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Thema des Monats März 2016: Der Fall Contergan

Der Fall Contergan

© Foto WVG
Teil des Buch-Covers von "Beate Kirk: Der Contergan-Fall"

Mit dem Namen Contergan ist einer der größten Skandale der deutschen Medizin- und Sozialgeschichte verbunden. Aus diesem Grund erstellen wir im Rahmen des CIP eine Datenbank mit Online-Artikeln, Filmdokumenten, Publikationen und Links, um der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit eine möglichst vollständige Dokumentation der Geschehnisse und der sich daraus ergebenden Entwicklungen zur Verfügung zu stellen.

Dank der Unterstützung des Deutschen Apotheker Verlages Stuttgart können wir Ihnen hier nun auch die Doktorarbeit von Beate Kirk bereit stellen, die sie im Sommersemester 1998 an der Ernst-Moritz.-Arndt-Universität Greifswald einreichte.

Mit ihrer Promotionsschrift hat Frau Dr. Kirk bereits 1998 eine ebenso fundierte wie ausführliche Darstellung der Arzneimittelkatastrophe vorgelegt. Die bereits im Titel der pharmaziegeschichtlichen Arbeit: „der Contergan-Fall: eine vermeidbare Arzneimittelkatastrophe?“ gestellte und die Arbeit als roter Faden durchziehende Frage nach der Verantwortung für die thalidomidbedingten Behinderungen, wird auf knapp 250 Seiten eindeutig beantwortet. 

Ein vom Hersteller gegenüber Ärzten und Apothekern mit den Begriffen „Gefahrlosigkeit“, „völlige Ungiftigkeit“ und „absolut unschädlich“ beworbenes Schlafmittel gelangte demnach 1958 rezeptfrei in den Handel und entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem Verkaufsschlager, der für das Unternehmen monatliche Nettoumsätze im sechs- und siebenstelligen DM-Bereich erwirtschaftete (Kirk, der Conterganfall, S. 57f).

Im Oktober 1959 ging bei dem Hersteller die erste Meldung eines Arztes ein, der einen Zusammenhang von Contergan und aufgetretenen Polyneuropathien, das sind Nervenerkrankungen, vermutete (ebd, S.60). Es folgten weitere Meldungen an das Unternehmen und im Januar 1961 ein pharmakologischer Bericht des britischen Lizenzinhabers an das deutsche Unternehmen (ebd. S.63). Der erste belegbare Hinweis hinsichtlich der Auswirkungen von Contergan auf die pränatale Kindesentwicklung erfolgte im November 1960 durch das Anschreiben eines Apothekers (ebd. S. 66) an das Herstellerunternehmer. Weitere Hinweise folgten (ebd. S. 66ff). Zuletzt teilte der mit der Sache ausführlich vertraute Arzt Dr. Widukind Lenz dem Unternehmen Mitte November 1961 die Schlussfolgerungen seiner Untersuchungen mit. Er ging von einem Zusammenhang von Conterganeinnahme und gehäuft aufgetretenen Kindesmißbildungen aus (ebd. S. 83, S. 148ff). 

Am 27.11.1961 wurde Contergan aufgrund des hohen öffentlichen Drucks vom Markt genommen.

Abschließend beantwortet Fr. Dr. Kirk die eingangs gestellte Frage indem sie folgende Überlegung anstellt: „Falls die Neurotoxizität des Arzneistoffs Thalidomid bereits 1960 dazu geführt hätte, thalidomidhaltige Arzneimittel aus dem Handel zu ziehen, wären mehr als fünfzig Prozent der Fälle thalidomidbedingter Kindesmißbildungen vermieden worden.“ (ebd. S. 229).

Beate Kirk
Der Contergan-Fall: eine unvermeidbare Arzneimittelkatastrophe?
Zur Geschichte des Arzneistoffs Thalidomid
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart
Zum Dokument - PDF, 7.7 MB

Herzlichen Dank an den Deutschen Apotheker Verlag Stuttgart für die freundliche Bereitstellung des Manuskripts zur Nutzung im CIP.

Weitere Informationen

Die Contergan-Historie
Überblick über historische Daten und Ereignisse im CIP 

Lebenswege
Contergangeschädigte berichten darüber, was sie antreibt und bewegt

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