankungen beschäftigt sich die Augenheilkunde?

Die Augenheilkunde oder auch Opthalmologie beschäftigt sich als medizinisches Fachgebiet mit der Vorsorge, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen im Bereich der Augen und der sie umgebenden Strukturen.1 

Welche Schäden im Bereich der Augen sind als Conterganschäden ggf. anzuerkennen?

In der Richtlinie für die Gewährung von Leistungen wegen Conterganschadensfällen werden die folgenden Sehschädigungen erwähnt:2 

  • Blindheit oder der Blindheit gleichzusetzende Sehschädigung,  
  • hochgradige Sehschädigung, 
  • andersartige Sehbehinderung durch Augenmissbildung oder Schielamblyopie, 
  • Augenmuskelnerv-Lähmung einseitig oder zweiseitig,
  • kosmetisch auffälliges Schielen, Fehlen des beidäugigen Sehens sowie
  • unvollständiger Lidschluss.3

Was haben bisherige Studien zur Conterganschädigung über Beeinträchtigungen in diesem Bereich festgestellt?

K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen (2014)

Im Forschungsbericht von Prof. Peters und seinen Kollegen wurden 202 contergangeschädigte Menschen (56,9% weiblich; Altersspanne 48-54 Jahre; Zweifachschädigung 80,5%, Vierfachschädigung 9,0%, keine Dysmelien 10,5%) systematisch befragt und untersucht. Dies umfasste eine komplette fachorthopädische Untersuchung, ein strukturiertes Interview zur Diagnose psychischer Erkrankungen, strukturierte Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität und der Schmerzsymptomatik sowie - bei Bedarf - auch ergänzende Diagnostik (Neurologie, Röntgen, Sonografie). Damit wurden rund 25% aller in Nordrhein-Westfalen lebenden Contergangeschädigten erfasst. Bei den "nicht-skelettalen Fehlbildungen" sind dabei folgende Untersuchungsergebnisse für den Bereich Augenheilkunde aufgeführt:

In der Peters-Studie hatten insgesamt 57 Teilnehmer Augenschäden. Diese teilten sich dabei auf die folgenden Schädigungen auf: 

  • 2 Betroffene waren blind (1%) und
  • 18 weitere Teilnehmer (8,9 %) wiesen Sehschäden auf,
  • 49 Betroffene (24,3%) hatte eine Augenmuskellähmung und
  • 23 Betroffene (11,4%) einen unvollständigen Lidschluss.  

In der 1991 durchgeführten Erhebung von Marquardt4 fanden sich laut Studienautoren vergleichbare Anteile an Fehlbildungen der Augen (Ursprungsschäden der Augen gesamt 50,3% versus 45,6%). 

Verteilung der Fehlbildungen der Sinnesorgane in der Peters-Studie (2014) im Vergleich zu den Erhebungen von Marquardt (1991)5

Schädigungsmuster

Marquardt-Studie (n=2.540)

Peters-Studie (n=202)

Sehschädigung und Blindheit

3,8 % 9,9 %

Augenmuskellähmung 

39,4 % 24,3 %

Unvollständiger Lidschluss

7,1 % 11,4 %

 

               
Veränderungen im Gesichtsbereich in Abhängigkeit von einer Extremitäten-Fehlbildung mit Prozentangeben relativ zum jeweiligen Schädigungsmuster6 

Schädigung Keine Dysmelie (n=21) Zweifachschädigung (n=161) Vierfachschädigung (n=20)
Sehschäden 5 (23,8 %) 10 (6,3 %) 3 (15,0 %)
Augenmuskellähmung 19 (90,5 %) 26 (16,1 %) 4 (20,0 %)
Unvollständiger Lidschluss 12 (57,1 %) 9 (5,6 %) 2 (10 %)

 

          
A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Men-schen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen (2012)

Die Untersuchung von Professor Kruse und seiner Kollegen vom Institut für Geronto-logie der Universität Heidelberg zur aktuellen Lebenssituation und zum zukünftigen Versorgungsbedarf von Contergangeschädigten umfasste eine Fragebogenerhebung (n= 870 TN), biografische Interviews (n= 285 TN) und 23 themenzentrierte Fokusgrup-pen (n= 112 TN) sowie eine Befragung der behandelnden Ärzte (n= 62 TN). Auf der Basis der dabei gesammelten Erkenntnisse trafen die Studienautoren differenzierte Aussagen zur aktuellen körperlichen, psychischen und sozialen Situation contergan-geschädigter Menschen.

