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Praktische Lösungen

Besuch bei Dipl.-Ing. Andreas Drohmann in Werne

Uns hat er dann auch noch auf einen kleinen Rundgang durch sein Haus mitgenommen, um ein paar der Lösungen zur Verbesserung der Barrierefreiheit vorzustellen, die er und seine Frau im Laufe der Jahre in ihr Haus eingebaut haben.

Eingangsbereich

Der Eingangsbereich zum Haus der Drohmanns ist mit grobem Pflaster ausgelegt, um die Rutschgefahr bei schlechtem Wetter zu verringern. Die Haustür ist mit einer automatischen Schließanlage mit Chip ausgerüstet, um Frau Drohmann das Öffnen der Tür zu erleichtern. Zusätzlich ist die Haustür alternativ auch mit einem versetzten Griff zur manuellen Betätigung versehen, der für Frau Drohmann gut nutzbar ist.

Ergänzend ist die eingebaute Gegensprechanlage der Klingel sowohl von Parterre als auch von der 1. Etage aus nutzbar, um die Nutzung der Treppe und die damit verbundenen Stolpergefahren, insbesondere wenn es unten klingelt, zu minimieren. Die Treppe ist deshalb auch nicht gewendelt, sondern gerade und mit Podesten gebaut. 

Die Themen Rutschgefahren (z.B. auf Fliesen bei Nässe) und Stolperfallen (z.B. eine Teppich-Brücke) spielten bei der Wahl des Fußbodenbelages in den einzelnen Zimmern eine große Rolle und sollten laut Andreas Drohmann auch nicht unterschätzt werden. Nicht alles was schön aussieht ist auch praktisch.

Diele

In der Diele befindet sich ein begehbarer Schrank mit Kleiderstangen, Schuh- und Kleiderfächern, die auf die individuellen Bedürfnisse von Frau Drohmann angepasst wurden. So kann sie alles selbständig nutzen. Eine elektrische Lösung mit motorbetriebenen Schrankmodulen würde immer auch zeigen: „Du kannst da im Moment selbst nicht dran!“ Und die Wartezeit kann mit der Zeit auch nerven. Also hat Andreas Drohmann lieber die Höhen der Fächer variiert. Auch die Griffhöhe der Tür wurde nicht nach DIN, sondern nach individuellem Bedarf justiert.

Fenster

Um das Fenster selbständig öffnen zu können, muss die Höhe des Griffs manchmal angepasst werden, um optimal bedient werden zu können. 

Kommt man darüber hinaus schwer an das Fenster heran, weil z.B. Möbel im Weg sind, bietet sich die Nutzung einer Griffverlängerungen zum Öffnen des Fensters an. 

Häufig ergibt sich hier jedoch ein weiteres Problem. Nun kommt man zwar besser an den Griff des Fensters, der Griff erfordert aber immer noch – bautechnisch bedingt – eine gewisse Kraftanstrengung, um den Widerstand des Griffes zu überwinden und ihn zu bewegen. Unterschiedlich große Griffe haben dabei signifikante Auswirkungen auf die notwendige Kraft zur Betätigung des Griffes. Sogenannte XXL-Griffe bieten größere Hebelarme und minimieren so den notwendigen Krafteinsatz durch die Betroffenen.

Um besser an den Griff z.B. eines Fensters zu gelangen, hat Andreas Drohmann in seinem Haus nicht nur eine eigene Griffverlängerung gebaut, sondern auch ein wenig am Fenstergriff herumgetüftelt. Am Ende hat er die Rastung im Fenstergriff ausgebaut. Der geht nun sehr leicht und ist mittels Griffverlängerung von seiner Frau gut bedienbar. Wer wissen will, wie es genau geht ... einfach anrufen.

Badezimmer

Erst vor kurzem haben die Drohmanns das Bad im Parterre an die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Es hat nun ein Dusch-WC mit Fußschalter und Notruf. Die Spiegel hängen in verschiedenen Höhen und auch die Schränke sind in der Höhe an die individuellen Bedürfnisse angepasst.

Die Dusche ist bodengleich in einer Nische. Sie hat jedoch keine weitere Abtrennung nach vorn. Dies ist nicht für jeden so umsetzbar, meint Andreas Drohmann. Hier muss sich die Gestaltung der individueller Schädigung und den Bedürfnissen anpassen. „Wir haben keine Duschwand. Ob wir nun die Duschtür abwischen oder den Boden ist für uns egal. Bei unserer Bekannten schon wieder nicht. Sie zieht sich auf dem Boden an und würde nach dem Duschen immer im Nassen sitzen. Deshalb hat sie eine Lösung mit einer Duschabtrennung gewählt. Die individuellen Bedürfnisse bestimmen so am Ende immer die zu wählende Lösung.“

Das Waschbecken im Bad der Drohmanns ist nicht elektrisch verstellbar. Davon hält Andreas Drohmann nicht so viel. Aus seiner Erfahrung heraus wird das meist nur 2-3 mal genutzt. Dann muss es im Alltag schnell gehen und das Verstellen, auch wenn es eigentlich nur Sekunden dauert, nervt mit der Zzeit. Die Folge: es bleibt bei einer einzigen Einstellung und wird dann so genutzt. Die elektrische Verschiebbarkeit hätte man sich dann auch sparen können. Er plädiert dafür, bei der Installation lieber etwas mehr Zeit für die Entscheidung über die richtige Höhe des Waschbeckens zu verwenden. Und wenn mehrere Personen das Bad nutzen, die ganz unterschiedliche Höhen benötigen, würde er immer für zwei Waschbecken in unterschiedlichen Höhen plädieren.

