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Mobilitätshilfen

Mobilitätshilfen und Therapieräder

Mobilität ist für ein selbstbestimmtes Leben und die soziale Teilhabe von contergangeschädigten Menschen von grundsätzlicher Bedeutung. Wenn man mobil ist, dann lassen sich die nähere Umgebung oder auch die weite Welt erkunden und die Dinge des täglichen Lebens so weit wie möglich ohne fremde Hilfe erledigen. Bisher sind wir im CIP dabei vor allem auf das eigene Auto sowie den öffentlichen Personennah- und Fernverkehr oder auch Flugreisen eingegangen. Doch Mobilität ist umfassender. Mit dazu gehören für viele contergangeschädigte Menschen auch Mobilitätshilfen und Fahrräder. 

Dabei ist der Markt für entsprechende Räder, die für contergangeschädigte Menschen geeignet sind, breit gefächert. Ob nun mit einem, klassisch mit zwei oder auch mit drei Rädern, ob für die Stadt oder das Gelände ... für jeden Bedarf, Verwendungszweck und jede körperliche Einschränkung gibt es heute Angebote. Für die Nutzung durch Contergangeschädigte z.B. mit kurzen Armen können jedoch Umbauten notwendig sein. Je nach individueller Schädigung und Umfang der Umbauten können diese pro Rad auch schon einmal bis zu 5.000 Euro kosten. Dabei können solche Räder im Einzelfall - über die Erschließung des örtlichen Umfeldes hinaus - als Therapierad auch zur Sicherung des Erfolges einer Krankenbehandlung bzw. Rehabilitation und zur Mobilisation des contergangeschädigten Menschen dienen. In solchen Fällen könnte eine Finanzierung über die Krankenkasse möglich sein. Dies gilt es zu prüfen. Alternativ wäre auch die Finanzierung über die Conterganstiftung im Bereich „Spezifische Bedarfe“ möglich. 

Mit ihren Mobilitätshilfen fühlen sich viele contergangeschädigte Menschen mittendrin im Leben. Sie können viel mehr mit Familie und Freunden unternehmen, sind dabei und fühlen sich nicht sozial ausgegrenzt. Einige Angebote an Mobilitätshilfen und Therapierädern möchten wir Ihnen deshalb heute und in den folgenden Wochen hier kurz vorstellen:

Mobilitätshilfe Genny™

Markus testet eine Genny-Mobilitätshilfe auf einer Reha-Messe.

Der Genny™ ist ein elektrisch betriebener Rollstuhl mit nur zwei Rädern auf einer Achse auf der Basis des Segway Human Transporters. Im Unterschied zum Segway wird hier allerdings im Sitzen gesteuert. Vor- und Rückwärtsfahren werden durch verschiedene Körperbewegungen gesteuert. Die Lenkung erfolgt mittels eines abnehmbaren Lenkbügels der bei Bedarf problemlos montiert bzw. demontiert werden kann. Die Rückenlehne und die Fußstützen sind individuell anpassbar. Umklappbare Armstützen erleichtern - zusammen mit den per Knopfdruck bedienbaren Fußstützen (für einen sicheren Stand) - den Ein- und Ausstieg. Nach Aussagen des Herstellers kann der Genny™ nach einer kurzen Eingewöhnung von jedermann einfach und intuitiv bedient werden. Bei einem Test auf der Rehacare 2015 wurde das Tempo schon nach kurzer Zeit rasanter, die Richtungsänderungen gewagter und der Spaß war unserem Tester Markus sichtlich anzumerken.

MobilityCube ®

Ein ähnliches Gefährt ist der MobilityCube ®, der ebenfalls auf der Basis eines Segway entwickelt wurde. Auch hier sitzt der Fahrer auf einer Plattform zwischen zwei Rädern. Eine Lenkstange ermöglicht das Festhalten für einen sichereren Sitz und dient als Lenkstange. 

Der MobilityCube ist – wie der Genny TM – selbstbalancierend. Entsprechende Neigungssensoren (Halbleiter-Gyroscope) wandeln die Bewegung des Fahrers (nach vorne oder hinten) in Drehbewegungen der Räder um. Auch die Geschwindigkeit wird über Gewichtsverlagerungen gesteuert, es gibt keine zusätzlichen Bedienelemente zum Beschleunigen oder auch Bremsen. Der Hersteller empfiehlt zwar das Tragen eines Schutzhelmes, prinzipiell sei die Handhabung des MobilityCubes jedoch unproblematisch. Lediglich plötzliches Ausweichen und Bremsen erfordere ein spezielles, ausführlicheres Training.

