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Gesetzliche Krankenversicherung

Überarbeitung des Hilfsmittelkataloges und Vorlage des Mehrkostenberichtes

Blonde Frau mit kurzen Haaren lässt sich beim Hörgeräteakustiker beraten.
Beim Hörgeräteakustiker. © Kzenon/depositphotos.com

2017 ist das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung in Kraft getreten. Im Rahmen dieses Gesetzes wurde der GKV-Spitzenverband verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2018 das bestehende Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittel-Verzeichnis grundlegend zu überarbeiten und zu aktualisieren. 

Diese Überarbeitung und Fortschreibung des umfangreichen Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittel-Verzeichnisses ist fristgerecht abgeschlossen worden. Es umfasst nun rund 32.500 Produkte und reicht von A wie „Absauggeräte“ bis Z wie „Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel“. Dies stellte der GKV-Spitzenverband in seinem 2. Bericht zur Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses fest, den er Ende Februar 2019 dem Bundesgesundheitsministerium übergab. Dabei wurden mehrere Tausend Produkte aus der vorherigen Liste entfernt und zahlreiche neue Produkte aufgenommen.

Überarbeitung führt zu Verbesserungen für Versicherte

Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen hat die Überarbeitung dabei zu zahlreichen Verbesserungen für die Versicherten geführt. Dazu zählen z. B.

  • eine neue Informationspflicht: Alle Leistungserbringer müssen GKV-Versicherte nun zuerst über zuzahlungsfreie, krankenkassenfinanzierte Hilfs- und Pflegehilfsmittel aufklären, bevor höherpreisige Alternativen angeboten werden dürfen. 
  • Bedarfsorientierung: Der individuelle Bedarf des Patienten soll noch stärker die Auswahl und die erforderlichen Eigenschaften der Hilfsmittel bestimmen. Dazu gibt es z. B. im Bereich „Dekubitus“ einen neu entwickelten Erhebungsbogen, mit dem Einflussfaktoren wie Mobilität, Grunderkrankungen, Fähigkeitsstörungen, pflegerische Rahmenbedingungen sowie begleitende Therapieziele bei der Auswahl des Hilfsmittels berücksichtigt und dokumentiert werden.
  • Mobilität: Die Neuregelung bei der Versorgung mit Elektromobilen schreibt vor, dass der individuelle Nutzungsumfang der bzw. des Versicherten zuvor ermittelt wird. So soll z. B. auch berücksichtigt werden, ob das Elektromobil zusätzlich im öffentlichen Nahverkehr genutzt werden soll. 
  • Mobilität: Das Eigengewicht von Rollatoren darf 10 Kilogramm nicht mehr überschreiten. Damit wird die alltägliche Benutzung leichter. Zu mehr Sicherheit tragen darüber hinaus Ankipp-Hilfen, anatomische Handgriffe sowie allseitige Reflektoren bei.
  • Diabetes-Versorgung: Hier sind rtCGM-Geräte (Real-Time Continuous Glucose Monitoring = Glukosemessung in Echtzeit) zur Echtzeit-Glukosemessung neu in den Hilfsmittelkatalog aufgenommen worden. rtCGM-Systeme messen und protokollieren den Zucker im Gewebe kontinuierlich und senden die Daten ohne das Zutun des Trägers auf ein Lesegerät, eine Smart-Watch oder eine entsprechende App auf einem Smartphone. Beim Erreichen vorab festgelegter Grenzwerte können sie einen Alarm auslösen und den Betroffenen auf die Abweichung der Werte hinweisen. So unterstützen sie den Betroffenen bei der Vermeidung von Hypo- und Hyperglykämien, d. h. zu niedrigen bzw. zu hohen Blutzuckerwerten.
  • Diabetes-Versorgung: In der Produktgruppe „Schuhe“ wurde darüber hinaus die Produktuntergruppe „Spezialschuhe bei diabetischem Fußsyndrom“ neu aufgenommen.

Laut aktuellem Fortschrittsbericht soll künftig alle fünf Jahre das komplette bestehende GKV-Hilfsmittelverzeichnis geprüft und - falls Fortschreibungsbedarf besteht - aktualisiert werden. Daneben können auch zwischen diesen Fortschreibungen weitere, anlassbezogene Änderungen und Neuaufnahmen erforderlich sein. Dazu zählen laut GKV-Spitzenverband in Zukunft v.a. auch digitale Versorgungsangebote.

Die jeweils neu aufgenommen Produkte sowie die Änderungen an bestehenden Einträgen werden in Nachträgen zum Hilfsmittel- und Pflegehilfsmittel-Verzeichnis im Bundesanzeiger und Online beim GKV-Spitzenverband bekanntgegeben.

