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Hilfsmittelversorgung im Bereich Hörhilfen

18.09.2018

Gesetzliche Regelungen

Für Hörhilfen hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gemäß § 36 Abs. 1 des SGB V (Festbeträge für Hilfsmittel) feste Beträge für die Erstattung festgesetzt. Mit diesen Festbeträgen kann aus Sicht der Krankenkasse für die Betroffenen im Regelfall eine geeignete und aufzahlungsfreie Versorgung mit Hilfsmittel sichergestellt werden. Die Festbeträge im Bereich der Hörhilfen wurden für eine Hörhilfe bzw. ein Hörgerät in einfacher Stückzahl festgelegt und sind als Nettobeträge ausgewiesen. Sie gelten seit dem 1. November 2013 in der aktuell vorliegenden Form für die gesetzlichen Krankenkassen und betragen:

Festbetragsgruppe (Positionsnummer)

Bezeichnung und Festbetrag 

13.20.12

Hörgerät für schwerhörige Versicherte, ausgenommen für an Taubheit grenzend schwerhörige Versicherte = 733,59 Euro netto (784,94 Euro brutto)

13.99.99.1007

Abschlag in Euro für das zweite Hörgerät (13.20.12) bei beidohriger (binauraler) Versorgung = 146,72 Euro netto

 


Der Festbetrag für eine beidseitige Hörgeräteversorgung liegt damit bei 1.320,46 Euro netto (1.412,89 Euro brutto). Die Kostenübernahme richtet sich in der Höhe auch nach dem Grad der Schwerhörigkeit. Bei der Versorgung von Betroffenen mit einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit erhöhen sich die Festbeträge deshalb laut Deutschem Schwerhörigenbund e.V. (DSB) bei einem Hörgerät für ein Ohr um 57,00 Euro und bei einer beidseitigen Hörgeräteversorgung um 102,60 Euro. Sofern betroffene Versicherte nicht komplett von der Zuzahlung befreit sind, müssen sie einen Eigenanteil von zehn Euro pro Gerät leisten.

Die Kosten für die notwendigen Batterien gehören nicht zu den Kassenleistungen und müssen von den Versicherten selbst übernommen werden. Einige Krankenkassen stellen jedoch in ihren kassenspezifischen Hilfsmittelangeboten – im Rahmen der kassenspezifischen Versorgungsverträge – in gewissem Umfang auch Batterien mit zur Verfügung (z. B. die DAK mit 30 Batterien).

Unterschiedliche Regelungen der Krankenkassen

Unabhängig von den oben definierten Festbeträgen können gesetzliche Krankenkassen im Rahmen von sogenannten Versorgungsverträgen mit Leistungserbringern, d. h. hier den Hörgeräteakustikern, auch niedrigere Preise für die Hörgeräteversorgung ihrer Versicherten verhandeln. Diese Einsparungen schlagen sich dann auch in niedrigeren Festbeträgen für die Standardversorgung der Versicherten dieser Krankenkasse nieder. Sie sind in diesen Fällen geringer als der vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen definierte Festbetrag für die Hörgeräteversorgung (s. o.). Dies ist für Betroffene insofern relevant, da bei der Wahl eines teureren Hörgerätes im Regelfall nur der von der Krankenkasse definierte Höchstbetrag der Hörgeräteversorgung erstattet wird. Der Eigenanteil des Versicherten würde sich somit erhöhen.

Die Hörgeräteversorgung umfasst dabei – neben der Beratung, der Einweisung in den Gebrauch und der Nachbetreuung – vor allem das eigentliche Hörgerät und das Ohrpassstück. Darüber hinaus stellen die Krankenkassen auch Reparaturpauschalen (beinhaltet auch die Wartung) für einen Zeitraum von 6 Jahren zur Verfügung. Hier zwei konkrete Beispiele für solche Festbetragsregelungen aus dem Bereich der Ersatzkassen sowie der Betriebskrankenkassen:

Techniker Krankenkasse

Im Rahmen ihrer speziellen Versorgungsverträge übernimmt die Hamburger Techniker Krankenkasse Kosten für Hörgeräte und damit verbundene notwendige Produkte und Services bis zu einer Höhe von 1.534,02 Euro. Dieser Betrag setzt sich dabei wie folgt zusammen 

Pauschalen für Hörgeräte, Ohrpassstücke und Reparatur

Hörgeräteversorgung Für ein Ohr Für beide Ohren
Hörgerät 685,00 Euro 1.217,00 Euro
Ohrpassstücke 33,50 Euro 67,00 Euro
Reparaturpauschale 125,01 Euro 250,02 Euro
Summe 843,51 Euro 1.534,02 Euro

 

 

 


