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Der Film „Contergan: Die Eltern“

28.12.2018

Dokumentarfilm

„Contergan: Die Eltern“ ist ein Dokumentarfilm von Andreas Fischer aus dem Jahr 2003. In ihm berichten Eltern der so genannten „Contergankinder“, wie sie persönlich die Auswirkungen dieses Medizinskandals erlebt haben.

Vorderseite der VHS-Videokassette "Contergan: Die Eltern". © Bundesverband Contergangeschädigter e. V.
Vorderseite der VHS-Videokassette "Contergan: Die Eltern" vom Bundesverband Contergangeschädigter e. V.

Ausdrücklich als unschädlich beworben, verursachte das Schlafmittel Contergan, wenn es von Schwangeren eingenommen wurde, später Missbildungen an deren Neugeborenen. Der Contergan-Skandal wurde zum Trauma der frühen sechziger Jahre. Zurück blieben behinderte, heute längst erwachsene Kinder und die Eltern, die mit erheblichen Schuldgefühlen zu kämpfen hatten.

Gerade das seelische Erleben der Eltern hat sich der Dokumentarfilmer Andreas Fischer dabei zum Thema gemacht. In seinem Film verarbeitete er zehn Interviews, bei dem ihn die Offenheit der Befragten sehr überrascht hat. Dazu merkte die damalige Bundesministerin Renate Schmidt in Ihrem Vorwort zur Begleitbroschüre an: „… Eltern Contergangeschädigter erzählen in bewundernswerter Offenheit über ihre Erlebnisse und Gefühle, über ihre Schwierigkeiten, mit dem Schock nach der Geburt des behinderten Kindes zurecht zu kommen über Reaktionen der Umwelt, über das Spießrutenlaufen bei Behörden und Gerichten. Aber die Eltern sprechen auch voller Liebe über ihre Kinder, die ihnen Freude schenkten und die ihr Leben bis heute bereichern. …“

Die Idee zu diesem Film benötigte fast 10 Jahre zum „Reifen“. Dazu sagte Andreas Fischer im Jahr 2003: „Es gab immer wieder Dokumentationen über die so genannten „Contergankinder“. Die habe ich mit großem Interesse verfolgt, nicht zuletzt deshalb, weil das meine Generation ist. Dann fragte ich mich irgendwann, was war mit den Eltern? Wie haben die das erlebt? Was für eine Fallhöhe. Da sind junge Paare, sie sind verliebt, freuen sich auf ihr Kind und dann kommt das Baby zum Beispiel ohne Arme zur Welt. Und Schuld ist eine Schlaftablette. Ich hatte dann auch sofort die Idee, den Film als Interviewfilm zu machen.“

Ein Film, welcher der Lebensleistung der Eltern ein Denkmal setzt

Dabei standen Betroffene der Idee von Andreas Fischer zunächst eher skeptisch gegenüber. Und zwar vor allem aus dem Wissen wie schmerzhaft und aufwühlend das Eintauchen in negativ behaftete, verdrängte Erlebnisse sein kann, wie die Betroffene und das heutige Vorstandsmitglied der Conterganstiftung Margit Hudelmaier in der Begleitbroschüre zum Film anmerkte. Der anfängliche Widerstand löste sich jedoch auf, da die Betroffenen im Film eine Chance sahen, die Lebensleistung der Eltern zu würdigen. Dazu Margit Hudelmaier: „Wir nahmen uns dennoch diesem Thema an, da wir der festen Überzeugung waren und auch heute noch sind, wie wichtig und erlösend es ist, über die Vergangenheit zu reden. Die Eltern haben Großartiges geleistet, ganz selten aber Gehör gefunden. Um uns Contergan-Opfer drehte sich die Medienwelt. Wegen uns zerbrachen sich Ärzte, Psychologen, Pädagogen und Orthopäden die Köpfe über die bestmöglichste Therapie. Behörden, Gerichte und Kassen stritten sich um Ansprüche und Erstattungen. Und unsere Eltern? Sie standen im Hintergrund und trugen die schwersten Kämpfe mit sich selbst aus. Für uns ist es daher ein besonderes Anliegen … die Eltern in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Sie können über ihre Gefühle offen reden und aussprechen, was vielleicht über Jahrzehnte hinweg im tiefsten Innern eingeschlossen war. Der Film „Contergan: Die Eltern“ und die Begleitbroschüre sind Zeichen der Dankbarkeit und Bewunderung für die Stärke, Kraft und Ausdauer sowie für die Liebe der Eltern. Mit diesem Projekt wollen wir aber auch Chancen für Lebenswege aufzeigen und denen Mut machen, die sich in ähnlich verzweifelten Situationen befinde. …“

Der Film (100 Minuten) ist zusammen mit einem umfangreichen Begleitbuch (über 100 Seiten) für 20,00 Euro beim Interessenverband Körpergeschädigter e. V. oder auch beim Bundesverband Contergangeschädigter e. V. (Betreff: VHS Die Eltern) auf VHS-Videokassette erhältlich. Alternativ kann er auch als DVD (3sat Edition, Verlag: Arthaus Musik GmbH, EAN: 9783869230436) über den Fachhandel oder Online-Shops bezogen werden.

Weitere Informationen

Hintergrundinformationen zum Film, ein Interview mit Andreas Fischer
sowie Fotos


Eingestellt von: T. Heckmann
Quellen: Pressemitteilung des Landesverbandes Contergangeschädigter Baden-Württemberg e. V. und des Interessenverbandes Körpergeschädigter e. V. aus 09/2003, Vorworte von Ministerin Renate Schmidt und Margit Hudelmaier für den Bundesverband Contergangeschädigter im Begleitbuch zum Film, Interview mit Filmemacher Andreas Fischer geführt von Günter Jekubzik (Filmjournalist, Aachen)
Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2018

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