Erster GKV-Mehrkostenbericht veröffentlicht

Parallel zur Überarbeitung des Hilfsmittelverzeichnisses hat der GKV-Spitzenverband auch erstmals systematisch die entstandenen Mehrkosten für die Versicherten untersucht. Laut dem ersten GKV-Mehrkostenbericht im Bereich der Hilfsmittel, der im Juli 2019 veröffentlicht wurde, erhalten 82 Prozent der GKV-Versicherten eine mehrkostenfreie Hilfsmittelversorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Lediglich 18 Prozent der Versicherten zahlen im Durchschnitt 118 Euro dazu. 

In der öffentlichen Diskussion spielen für GKV-Versicherte die Mehrkosten, die bei den verordneten Hilfsmitteln selbst gezahlt werden, immer wieder eine große Rolle. Bei den Mehrkosten handelt es sich jedoch nicht um die vom Gesetzgeber festgelegten Zuzahlungen für gesetzlich Krankenversicherte, mit denen sich Versicherte an den Kosten der Hilfsmittel beteiligen (Eigenanteil). Diese betragen für jedes Hilfsmittel mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Versicherte zahlen aber nie mehr als die tatsächlichen Kosten. Die gesamte jährliche Eigenbeteiligung des Versicherten an seinen Gesundheitskosten ist darüber hinaus auf zwei Prozent seiner Bruttoeinnahmen begrenzt. Gesonderte Regeln gelten z. B. für chronisch Kranke, deren Eigenbeteiligung auf ein Prozent ihrer Bruttoeinnahmen begrenzt ist.

Bei den Mehrkosten handelt es sich um Kosten aufgrund einer bewussten Entscheidung der Versicherten für ein bestimmtes Hilfsmittel ihrer Wahl. Sie entscheiden sich dabei im Rahmen der Hilfsmittelversorgung - im eigenen Interesse - für zusätzliche Leistungen im Vergleich zum Leistungsangebot der GKV, z. B. eine höherwertige Hörhilfe. Diese Leistungen befinden sich außerhalb der medizinisch notwendigen Versorgung im Rahmen der GKV, weshalb der Versicherte diese zusätzlichen Mehrkosten dann allein tragen muss.

82 Prozent der GKV-Versicherten mehrkostenfrei mit Hilfsmitteln versorgt

Mit dem Mehrkostenbericht liegt zum ersten Mal eine umfassende Datenauswertung vor, die für Transparenz über gezahlte Mehrkosten bei Hilfsmitteln sorgen soll. Ausgewertet wurden 85 Prozent der Abrechnungsdaten von Versorgungsfällen aus dem 2. Halbjahr 2018. Diese umfassen 15,3 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen von rund 3,9 Milliarden Euro. 

82 Prozent der GKV-Versicherten erhalten danach ihre Hilfsmittel komplett mehrkostenfrei. Für 2,5 Millionen der geleisteten Hilfsmittelversorgungen – das sind 18 Prozent aller Versorgungen – wurden Mehrkosten von etwa 303 Millionen Euro dokumentiert, die von GKV-Versicherten aus eigener Tasche gezahlt wurden. Davon entfallen etwa zwei Drittel (rund 198 Millionen Euro) auf Hörhilfen. Hier tragen 70 Prozent der GKV-Versicherten Mehrkosten. Die durchschnittliche Mehrkostenhöhe für eine - meist beide Ohren umfassende - Versorgung beträgt dabei laut GKV-Spitzenverband 1.169 Euro. In diesem Zusammenhang weist der GKV-Spitzenverband aber noch einmal darauf hin, dass nach den ihm vorliegenden Zahlen diese Mehrkosten kein Garant für eine höhere Zufriedenheit bei der Hilfsmittelversorgung sind. Ob mit oder ohne Mehrkosten, in beiden Fällen sind die Versicherten zu 81 Prozent mit ihrem neuen Hörgerät sehr zufrieden bzw. zufrieden.

Die Auswertungen des Mehrkostenberichtes sollen der Öffentlichkeit zukünftig jährlich zum 30. Juni zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen

Link zum überarbeiteten Hilfsmittelverzeichnis

Link zu neuen Produkten und aktuellen Änderungen
im Hilfsmittelverzeichnis

Zweiter Bericht des GKV-Spitzenverbandes zur Fortschreibung
des Hilfsmittelverzeichnisses

Erster Bericht des GKV-Spitzenverbandes über die Entwicklung
der Mehrkostenvereinbarungen für Versorgungen mit Hilfsmitteln


Eingestellt von: T. Heckmann
Erstellt am 29. Oktober 2019.

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