Eignung für contergangeschädigte Menschen

Neben den positiven Erfahrungen mit diesen Mobilitätshilfen waren zuletzt aber auch kritische Stimmen zu vernehmen, die eine allgemeine Tauglichkeit für alle contergangeschädigten Menschen hinterfragten. Ursache der Diskussion ist dabei vor allem das Stabilitätsprinzip der E-Roller. Die Steuerung der zwei parallelen Räder erfolgt mit Hilfe zahlreicher elektronischer Sensoren bzw. Gyroskope, welche die Bewegungen des Fahrers in Bewegungen der E-Roller umsetzen. Diese können im Zusammenspiel oder eher Nicht-Zusammenspiel mit dem menschlichen Gleichgewichtsorgan selbst für gesunde Menschen zu einer echten Herausforderung und zu einer Unfallursache werden. 

So berichtet der Spiegel in seiner 30. Ausgabe in diesem Jahr über Unfälle mit E-Rollern. „Schuld an den Unfällen ist oft das mangelnde Vertrauen, welches das menschliche Gleichgewichtsorgan den Gyroskopen entgegenbringt, die für die Stabilität ... sorgen ... In den E-Rollern bewirken Sie, dass jede Schwerpunktverlagerung sofort ausgeglichen wird. Weil der Mensch aber intuitiv dasselbe versucht, wenn er wankt ..., muss das Gyroskop blitzschnell wieder gegensteuern. Die Folge: ein jähes Gezappel, das vielen Stürzen vorangeht.“1 

E-Roller, wie z.B. der Genny™ oder der MobilityCube ®, scheinen deshalb vor allem für Menschen mit Gleichgewichtsproblemen nicht so unkritisch zu sein, wie bisher immer gedacht. 

Wir würden deshalb im CIP hierzu gerne Ihre praktischen Erfahrungen aufgreifen. Wenn Sie bereits einmal ein solches Mobil getestet haben oder es selbst besitzen, würden wir uns freuen, wenn Sie uns Ihre Erfahrungen mitteilen würden. Genauso interessant ist es, welche Tipps Sie für potentielle Interessenten hätten und worauf man bei der Nutzung unbedingt achten sollte. Gerne können Sie uns dies einfach per E-Mail unter info@contergan-infoportal.de (Stichwort: Mobilitätshilfen) zusenden.

Was kosten die Angebote?

© pit24 / Fotolia.com
Geld sparen. Rechner und Rotstift auf Euro-Geldscheinen.

Aktuell haben wir im Internet eine Unverbindliche Preisempfehlung von über 18.500,00 Euro für die Genny™ und bei einem Händler (TRC) einen Angebotspreis von rund 17.500,00 Euro gefunden. Der MobilityCube soll im Grundmodell laut REHADAT rund 12.700,00 Euro kosten. Eine Hilfsmittelnummer für das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes ist laut REHADAT für ihn beantragt.

Weitere Informationen

Genny TM Mobility
Informationen des Herstellers

Informationen in der REHADAT-Datenbank
zu Penny TM Mobility

MobilityCube ®
Informationen des Herstellers 

Informationen in der REHADAT-Datenbank
zum MobilityCube ®

Dreirad/Therapiedreirad

Mit einem Rad mehr, dem Einsatz von Muskelkraft und vielleicht unterstützender Elektroenergie bieten Dreiräder ein stabileres aber nicht ohne etwas Anstrengung zu realisierendes Fahrvergnügen. Sie unterstützen contergangeschädigte Fahrer mit einem erhöhten Bedarf an Sicherheit und Stabilität im Alltag und helfen Ihnen, Bewegungseinschränkungen auszugleichen. Darüber hinaus können sie nicht nur eine mobilisierende und stimulierende Wirkung auf Gelenke, Muskulatur und Kreislauf haben. Sie sind auch als praktische Helfer bei kleineren Einkaufen nützlich und bringen bei einer Radtour mit Freunden nicht nur Bewegung, sondern auch viel Spaß und Freude. Je nach Konstruktion, können die Dreiräder allein oder auch zu zweit genutzt werden. Ein tiefer Einstieg und das dritte Rad helfen den Betroffenen dabei, im Gleichgewicht zu bleiben, und ermöglichen es contergangeschädigten Menschen, aktiv und mobil am Leben teilzunehmen.

Dabei gibt es aktuell eine Vielzahl von Anpassungs- und Ergänzungsoptionen, um die Dreiräder an den individuellen Bedarf anzupassen. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • Spezielle Schaltknüppel (z.B. mit kurzen Schaltwegen), die eine leichte und zuverlässige Wahl der verschiedenen Gänge auch bei eingeschränkter Funktion der Hand- und Armgelenke ermöglichen.
  • Fußfixierungen für einen sicheren Halt.
  • Pedalverbreiterungen in verschiedenen Größen.
  • Exzentrische Tretkurbeln zur Anpassung an einen eingeschränkten Bewegungsradius der Beine.
  • Lenkerverlängerungen für contergangeschädigte Menschen mit kurzen/ohne Arme.

