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Küche

Küchen sind in vielen Wohnungen der Mittelpunkt des täglichen Lebens. Hier werden leckere Speisen zubereitet, es wird gegessen, gelesen, man trifft sich zum Reden und häufig enden hier auch die Familienfeiern. Deshalb sollen Küchen heute nicht nur praktisch und bedienerfreundlich, sondern meist auch noch gemütlich und komfortabel sein. Dies gilt auch für eine barrierefreie Küche. Entsprechend der individuellen Schädigung eingerichtet, hilft sie contergangeschädigten Menschen dabei, ihren Alltag so selbständig wie möglich und mit so viel Assistenz wie nötig zu meistern. Darüber hinaus wird sie zu einem Ort an dem man gerne ist und der einem so viel Unterstützung wie nötig bietet, um möglichst selbständig agieren und leben zu können.

Woran sollte gedacht werden?

In der Heideberger Contergan-Studie wurde 2012 auch die Zufriedenheit mit den Wohnbedingungen untersucht. Dabei zeigte es sich, dass die Befragten einen Schwerpunkt auf ganz praktische Problemlösungen legten und besonders bei den Kücheneinrichtungen ein Anpassungsbedarf bestand. Dieser reichte von Küchenzeilen mit einer speziell angepassten Arbeitsplattenhöhe oder Schranktiefe über spezielle Hängeschränke bis hin zu barrierefreien Lösungen für die genutzten Elektrogeräte.  

Auch die „DIN 18040-2 Wohnungen“ gibt für Küchen und den Essplatz Vorgaben für eine optimale barrierefreie Gestaltung. Dazu zählen:

  • Auch in Küchen sollen grundsätzlich Bewegungsflächen von 120 cm x 120 cm bzw. 150 cm x 150 cm (bei Nutzung durch Rollstuhlfahrer) eingeplant werden, um den Betroffenen das einfache Drehen und Wenden in der Küche zu ermöglichen. Dabei sollte vor den Küchenmöbeln jeweils ein entsprechender Bewegungsraum von mindestens 120 - 150 cm verfügbar sein.
  • Um eine optimale und für den Betroffenen möglichst schonende Nutzung der Küche und der Küchengeräte zu ermöglichen, sollen die Arbeitshöhen an Körpergröße und Schädigung angepasst bzw. variabel anpassbar sein (z. B. bei verschiedenen Nutzern).
  • Um die Nutzung mit einem Rollstuhl zu ermöglichen sollen der Herd, die Arbeitsplatte und die Spüle komplett unterfahrbar sein. Dabei sollen eine Beinfreiheit von 67 cm (Kniehöhe) und ein Auffahrschutz gewährleistet sein.

Fachleute empfehlen darüber hinaus, den Herd, die Spüle und die Arbeitsplatte über Eck anzuordnen, um so die tägliche Küchenarbeit zu erleichtern, was für contergangeschädigte Menschen mit Phoko- bzw. Amelie nicht immer unbedingt geeignet erscheint. Dabei sollen die Küchengeräte jeweils im persönlichen Zugriffsbereich angebracht sein. Dieser kann je nach Körpergröße und Schädigung variieren. Als Richtwert gilt ein Bereich zwischen 40 cm und 140 cm über dem Küchenboden. 

Elektrische Liftsysteme helfen dabei, den Zugriff optimaler zu gestalten. Die derzeit angebotenen Liftsysteme lassen sich dabei grundsätzlich sowohl mit Schränken und Arbeitsplatten als auch mit Spülen und Herden verbinden. Je nach Schädigung können Handläufe an den Küchenelementen zusätzliche Sicherheit bieten. 

Eine schnellere Orientierung und Übersichtlichkeit erreicht man ergänzend dadurch, dass man die bisher z. B. aus Holz oder Furnierplatten hergestellten Einlegeböden und Schrankfronten der Küchenschränke durch Ausführungen mit Glas ersetzt. So ist alles gleich im Blick. Beim Bodenbelag sollte auf rutschhemmende Materialien, die auch für die Nutzung mit einem Rollstuhl geeignet und leicht zu reinigen sind, geachtet werden.

