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Köln

10.12.2017

Besuch der Musterausstellung der Handwerkskammer

Im November 2017 besuchte CIP auf Einladung von Manfred Haepp die Musterausstellung der Kölner Handwerkskammer zum barrierefreien Wohnen. Wir trafen Manfred Haepp, der selbst sehbehindert ist, auf der Handicap 2017 in Bergheim. Als ausgebildete Fachkraft für barrierefreies Wohnen informierte er dort über hilfreiche Lösungen bei der barrierefreien Gestaltung der eigenen Wohnung. Er verwies in Bergheim auch auf das Angebot in Köln und lud uns ein, die Musterausstellung einmal persönlich zu besuchen. Gemeinsam mit Willibert Schmitz, dem Koordinator des Technologie- und Bildungszentrums der Handwerkskammer, führte er dann durch die Musterausstellung.



Zur Historie

Im Jahr 2015 hat die Handwerkskammer Köln ein neues Bildungszentrum eröffnet, das TBZ Energie & Bau. Damit wollte sie aus Sicht des Handwerks die Verbreitung praktischer Lösungen im Bereich des generationenfreundlichen Wohnens und der Barrierefreiheit fördern sowie notwendige Bildungs- und Weiterbildungsangebote etablieren.

Im November 2016 kam ein weiteres Angebot hinzu, die Musterausstellung. In den Räumlichkeiten des TBZ wurden hierzu, ähnlich wie bei einer Musterwohnung, verschiedene Wohnbereiche nachgestellt, in denen beispielhafte Lösungen aus dem Bereich des barrierefreien Wohnens und Bauens präsentiert werden. Diese Ausstellung dient der Information und Beratung von Betroffenen, aber auch von Handwerkern, Planern und Architekten, die in den parallel vorhandenen Schulungsräumen auch an entsprechenden Kursen und Fachvorträgen teilnehmen können. Im Rahmen der Eröffnung der Musterausstellung präsentierten 33 Hersteller und Händler verschiedene Lösungen zur Barrierefreiheit. Einige dieser Lösungen befinden sich heute noch immer in der Ausstellung. Andere Exponate (z. B. das Pflegebett) wurden ausgetauscht, da sie - nach Rückmeldungen von Besuchern - entweder nicht den realen Bedürfnissen der Betroffenen entsprachen oder aber sich in der Nutzung als weniger hilfreich erwiesen. 

Beratungsschwerpunkte

Schwerpunkte der Beratung sind auch in dieser Musterausstellung vor allem die barrierefreie Gestaltung des Badezimmers, Hilfsmittel-Tipps sowie die Möglichkeiten der Finanzierung der Wohnraumanpassungen. Wichtig ist den Kölnern dabei v. a., den Betroffenen zu vermitteln, dass es wichtig ist, bewusst und mit Augenmaß umzubauen. Nicht jede Lösung, auch wenn sie in der Theorie noch so schön ist - passt in der Praxis auf alle Situationen. Es gilt eine möglichst optimale Lösung zu finden, die den Bedürfnissen der Betroffenen sowie den realen Umfeldbedingungen  entspricht. Dabei sollte man aber nicht nur den Einbau und die eigentliche Nutzung, sondern - wo notwendig - auch die Pflege und Wartung der ausgewählten Lösung mit in Betracht ziehen.

Willibert Schmitz berichtete in diesem Zusammenhang von einem Betroffenen, der sich in seinem Bad rutschfeste Fliesen einbauen ließ, die sonst nur für öffentliche Schwimmbäder genutzt werden. Die Rutschfestigkeit war hervorragend. Allerdings werden die Fliesen in Schwimmbädern täglich mit dem Hochdruck-Reiniger sauber gehalten. Dies war bei der Entscheidung für die Fliesen vergessen worden. Nachdem die Fliesen immer weiter verschmutzten, da eine tägliche Reinigung mit Hochdruck-Geräten für den Betroffenen nicht möglich war, mussten die (neuen) Fliesen entfernt und das gesamte Bad erneut gefliest werden. Neben dem Frust kamen dann noch hohe Kosten hinzu. 

Vor diesem Hintergrund betonten Schmitz und Haepp die Bedeutung einer unabhängigen und kompetenten Beratung vor dem Beginn des Umbaus, die auf einer umfassenden Bestands- und Bedarfsanalyse beruht. Auch die Auswahl der geeigneten Hilfsmittel bzw. Umbaulösungen ist nicht immer so einfach, da auch nicht jeder Handwerker tagtäglich mit der Gestaltung barrierefreier Lösungen beschäftigt ist. Die Kommunikation mit den Spezialisten und ihre Information über moderne und barrierefreie Angebote ist aber wichtig, denn viele der Lösungen können in Ausstellungen oder im Internet zwar begutachtet werden, die konkrete Umsetzung vor Ort benötigt jedoch den regionalen Fachmann. Hier sieht die Kölner Handwerkskammer eine wichtige Aufgabe für sich.

