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Leben 4.0

03.08.2017

Digitalisierung - Fluch oder Segen?

© Cristine Lietz / pixelio.de
Schriftzug Digitalisierung auf blauem Hintergrund.

Was haben wir vor?

In den folgenden Wochen möchten wir uns in verschiedenen Artikeln mit Fragen der Digitalisierung und einigen konkreten Beispiele für die Chancen, Risiken, positiven Effekte aber auch Herausforderungen einer zunehmenden Digitalisierung von Hilfsmitteln und Services für das Leben contergangeschädigter Menschen auseinandersetzen. 

Dabei möchten wir neue Ansätze vorstellen, uns mit notwendigen Voraussetzungen für eine sinnvolle Nutzung durch die Betroffenen auseinandersetzen sowie Anregungen für die Nutzung verschiedener, bereits vorhandener neuer Dienstleistungen und Hilfsmittel geben. Aufgrund der umfassenden Bedeutung und des zunehmenden Einflusses der Digitalisierung auf alle Bereiche unseres Lebens können wir hier jedoch immer nur Teilaspekte beleuchten, deren Umfang wir mit der Zeit aber immer weiter ausbauen wollen. 

Wir würden uns deshalb freuen, mit Ihnen über das CIP in einen anhaltenden Austausch zu diesem Thema zu treten. Wie hat die Digitalisierung Ihr Leben verändert? Welche neuen Services helfen Ihnen im täglichen Leben? Wo sehen Sie noch konkreten Handlungsbedarf? Welche Angebote, die Sie überzeugt haben, können Sie anderen Betroffenen empfehlen und wovon würden Sie abraten? Welche Entwicklungen sehen Sie eher skeptisch oder als Fehlentwicklung? Wofür würden Sie gerne konkreten Lösungen aufgezeigt bekommen? Es wäre interessant Ihre Meinung und ihre Sicht auf die Digitalisierung zu erfahren. Deshalb möchten wir Sie einladen, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen und uns Ihre Meinungen, Hinweise und Tipps zu Fragen der Digitalisierung z. B. in einer E-Mail unter info@contergan-infoportal.de zu senden. Wir freuen uns darauf, werden Ihren Hinweisen gerne nachgehen und Ihre Erfahrungen und Meinungen im CIP dokumentieren. Vielen Dank im Voraus!

„Beam me up, Scotty!“

Die digitale Revolution kam auf leisen Sohlen, schleichend aber unaufhaltsam und mit zunehmendem Tempo. Sie verändert insbesondere auch das Leben und die Teilhabe-Möglichkeiten contergangeschädigter Menschen. Dabei fallen uns die mit dieser tiefgreifenden Revolution verbundenen Auswirkungen bereits nicht mehr oder nicht immer gleich sofort auf. 

Eine contergangeschädigte Frau bei der Tastatureingabe mit Stift an einem Laptop.

Wenn zur besten Sendezeit der Moderator im ZDF darauf verweist, dass weitergehende Informationen zu diesem Thema unter www.zdf.de zu finden sind, ist es toll, da wir uns bei Interesse hier umgehend informieren können und wir auch das Interview, welches nur 20 Sekunden der Sendezeit ausmachte, in seiner kompletten 20-minütigen Version zur Verfügung gestellt bekommen. Aber, bevor wir die zusätzlichen Informationen nutzen können, gilt es für uns auch einige Hürden zu überwinden.

Wir benötigen meist ein zusätzliches Gerät, eine für uns angepasste Steuerung des Gerätes und einen meist kostenpflichtigen Zugang zum Internet. Dann müssen wir darauf hoffen, in einer Stadt oder einer Region zu wohnen, in der die Internet-Verbindungen schon mit entsprechender Geschwindigkeit genutzt werden können, um eine schnelle und „ruckelfreie“ Internet-Nutzung zu ermöglichen. Wenn nun alle technischen Grundlagen gegeben sind, müssen wir dann noch darauf vertrauen, dass die Macher der Sendung bei der Gestaltung der Informationen im Internet die Regeln der Barrierefreiheit beachtet haben, damit wir die von uns gesuchten und von ihnen bereit gestellten Informationen auch ohne Einschränkungen für uns nutzen können. Selbst, wenn öffentliche Angebote hier - auch aufgrund gesetzlicher Anforderungen – schon viel für die Barrierefreiheit im Internet getan haben, ist das Thema Barrierefreiheit für viele private und / oder kommerzielle Angebote immer noch ein Feld mit Verbesserungspotential. 