Weitere Informationen

Produktbeispiele für barrierefreie Küchen
im Contergan-Infoportal

Wohnraumanpassung in der Küche

Spüle
Höhenverstellbare Schränke
Höhenverstellbare Arbeitsplatten
Höhenverstellbarer Küchentisch
Elektrogeräte


Spüle

Eine barrierefreie Spüle sollte komplett unterfahrbar sein. Hierbei bietet sich z. B. die Nutzung eines Flachsiphons an. Ergänzend gilt es, an die zusätzliche Isolierung der Unterseite des Spülbeckens zu denken, um Verletzungen beim Unterfahren bzw. Abwaschen zu vermeiden. Contergangeschädigte Menschen, die mit den Füßen arbeiten, kommen dagegen besser von der Seite an die Spüle heran und benötigen dafür aber keine Unterfahrbarkeit. 

Wie auch schon im Bad sind Einhebel-Mischarmaturen (einfache Bedienung) mit einem eingebauten Begrenzer für die maximale Wassertemperatur (Verbrühungsschutz) zu empfehlen. Zur flexiblen und komfortablen Nutzung können Spülen ergänzend auch mit einem langen Brauseschlauch ausgestattet werden, welcher sich bei Bedarf aus der Armatur ziehen lässt. 

Eine nicht zu große Tiefe des Spülbeckens erleichtert die Nutzung und die Sicherung der Kniefreiheit beim Unterfahren der Spüle. Vereinzelt werden auch Spülbecken mit schräger Seitenwand angeboten. Diese sollen den Kraftaufwand minimieren, mit dem z. B. schwere Töpfe in bzw. aus dem Wasser bewegt werden.

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Produktbeispiele für barrierefreie Spülen
im Contergan-Infoportal


Höhenverstellbare Schränke

Je nach Körpergröße und Schädigung sind Geschirr, Gläser und Haushaltsgeräte in einer „normalen“ Küche für contergangeschädigte Menschen schwer erreichbar und nutzbar. Mit Hilfe von Liftsystemen bieten Hersteller hier Lösungen an, um die Inhalte der Schränke barrierefrei und bequem erreichen zu können, unabhängig davon, ob der Betroffenen steht oder sitzt. Dabei sind sowohl horizontale (Schrankauszug kommt Nutzer entgegen) als auch vertikale (Hochschrank fährt herunter) Liftlösungen im Angebot. Viele Liftsysteme lassen sich auch nachträglich noch in vorhandene Küchen einbauen bzw. sind unabhängig von einem speziellen Küchenanbieter nutzbar. Die dazugehörigen Bedienelemente (oder die Fernbedienung) sollen für alle gut erreichbar angebracht und einfach zu bedienen sein.

Ein potentieller Nachteil: Bei Stromausfall bleiben die Schränke oben. Wer das vermeiden will, könnte ganz auf Oberschränke verzichten oder lässt in der Sockelschublade "Stufen" einbauen.

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Produktbeispiele für Schranksysteme in der Küche
im Contergan-Infoportal


Höherverstellbare Arbeitsplatten

Neben der guten Erreichbarkeit der Inhalte der Küchenschränke spielt die richtige Höhe der Arbeitsplatte, auf der z. B. das Essen vorbereitet wird, eine große Rolle. Auch hier kommen verschiedenste Lösungsoptionen zum Einsatz, um sowohl im Stehen als auch im Sitzen ein möglichst optimales Arbeiten zu ermöglichen. Dabei sollten die genutzten Lift-Modelle über einen Scher- und Quetschschutz verfügen, der das Verletzen der Finger bei der Verstellung der Höhe der Arbeitsplatte verhindert.

Die preiswerte Alternative bei der Neugestaltung der Küche: Von Anfang an unterschiedliche Arbeitshöhen einplanen, z. B. über der Spülmaschine.

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Produktbeispiele für Arbeitsplattenlifte
im Contergan-Infoportal


Höhenverstellbarer Küchentisch

Auch Küchentische gibt es als höhenverstellbare Versionen, die sich wechselnden Bedürfnissen und Nutzern bedarfsgerecht anpassen können. Die Höhenanpassung kann dabei durch direkt am Tisch angebrachte Schalter oder auch eine Fernbedienung erfolgen. Es gibt hier wandhängende und frei stehende Lösungen. 

