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Anästhesie

Unter Anästhesie versteht man die Ausschaltung der Schmerz- und Berührungsempfindung von Patienten z. B. im Rahmen einer Operation. Das dazugehörige medizinische Fachgebiet ist die Anästhesiologie. Sie beschäftigt sich neben den Methoden der Ausschaltung des Bewusstseins auch noch mit Fragen der Schmerztherapie, der Intensiv- und der Notfallmedizin.1

Was haben bisherige Studien zur Conterganschädigung zu den medizinischen Fragestellungen in diesem Bereich festgestellt?

A. Yoshizawa et al.: Behandlung von contergangeschädigten Menschen. F & A (Deutsche Übersetzung, 2014).

Im Rahmen eines Forschungsprojektes japanischer Kliniken2, welches durch das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales finanziell unterstützt wurde, haben Wissenschaftler wichtige Fragen und Antworten zur praktischen Behandlung und Betreuung contergangeschädigter Menschen zusammengefasst. 

Das japanische Gesundheitsministerium hat die Arbeit ausdrücklich auf Deutsch übersetzt um sie deutschen Contergangeschädigten, deren Ärzten und Therapeuten zur Verfügung zu stellen. Dies war verbunden mit der Hoffnung, dass die darin enthaltenen Erkenntnisse 50 Jahre nach dem ersten Auftreten von Conterganschäden, weltweit zur Aufrechterhaltung der Gesundheit, Krankheitsprävention und zur Verbesserung der allgemeinen Behandlung von contergangeschädigten Menschen dienen würden.

Die Ausarbeitung umfasste dabei auch ein eigenes Kapitel für die behandelnden Ärzte zur Anästhesie (siehe Seite 77 f.), welches sich damit beschäftigt, was vor, während und nach einer Operation besonders beachtet werden sollte.

Dabei verweisen sie insbesondere auf die Bedeutung der prä-operativen körperlichen Untersuchung. So muss z. B. bei einer Unterentwicklung oder einem vollständigen Fehlen der oberen Extremitäten im Voraus geklärt werden, wohin z.B. an den unteren Extremitäten die Tropfinfusion injiziert wird bzw. an welcher Stelle die Monitor-Elektroden angebracht werden. Die japanischen Ärzte weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei manchen Patienten selbst die Blutgefäße der unteren Extremitäten schwer zu finden wären, was eine besonders sorgfältige Planung im Vorfeld der OP erfordere. 

A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen (2012)

Die Untersuchung von Professor Kruse und seiner Kollegen vom Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg zur aktuellen Lebenssituation und zum zukünftigen Versorgungsbedarf von Contergangeschädigten umfasste eine Fragebogenerhebung (n= 870 TN), biografische Interviews (n= 285 TN) und 23 themenzentrierte Fokusgruppen (n= 112 TN) sowie eine Befragung der behandelnden Ärzte (n= 62 TN). Auf der Basis der dabei gesammelten Erkenntnisse trafen die Studienautoren differenzierte Aussagen zur aktuellen körperlichen, psychischen und sozialen Situation contergangeschädigter Menschen.

Erkenntnisse im Rahmen der Heidelberger Conterganstudie wiesen darauf hin, dass vorgeburtliche Schäden des Nervensystems bei einzelnen Contergangeschädigten z. B. zu einem atypischen Verlauf der peripheren Nerven im Bereich des Kiefers führten. Dies erfordert bei zahnärztlichen Eingriffen bei diesen Betroffenen eine Anästhesie, die seitenverkehrt vorgenommen werden muss.3 

Die Planung operativer Eingriffe bei contergangeschädigten Menschen benötige deshalb grundsätzlich eine besonders sorgfältige und individuelle Planung der Anästhesie.

Weitere Informationen

Japanische Studie zu Gesundheitsuntersuchungen 
bei Contergangeschädigten - PDF, 5 MB

Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen.
 


Quellen:

  1. Vgl. hierzu DocCheck Flexicon. Das Medizinlexikon der Online-Community für medizinische Fachberufe. Zuletzt eingesehen am 09.12.2017.

  2. A. Yoshizawa et al.: Behandlung von contergangeschädigten Menschen. F & A (Deutsche Übersetzung). Tokio 2014.

  3. A. Kruse et al.: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen. Heidelberg 2012. S. 196.

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