Auch wenn diese Herausforderungen für den einen oder anderen Leser klein erscheinen mögen, für andere Betroffene bieten sie unüberwindbare Barrieren. Und, bezogen auf die Vielzahl der Bereiche der Internet-Nutzung, sie bergen damit die potentielle Gefahr in sich, dass Menschen vom aktuellen Fortschritt und seinen positiven Effekten, wie auch vom grundsätzlichen gesellschaftlichen Leben abgekoppelt werden. Viele Informationen, wie z. B. Gebrauchsanweisungen, ergänzende Informationen oder Vordrucke und Formulare, werden zunehmend nur noch im Internet angeboten.

Konfigurations-Oberfläche einer Smart-Watch auf einem Tablet-Computer.

Für Menschen mit einer Hörbehinderung bietet das Internet dagegen zusätzliche neue Möglichkeiten und die Verlagerung vieler - bisher am Telefon zu klärender -Fragestellungen in die Welt der Chats und E-Mails eine neue Chance zur individuellen und selbstbestimmten Gestaltung der eigenen Kommunikation, die ihnen das Telefon nicht bieten konnte. Sie stören sich eher daran, dass bestimmte Informationen im Internet nicht verfügbar sind (z. B. aktuelle Notfalldienste für Ärzte und Apotheken in einigen Regionen) und – laut Hinweis im Internet – weiter per Telefon erfragt werden müssen. Chancen und Risiken der Entwicklungen sind also häufig auch nicht so eindeutig zu benennen und richten sich zum Beispiel auch nach den jeweils individuellen Voraussetzungen bzw. körperlichen Einschränkungen der Menschen sowie den individuellen Präferenzen der Mediennutzung.

Auch für die Nutzung der positiven Effekte des zuletzt in der öffentlichen Diskussion immer häufiger erwähnten „Internets der vernetzten Dinge“ (z. B. Kommunikation technischer Geräte und Austausch von Informationen über das Internet ohne Einbindung des Nutzers) benötigt man vorab meistens auch andere Geräte, was erst einmal mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. So kann nur der neue, „digital aufgerüstete Kühlschrank“ autonom agieren, wenn die Milch zur Neige geht. Er verbindet sich dann mit dem Internet und organisiert den notwendigen Wochenend-Einkauf selbständig mit dem Server eines Online-Portals, statt mit dem Gemüse-Händler an der Ecke. 

In beiden beispielhaften Situationen haben uns die Auswirkungen der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte auf alle Bereiche von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft unser Leben bereits heute erreicht und werden es in den nächsten Jahren noch in einer Art und Weise verändern, wie wir es uns heute kaum vorstellen können.

Dies kann man bedauern und als Akt des Widerstandes mit individuellem Verzicht beantworten. Inwieweit dies überhaupt umfassend möglich ist, muss die Zeit zeigen. So wird bereits heute die Nicht-Nutzung digitaler Angebote, z. B. der Online-Überweisung bei Banken, mit Zusatzgebühren für die Alternativen (z. B. bei einer Überweisung auf Papier) sanktioniert. Durchaus vorstellbar, dass in einigen Jahren Papier-Überweisungen gar nicht mehr möglich sind. So werden mit der Zeit viele - bisher noch ganz normale Handlungen und Tätigkeiten bzw. teilweise sogar ganze Berufe - aus den unterschiedlichsten Gründen einmal komplett aus dem physischen Alltag verschwinden, in die „virtuelle Realität“ verlagert und durch digitale Lösungen ersetzt werden. Dabei besteht die Gefahr, dass damit für contergangeschädigte Menschen neue, zusätzliche Hürden für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgebaut werden. Das gilt umso mehr, da die Digitalisierung bald auf nahezu allen Gebieten des menschlichen Lebens und Zusammenlebens weiter voranschreiten wird. 