Pauschalen bei starker Schwerhörigkeit
 

Hörgeräteversorgung Für ein Ohr Für beide Ohren
Hörgerät 840,00 Euro 1.512,00 Euro
Ohrpassstücke 33,50 Euro 67,00 Euro
Reparaturpauschale 180,00 Euro 360,00 Euro
Summe 1.053,50 Euro 1.939,00 Euro

 

 

 


BKK-Pfalz

Im Versorgungsvertrag der BKK Pfalz sind folgende Leistungen enthalten:

  • Ausstattung mit den auf Ihre Hörsituation abgestimmten analogen, digital programmierbaren und volldigitalen Hörsystemen,
  • Beratung, Auswahl, Anpassung und Lieferung der zuvor genannten Produkte,
  • erforderliche Einweisung in den Gebrauch der Hörsysteme,
  • kompetente Nachbetreuung,
  • Erbringung von Reparaturleistungen für einen Zeitraum von bis zu 6 Jahren.

Konkret übernimmt die BKK Pfalz Kosten für Hörgeräte bis zu den folgenden Höchstbeträgen:

  einseitige Versorgung beidseitige Versorgung
mittel- bis hochgradig schwerhörige Personen bis zu 914,29 Euro bis zu 1.672,58 Euro
an Taubheit grenzend schwerhörige Personen bis zu 1.020,00 Euro bis zu 1.872,00 Euro

 


Wenn Betroffene sich für ein teureres Hörgerät entscheiden, so müssen die entstehenden Mehrkosten von ihnen selbst getragen werden. Dies betrifft auch die – aufgrund des teureren Hörgerätes – möglicherweise entstehenden zukünftigen Mehr- und Folgekosten für Reparatur- und Wartungsleistungen.

Übernahme von Kosten über dem Festbetrag

Ist aus Sicht des Betroffenen bzw. seines Hörgeräteakustikers – aufgrund der individuellen Situation des Betroffenen – mit den von den Krankenkassen festgelegten Festbeträgen kein wirklicher aufzahlungsfreier Behinderungsausgleich möglich, so bleibt nur der Weg über einen Antrag auf volle Kostenübernahme im Rahmen einer Einzelfallentscheidung durch die Krankenkasse. Hierbei gilt der Bezug auf § 33 SGB V: „(1) Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen ... und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen (...)".

Mit der Frage der Kostenübernahme von Hörgeräten über dem Festbetrag hat sich 2016 auch das Sozialgericht Hamburg beschäftigt (Urteil vom 17. Mai 2016, Aktenzeichen: S 8 KR 1568/15). Hier entschied das Gericht zu Gunsten des klagenden Versicherten. Dabei verwies das Gericht in seiner Urteilsbegründung darauf, dass die Krankenkasse nicht ausschließlich nur die objektiven medizinischen Verhältnisse heranziehen darf. Auch der subjektive Eindruck des Versicherten spiele eine Rolle, der mit dem gewünschten Hörgerät aus eigenem Empfinden ein besseres Hörverständnis erziele. Bei der Beurteilung des Einzelfalles gelte das Gebot eines möglichst vollständigen Ausgleichs des Funktionsdefizits im Vergleich zu einem gesunden Menschen.

Private Krankenversicherung (PKV)

In der privaten Krankenversicherung gibt es keine einheitlichen Festbeträge für die verschiedenen Anbieter. Entscheidend ist hier, was im Vertrag des Versicherten mit seiner privaten Krankenversicherung in Bezug auf die Hilfsmittelversorgung vereinbart wurde (Höhe der Kostenübernahme durch die PKV sowie Häufigkeit der Versorgung).

Weitere Informationen

Festbetragsgruppensystem und folgende
Festbeträge für Hörhilfen;
Inkrafttreten: 1. November 2013 (PDF, 17 KB)

Beratungsrichtlinie zur Kostenübernahme
bei Hörgeräten des Deutschen Schwerhörigenbundes e.V.
(DSB), Berlin, Juni 2018 (PDF, 779 KB)

Urteil des Sozialgerichts Hamburg
zur Kostenübernahme über Festbetrag
bei Hörhilfen 

Musterbrief des DSB e.V. für einen
Widerspruch gegen den Bescheid
zur Bewilligung der Hörhilfen durch die
Krankenkasse

Ansprechpartner

Beratungsstellen des
Deutschen Schwerhörigenbundes e.V.

Onlineberatung des
Deutschen Schwerhörigenbundes e.V.    


Eingestellt von: T. Heckmann
Quellen: Informationen von gesetzlichen Krankenkassen, des GKV-Spitzenverbandes, dem Sozialgesetzbuch V, des Deutschen Schwerhörigenbundes e. V. und des VdK Rheinland-Pfalz
Letzte Aktualisierung: 18. September 2018

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