Dabei wurden in den Befragungen folgende Sehschädigungen konstatiert:7

  • Augenmissbildungen und Refraktionsanomalien, 
  • Lähmungen der Augenmuskeln (z.B. räumliches Sehen nicht möglich), 
  • ein Strabismus (Schielen; z.B. Entstehung von Schwindel bei Fixierung von Ge-genständen) oder 
  • ein nicht vollständiger Lidschluss (z.B. Schmerzen wegen Austrocknung des Auges). 

In der Heidelberger Conterganstudie gab es einen mit den Erkenntnissen der Peters-Studie vergleichbaren Anteil an primär sehgeschädigten und blinden Studienteil-nehmern (35,1%).8

Darüber hinaus wurden die folgenden Daten zu Sehbeeinträchtigungen im Rahmen der Befragungen von Kruse et al. erhoben:9

Art der Schädigung   Gruppe der Gehörlosen (n=47) Gruppe der Hörgeminderten (n=305) Gruppe ohne Hörschäden (n=526)
Sehschädigung Nur rechts 12,2 % 7,9 % 7,5 %
Sehschädigung Nur links 2,0 % 5,8 % 6,8 %
Sehschädigung Beidseits 55,1 % 37,1 % 29,5 %
Sehschädigung Blindheit beidseitig 8,7 % 0,4 % 1,4 %

 

 

 

                    
Beeinträchtigungen der Sehfähigkeit treten nach den Erkenntnissen der Befragungen der Heidelberger Contergan-Studie bei gehörlosen Contergangeschädigten etwas häufiger auf als in der Gesamtgruppe der Contergangeschädigten. Im Rahmen der Heidelberger Studie hatten die Hälfte der Hörgeminderten und 43,8% der Contergangeschädigten ohne Hörschädigung eine Sehschädigung. Gehörlose Contergangeschädigte berichteten dabei von einer Minderung der Sehleistung im Laufe des Tages und bei schwerer Belastung von bis zu 20%.

Darüber hinaus können die in diesem Zusammenhang angeführten Sehschädigungen auch noch weitere Problemen verursachen. So sind Augenmuskel-Lähmungen auch eine Ursache von Schmerzen im Nacken, da z.B. der Kopf beim Lesen eines Buches oder der Arbeit am PC den Zeilen folgt und damit die Nackenmuskeln zusätzlich belastet.

Aktuelle Behandlungsansätze im Bereich der Augenheilkunde

Zusammen mit Experten aus dem Bereich der Augenheilkunde werden wir Ihnen hier zeitnah aktuelle Therapieansätze und Erfahrungen aus der klinischen Praxis präsentieren. Sollten Sie vorab schon Fragen zum Bereich der Augenheilkunde oder konkrete Wünsche zu den zukünftig vorgestellten Therapieansätzen haben, so senden Sie uns einfach eine kurze E-Mail unter info@contergan-infoportal.de zu.

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Weitere Informationen

Studie zu Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive - PDF, 8.43 MB

Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen


Quellen:

  1. Vgl. hierzu DocCheck Flexicon. Das Medizinlexikon der Online-Community für medizinische Fachberufe. Zuletzt eingesehen am 09.12.2017
  2. Conterganstiftung: Anlage 2 – Richtlinie zu den Richtlinien für die Gewährung von Leistungen wegen Conterganschadensfällen. Medizinische Punktetabelle. 
  3. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 62.
  4. Marquardt E: Begutachtung des Conterganschadens und seiner Folgezustände. In: Niethard FU, Marquardt E, Eltze J (Hrsg.) Contergan 30 Jahre danach. Enke Stuttgart, 1994.
  5. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 65.
  6. Ebenda, S. 66.
  7. A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen. Heidelberg 2012. S. 184 f.    
  8. K.M. Peters et al.: Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive. Studie im Auftrag des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Köln 2014, S. 64 f.
  9. A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen. Heidelberg 2012. S. 183 f.

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