© TiM Caspary / pixelio.de
Raumschiff "Enterprise" im All.

Neue Möglichkeiten nutzen

Alternativ können wir versuchen die Dinge, die wir nicht aufhalten können, zumindest aktiv mit gestalten zu helfen. Ziel kann es dabei sein, die – nicht mehr aufzuhaltende Digitalisierung – des alltäglichen Lebens für Betroffene optimal zu nutzen, um die Lebensqualität zu verbessern und das Leben mit Contergan, seinen Einschränkungen, Folge- und Spätschäden einfacher zu gestalten. Und, dort wo Fehlentwicklungen drohen, auf diese frühzeitig hinzuweisen und Lösungen bzw. Entwicklungsprozesse konstruktiv zu unterstützen und zu begleiten bzw. bei Bedarf diese auch erst einmal selbst anzustoßen. Auch dies ist durch die neuen Möglichkeiten der elektronischen Kommunikation, der Meinungsbildung und –äußerung mit Hilfe sozialer Medien sowie der einfachen Vernetzung im Internet heute viel einfacher als noch vor 10 Jahren. 

Dabei ist so vieles aus den Science-Fiction-Serien unserer Jugend durch die Digitalisierung und die immer weiter fortschreitende Entwicklung in Wissenschaft und Technik heute bereits Realität. Wir können uns zwar noch nicht von einem Ort zum anderen „Beamen“, aber die einfache Abfrage der „alles menschliche Wissen umfassenden“ Raumschiff-Datenbank über ein Computer-Terminal (heute über das Internet), das kleine mobile Kommunikationsgerät und das elektronische Tablett mit dem technischen Bericht des 1. Offiziers (unser Smartphone und iPad) oder auch der Replikator (3-D-Drucker) aus der TV-Serie „Enterprise“ sind heute bereits Wirklichkeit und erwecken nur noch bei den wenigsten Menschen ungläubiges Staunen. Aber dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der bereits heute vorhandenen Lösungen im Bereich der Digitalisierung des Lebens.

Eine contergangeschädigte Frau bedient ihren Laptop.

Im Folgenden möchten wir Ihnen deshalb einige konkrete Projekte, Hilfsmittel und Dienstleistungen vorstellen, die uns besonders aufgefallen sind. Deren Existenz und Anwendung wäre ohne die zunehmende Digitalisierung nicht möglich. Ihre Anwendung trägt aber gleichzeitig weiter zur zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens bei. Dabei wollen wir auf die Chancen aber auch auf bestehende Risiken der Nutzung durch contergangeschädigte Menschen aufmerksam machen und auf weiterführende Quellen verweisen, über die sie mehr zum Thema und die Angebote erfahren können.

Hierzu zählen in den kommenden Wochen: 

  • Digitale Assistenten zur Informationsverarbeitung und Kommunikation
  • Hilfe parat - Smart-Watches als Notfall-Assistenten
  • Das Internet der Dinge – Was ist das und was bringt es?
  • Neue digitale Lösungen für das Bad
  • Digitale Services rund um die Küche
  • Wie helfen Roboter im Haushalt? (Staubsauger, Rasenmäher, Kommunikationspartner, Pflegeroboter ...)
  • Digitalisierung und Mobilität
  • 3D-Druck für zuhause – Spielerei oder Start in die Zukunft
  • Nützliche Applikationen auf dem Smartphone
  • Das „Seeing AI“-Projekt von Microsoft
  • Kurze, aktuelle Streiflichter 

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Quellen: Informationen der Hersteller, Messebesuche und eigene Recherchen.
Autor: T. Heckmann
Zuletzt aktualisiert: 03. August 2017 

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