Immer mal wieder gibt es auch Diskussionen mit Handwerkern bezüglich der baulichen Regelungen. Die DIN-Vorschriften einiger Gewerke (wie z. B. im Bereich Türen und Fenster) haben Inhalte, welche den Regelungen der DIN für barrierefreies Bauen in Teilen widersprechen. Dabei kamen wir - wie auch schon bei unserem Besuch bei Dipl.-Ing. Andreas Drohmann in Werne - auf das Thema Türdichtungen für die Terrassentür zu sprechen (z. B. Schutz vor Schlagregen). Hier gibt es seit vielen Jahren Lösungen, die absolut barrierefrei sind und den Zugang z. B. vom Wohnzimmer auf einen Balkon oder eine Terrasse erleichtern. Trotzdem sind diese immer noch nicht bei allen Handwerkern und Fachhändlern bekannt. Und da sich viele Handwerker später nicht der Gefahr einer Diskussion über Gewährleistung und Schadenersatz aussetzen möchten, hält man sich zuerst einmal an die für das betreffende Handwerk geltende DIN-Norm. Unabhängig davon, was das barrierefreie Wohnen und die Bedürfnisse der Betroffenen hier vielleicht erfordern. Vor allem auch in solchen Bereichen wollen Manfred Haepp und Willibert Schmitz in Zukunft weitere Aufklärungsarbeit leisten.

Besuch in der Musterausstellung

Nach der kurzen Einführung wurde es dann gleich konkret. Es ging in die Musterausstellung. Gleich zu Beginn des Rundgangs betonten beide, dass die Ausstellung unabhängig sei und nicht an einzelne Hersteller gebunden. Dafür stehe auch die Handwerkskammer mit ihrem Namen. Dies voraus schickend, präsentierten sie nun die aktuellen Ausstellungsbereiche und wiesen auf einige besondere Exponaten der Ausstellung hin.



Besonders aufgefallen sind uns in der Kölner Musterausstellung dabei folgende Ausstellungsstücke:

Flexible Haltegriffe für den Sanitärbereich. Dies ist besonders für Hotels und Pensionen interessant. Diese können bei Bedarf (links und rechts) neben der Toilette angebracht werden. Die Halterungen der Griffe an der Wand sind vormontiert. Die eigentliche Griffe auf- bzw. abzubauen ist dann nur noch ein Werk von Sekunden. Werden diese nicht mehr benötigt, kann der Zimmerservice die Griffe einfach wieder entfernen, bis sie erneut benötigt werden. Durch diese Nachrüstung könnte die Ausstattung vieler WC-Bereiche barrierefreier werden.

Dieser Brausekopf kann mit Hilfe eines leicht gängigen Hebels in der Höhe verstellt werden. Dies ist gegenüber der üblichen Drehgriff-Mechanik viel barrierefreier und einfacher für die Betroffenen.

Diese Haltegriffe für das Bad sind nicht rund, sondern oval und verbessern damit die Griffsicherheit.

Komplett herausziehbare Schrankböden bei Axodis-Schränken.

Barrierefreie Schwellen von Alumat.


Was ist weiter geplant?

Viele Optionen für ein barrierefreies Wohnen können Interessierte heute schon in Köln ansehen und testen. Die Musterausstellung ist aber noch nicht komplett. Sie lebt, verändert sich und wird kontinuierlich erweitert. Im Fokus steht dabei aktuell die Erweiterung des Wohn- und Arbeitsbereiches, der in den kommenden Monaten konsequent ausgebaut werden soll. Weiterhin geplant ist auch die Erarbeitung einer Übersicht zu den grundsätzlich am Markt verfügbaren Lösungen im Bereich der barrierefreien Gestaltung von Wohnungen. Diese soll für die Nutzer der Region und darüber hinaus, z. B. mit Unterstützung einer Internet-Datenbank, angeboten werden. 

Wichtig ist den Machern der Ausstellung aber vor allem auch der persönliche Austausch. Die Nutzung der Räumlichkeiten des TBZ und der Musterausstellung als Kommunikationsplattform, für Fachgespräche und öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen, z. B. auch von Selbsthilfegruppen contergangeschädigter Menschen, soll deshalb wichtige Impulse für eine barrierefreie Ausstattung von Wohnungen in Köln und der nahen Umgebung geben. So wollen Willibert Schmitz und Manfred Haepp Menschen mit einem Handicap, die Lösungen suchen, sowie Handwerker und Experten, die Lösungen schaffen können, zusammenbringen. Zum Nutzen aller.

Kontakt

Willibert Schmitz
Koordinator TBZ
Handwerkskammer Köln
Technologie- und Bildungszentrum für Energieeffizienz
und Barrierefreiheit TBZ Energie & Bau
Hugo-Eckener-Str. 16
50829 Köln

Telefon: 0221 2022650
E-Mail: w.schmitz@hwk-koeln.de 

Manfred Haepp
Fachkraft für barrierefreies Wohnen
Mirweilerweg 22 a
52349 Düren 

Telefon: 02421 440 771
Fax: 02421 407787
Mobil: 0162 7415462
E-Mail: m.haepp@bmz-dueren.de 

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Erstellt von: T. Heckmann
Quellen: Informationen des TBZ und eigene Recherchen

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