Die Tür zum Bad öffnet sich bei den Drohmanns automatisch. Möglich wird dies durch eine automatische Türöffnungs-Lösung mit einem Bewegungs-Sensor. Und um Platz zu sparen hat er sich für eine Schiebetür entschieden. Die benötigt keine Bewegungsflächen im Bad oder Flur und kann insbesondere auch im Notfall nicht blockieren.

In der Vergangenheit war die Gestaltung des Bades nicht ganz so komfortabel. In der ersten Etage kann man das noch heute sehen. Die Höhe der Duschtasse war laut des Handwerkers die unterste Grenze dessen, was technisch machbar sein. Mehr würde nicht gehen. Bodengleich war damals noch Utopie. Den Duschsitz gab es allerdings schon, auch wenn im Moment nur die Wandhalterung zu  sehen ist, da er aktuell selten genutzt wird.

Küche

Auch in der Küche bevorzugen die Drohmanns unterschiedlich angeordnete Arbeitshöhen statt elektrisch anpassbarer Küchenschränke. Laut Andreas Hohmann lehnen viele Betroffenen auch zu viel Technik ab. Sie vermittelt häufig ein Gefühl des ausgeliefert seins. Und dann ist da noch die bange Frage, was passiert, wenn die Technik mal versagt oder kaputt geht. Für viele sind mechanische Lösungen deshalb beliebter. Hierbei bedarf es manchmal aber auch der Hilfe durch den Ergotherapeuten. Er trainiert zusammen mit dem Betroffenen, wie bestimmte Bewegungen im täglichen Leben richtig ausgeführt werden, um unvorteilhafte und langfristig zu Schmerzen und Folgeschäden führende Bewegungen zu vermeiden. 

Ein Highlight der Küche ist zweifellos der neue Herd von Neff. Dessen Tür lässt sich komplett unter dem Herd versenken. Der Hersteller nennt das „Slide & Hide“.  Ist die Backofentür vollständig in dem dafür vorgesehenen Fach unter dem Backofen eingeschoben ergibt sich vor dem Herd sehr viel Platz für eine komfortable Handhabung.

Arbeitsplatz

In Ihrem Arbeitszimmer hat Frau Drohmann einen speziellen Computertisch und in der Höhe angepasste Regale. Der Computer kann dabei auch mittels spezieller Fuß-Schalter gesteuert werden.

Hier macht mich Andreas Drohmann dann auch noch auf eine weitere Anpassung aufmerksam. Der Heizkörper besitzt ein spezielles Thermostat, welches von einem Hersteller für barrierefreie Regeltechnik angeboten wurde. Das Thermostat kann mit Hilfe eines Stabes, statt des üblichen runden Thermostates reguliert werden. 

Probieren geht über Studieren

Es gibt so viele Lösungen und Angebote beim barrierefreien Bauen und Wohnen, wie es individuelle Bedürfnisse der Menschen gibt. „Manchmal gilt es einfach, eine bestimmte Lösung zu testen, ob sie im realen Leben für Dich persönlich funktioniert. Oft klappt es, aber manchmal stellt man auch fest, dass gut gemeint das Gegenteil von gut ist. Probieren geht halt auch hier über studieren. So ist das Leben.“

Case-Manager zur Unterstützung

Durch die verschiedenen Anpassungen im Haus könnte Familie Drohmann bei Bedarf in Zukunft auch auf einer Ebene im Parterre wohnen. Alle notwendigen Zimmer und Einrichtungen sind dort vorhanden. 

Vorausschauend bauen und planen gehört für Andreas Drohmann zum barrierefreien Wohnen dazu. Genauso wie eine unabhängige Beratung und kompetente Bauleitung. In Vorgesprächen sollten eingehend alle Lebensbereiche durchleuchtet werden: Was wird aktuell gebraucht? Was könnte in Zukunft notwendig werden? Was ist eine mögliche praktische Lösung und was ist doch nur technische Spielerei?

Dürfte er sich etwas wünschen, so wäre das ein Art Case-Manager für den Bereich Barrierefreies Wohnen und Bauen für contergangeschädigte Menschen. Der würde die individuelle Situation gemeinsam mit den Betroffenen analysieren und auf dieser Basis aus den vorhandenen barrierefreien Lösungen verschiedene Alternativen auswählen, die dann gemeinsam mit den Betroffenen bewertet würden. Hat man sich auf eine passende Lösung geeinigt, so würde er sich auch um die Planung und Umsetzung der dafür notwendigen baulichen Maßnahmen kümmern und die Arbeiten mit den Handwerkern und bei Bedarf auch mit dem Vermieter koordinieren. Vielleicht ist das ja etwas für die Conterganstiftung, so als Modellprojekt, gibt uns Andreas Drohmann noch mit auf den Weg, während wir uns bedanken und mit vielen neuen Eindrücken verabschieden.

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