Einige Dreiräder für Erwachsene haben auch eine Hilfsmittelnummer im Verzeichnis der Hilfsmittel des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Dies ist eine Grundlage dafür, dass deren Kosten grundsätzlich auch von den gesetzlichen Kranken- bzw. Pflegeversicherungen übernommen werden dürfen. Inwieweit dies im individuellen Fall auch getan wird, muss der Contergangeschädigte jedoch immer pro Einzelfall zusammen mit dem behandelnden Arzt und der zuständigen Krankenkasse prüfen. Alternativ wäre hier aber auch die Finanzierung über die Conterganstiftung im Bereich „Spezifische Bedarfe“ möglich.

Mehr Informationen

Hilfsmittelverzeichnis
des GKV-Spitzenverbandes

Verschiedene Anbieter

Praktische Tipps

Bevor man sich zum Kauf einer Mobilitätshilfe, eines E-Bikes oder eines Rades entscheidet, sollte man sich erst einmal in Ruhe informieren und mit Bekannten und Freunden über deren Erfahrungen sprechen. 

Wenn die Auswahl dann auf eine kleinere Anzahl von Produkten eingegrenzt wurde, kann man sich die Produkte in Ruhe beim Händler anschauen und sollte sie natürlich auch ausprobieren. Dabei stellen sich zusätzliche Fragen nach den optionalen Ausstattungs- und Anpassungsmöglichkeiten (z.B. Lenkung, Bremsen, Schaltung, Licht), die eine Nutzung entsprechend der individuellen Schädigung ermöglichen. Welche ist hier die richtige? Und welche fühlt sich darüber hinaus für mich auch noch gut an? Hierfür ist es notwendig, das Rad oder die Mobilitätshilfe vor dem Kauf auch einmal ausgiebig - entsprechend der später geplanten Nutzung - zu testen. Ein solcher Test sollte länger und umfassender sein, als nur 5 Minuten ein paar Runden auf dem Hof des Händlers zu drehen.

Je nach individuellem Bedarf und geplanter Nutzung kann es dann auch wichtig sein, mit dem Händler über Transportfragen des neuen Gefährtes zu sprechen, wie z.B.:

  • Wie schwer ist das Rad? 
  • Wie einfach kann ich es transportieren? 
  • Ist es zusammenklappbar? 
  • Benötige ich für den Transport besonderes Zubehör oder einen Anhänger?
  • Beim Transport im Auto oder auf einem Gepäckträger: Wie wirkt sich das Gewicht auf mein zulässiges Gesamtgewicht laut Zulassung aus? 
  • Wie schnell lädt sich die Batterie? Wie lange hält sie?
  • Auf was muss ich bei der Batterie besonders aufpassen (z.B. bei der Mitnahme in den Urlaub)? 

Und natürlich sollte man auch auf die eigene Sicherheit achten. Dabei gilt es z.B. zusammen mit dem Händler einen passenden Helm auszusuchen. Dieser sollte nicht nur gut aussehen, sondern auch perfekt sitzen und optimal schützen, denn z.B. E-Bikes und elektrische Mobilitätshilfen können ganz schön schnell unterwegs sein. Bei aktuellen E-Bikes kann man so auch schon einmal 30 km/h erreichen und da gilt es möglichen Stürzen und ihren Folgen vorzubeugen

Ausblick

Mehr zu Fahrrädern, Therapierädern, E-Bikes und Mobilitätshilfen gibt es demnächst hier. Dann werden wir auch über die aktuellen Neuheiten und besondere Angebote in diesem Bereich von der Rehacare International 2016 aus Düsseldorf berichten (28.09. – 01.10. 2016), die natürlich auch in diesem Jahr wieder auf unserem Besuchsprogramm steht. 

Wenn wir dabei auf ein Produkt besonders eingehen sollen, einfach eine kurze E-Mail an CIP senden. Wir kümmern uns darum. Gleichzeitig sind wir auch an allen Erfahrungsberichten (gerne auch mit Foto) zu Rädern interessiert. Auch hier freuen wir uns auf elektronische Post unter info@contergan-infoportal.de (Stichwort: Mobilitätshilfen).

Quelle:  1 - Mattias Schulz: Gehen war gestern. In: DER SPIEGEL, 30/2016, S. 107.

* Die hier aufgeführten Produktbeispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigen beispielhaft, welche Lösungen für contergangeschädigte Menschen angeboten werden. Gerne nehmen wir weitere Lösungen in die Übersicht auf. Bitte kontaktieren Sie uns hierzu unter info@contergan-infoportal.de 

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