Die Hubeinheiten – zur stufenlosen Verstellung der Höhe – sitzen bei frei stehenden Tischen dabei meist in den Tischbeinen und werden oft elektrisch betrieben. Hier kann die Bereitstellung der benötigten Stromversorgung für die elektrische Höhenanpassung eines frei stehenden Tisches manchmal schwierig werden (Lage der nächstgelegenen Steckdose → Kabel als Stolperfalle). Hier gibt es alternativ Lösungen für eine stufenlose Verstellung der Tischhöhe mittels Gasfedertechnik.

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Produktbeispiele für höhenverstellbare Tische
im Contergan-Infoportal


Elektrogeräte

Wichtiger Bestandteil der Küche sind natürlich die Küchengeräte, wie z. B. ein Herd oder eine Kühl- und Gefrierkombination. Bei vielen Geräten können heute die Türanschläge variabel gestaltet werden (links, rechts oder unten). Zusätzliche ausziehbare Arbeitsflächen bieten Abstellmöglichkeiten und mit Hilfe von Schubfächern oder Teleskopauszügen wird die Bedienung noch einfacher.

Unterfahrbarer Herd

Damit ein Herd komplett unterfahrbar ist, müssen die Kochplatten und der Backofen voneinander getrennt sein. Nur so lässt sich die komplette Unterfahrbarkeit (ca. 67 cm Beinfreiheit) sichern. Zusätzlich kann der Herd auch noch mit einem Liftsystem ausgestattet werden. 

Nebeneinander angeordnete Kochplatten bzw. Felder sind einfacher zu erreichen und erleichtern das Kochen, da z. B. für contergangeschädigte Menschen mit verkürzten - und in der Beweglichkeit eingeschränkten - Armen, die hinteren Herdplatten oft nur schwer erreichbar und so kaum nutzbar sind. Ist das Heben schwerer Kochtöpfe für den Betroffenen schwierig, sollte die Herdplatte eben und glatt sein, um die Töpfe einfach auf eine daneben liegende Arbeits- oder Abstellfläche schieben zu können. Dies ist bei klassischen Elektroherden schwierig, geht aber beispielsweise gut bei Küchenherden mit Ceran- oder Induktionsfeldern. Dabei haben Induktionsfelder den Vorteil, dass ihre Oberfläche nicht warm wird, was einen zusätzlichen Verbrennungsschutz bietet. Der Nachteil: sie benötigen zum Kochen ganz spezielles Kochgeschirr. 

Separate Backöfen werden in individuell angepasster Höhe in die Küche eingebaut. Dabei können die Türen auch seitlich öffnend angebracht sein (links/rechts). Um den Backofen im täglichen Küchenbetrieb auch einfach bedienen zu können, kann direkt unter ihm eine ausziehbare, zusätzliche Arbeits- und Abstellfläche eingeplant werden, die z. B. das Absetzen heißer Backformen ermöglicht. Bei Einbau-Backöfen mit klassischer Tür (Türanschlag unten) kann die Backofentür selbst als Ablage genutzt werden. Hier ist im Vorfeld jedoch die maximale Belastbarkeit z. B. der Scharniere zu prüfen, um Beschädigungen des Backofens aber vor allem auch Verletzungen des Nutzers zu vermeiden.

Bei den Schaltern für den Herd muss darauf geachtet werden, dass sie sicher bedient werden können. Sie sollten groß, übersichtlich und - auch mit den Füßen - gut zu greifen sein. Bei Induktionsherden und Touchscreen-Steuerungen gibt es eventuell Probleme mit dem versehentlichen Einschalten der Platten, wenn dort zufällig ein Topf steht.

Weitere Informationen

Produktbeispiele für Herde
im Bereich Tipps & Links des Contergan-Infoportals

Link-Tipp

Video

Kurzes Video „Barrierefreies Kochsystem“
Aufgenommen auf der REHAB 2015
Länge: 57 Sekunden - m4v, 51 MB

Barrierefreie Herd-Einheit auf der Rehab 2015.

PRODUKT-TIPPS



Eingestellt von: T. Heckmann

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