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Projekte bis 30.06.2009

Vor Inkrafttreten des 2. Änderungsgesetzes zum Conterganstiftungsgesetz (ContStifG) am 30.06.2009 erstreckte sich die Fördertätigkeit der Conterganstiftung auf die Förderung von Maßnahmen, die behinderten Menschen unabhängig von der Ursache ihrer Beeinträchtigungen Perspektiven für eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe erschließen. Projektträger waren Vereinigungen aus den Bereichen der Behindertenhilfe und der Freien Wohlfahrtspflege.


Petötherapieangebot für Kinder mit cerebralen Bewegungsstörungen (Hirnschädigungen), in Ulm

Im September 2001 eröffnete der Eltern-Verein Fortschritt Ulm e.V. (www.fortschritt-ulm.de) eine ganzheitlich (konduktiv) ausgerichtete Tagesstätte für vorschulpflichtige Kinder mit cerebralen Bewegungsstörungen. Mit dem Ende der Vorschulzeit musste das ganzheitliche Förderangebot dauerhaft auf schulpflichtige Kinder mit cerebralen Bewegungsstörungen ausgeweitet werden.

Daher gründete der Verein im September 2004 eine Privatschule. Diese wurde vom Oberschulamt Tübingen als Ersatzschule nach § 4 und § 5 Privatschulgesetz – Baden-Württemberg (PSchG) genehmigt. Neben dem Unterricht erfahren die Kinder an dieser Einrichtung eine umfangreiche konduktive Förderung.

Gemäß § 17 Abs. 4 Privatschulgesetz (PSchG) gelangt eine Privatschule aber erst mit dem Ablauf einer dreijährigen Wartefrist nach Aufnahme des Unterrichts in den Genuss der staatlichen Bezuschussung des Schulbetriebes.

Während der sich bis August 2007 erstreckenden dreijährigen Wartefrist hatte der Fortschritt e.V. den Einrichtungsbetrieb daher aus eigener Kraft zu gewährleisten. Andernfalls hätten die Kinder in eine staatliche Behindertenschule wechseln müssen. Dort wird nach Aussage des Antragstellers aber kein adäquat vergleichbares Pethö-Therapieangebot vorgehalten. In der Folge wären die in der Tagesstätte im Vorschulalter erzielten Fördererfolge verloren gegangen.

Zur finanziellen Sicherstellung des Therapieangebotes während der dreijährigen Wartefrist gewährte die Conterganstiftung dem Fortschritt e.V. einen Zuschuss von 288.000,00 Euro. Mit dieser Zuwendung konnten die unmittelbar mit dem Therapieangebot verbundenen Aufwendungen bis zum Ablauf der dreijährigen Wartefrist im August 2007 in voller Höhe abgedeckt werden.

Im September 2007 setzte mit Beginn des vierten Schuljahres die staatliche Bezuschussung nach dem PSchG ein. Seither steht die Privatschule des Fortschritt Ulm e.V. auf dem gleichen finanziellen Fundament wie Schulen in staatlicher Trägerschaft und kann Kindern mit cerebralen Bewegungsschäden dauerhaft ein adäquates Therapieangebot gewährleisten.


Verbesserung von Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten bis 30.06.2009

Die Stiftung fördert Projekte, die die Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen und damit ihre Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen verbessern.

Insbesondere Projekte, die den Zugang von Informationen für Menschen mit Behinderungen erleichtern und verständlicher machen stehen hier im Fokus der Fördertätigkeit. Diese Projekte können beispielsweise dazu beitragen, die Bildungsperspektiven für Menschen mit Behinderungen zu erweitern und / oder die Zugänglichkeit und Verständlichkeit von Kulturgütern zu erleichtern.

Hörfilm-Technik bis 30.06.2009

Anfang 2007 bewilligte die Stiftung dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband ( DBSV ) (www.dbsv.org) für die Beschaffung einer neuen computergestützten digitalen Audiodeskriptionstechnik einen Zuschuss von 51.576,72 Euro. Audiodeskription dient u.a. der Herstellung blinden- und sehbehindertengerechter Hörfilme.

Mit Audiodeskription werden akustische Bildbeschreibungen bezeichnet, die audiovisuelle Darbietungen und Informationen für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich machen. Vergleichbar mit akustischen Untertiteln beschreibt eine Audiodeskription in knappen Worten die zentralen Elemente einer Handlung. Zu diesem Zweck werden während der Dialogpausen eines Theaterstücks, Films oder einer Dokumentation Bildbeschreibungen zu Gestik, Mimik und Umgebung der Darsteller eingesprochen. Audiodeskription ermöglicht die Herstellung blindengerechter Hörfilme, Dokumentationen und Theaterproduktionen.

Bislang basierten die erstellten Produktionen auf analoger Technik. Die Digitalisierung der TV- und Radiotechnik erfordert die Umstellung der Produktionstechnik auf die computergestützte digitale Audiodeskription. Die digitale Audiodeskription ermöglicht qualitativ verbesserte und quantitativ umfangreichere Produktionen.

Der DBSV (www.dbsv.org) stellte die von der Conterganstiftung geförderte neue Hörfim-Technik seiner mit den Produktionsarbeiten betrauten Tochtergesellschaft, der Deutschen Hörfilm gGmbH (www.hoerfilm.de), kostenlos zur Verfügung.

Reliefbuch

Der weltweit bekannte Kölner Dom wird alljährlich von Millionen Menschen besucht. Umfangreiche Informationen zum Bauwerk sind in Form von konventionellen Bildbänden und Büchern verfügbar. Für interessierte blinde und sehgeschädigte Menschen existierte bislang kein Informationsangebot.

Durch einen speziellen Blindenführer zum Veitsdom in Prag angeregt, hat der Verlag Kölner Dom (www.dombau-koeln.de) unter Leitung der Dombaumeisterin Frau Professor Dr. Barbara Schock-Werner einen Kunstführer für blinde und sehgeschädigte Menschen zum Kölner Dom entwickelt. Der Reliefbuch genannte Kunstführer ermöglicht blinden und sehbeeinträchtigten Menschen mit ertastbaren Folienabbildungen des Domes und verschiedener Kunstschätze, wie dem Dreikönigsschrein, die Architektur des Bauwerkes und seiner Kunstschätze kennen zu lernen.

Das Buch ist durch eine von Mitarbeitern der Dombauverwaltung und der Dombauhütte besprochene Hör-CD ergänzt worden. Die Sprecher sind mit den jeweils vorgetragenen Themen im Rahmen ihrer täglichen Aufgabenstellung vertraut. Die Projektkonzeption und die Texte zum Reliefbuch und zur CD wurden in Abstimmung mit einem erblindeten Mitarbeiter des Paderborner Blindenverlags erarbeitet und von einem Sachverständigen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes abschließend begutachtet.

Im Kontext mit dem Reliefbuch werden von Domforum und Dombauverwaltung regelmäßige Führungen für blinde und sehgeschädigte Menschen angeboten. Diese finden nach der Schließung des Bauwerkes statt und werden von entsprechend geschultem Personal durchgeführt. Daneben können die Besucher verschiedene Kunstwerke - wie zum Beispiel den Dreikönigsschrein - unmittelbar oder in Form von Abgüssen ertasten. Das Reliefbuch dient den Besuchern, den Dom vor Führungen kennen zulernen oder erlebte Führungen nachzuarbeiten. Wegen der Domführungen wird auf die Website der Dombauverwaltung

(www.dombau-koeln.de), verwiesen.

Der Kunstführer soll als Schule machendes Beispiel für andere bedeutsame Baudenkmäler dienen und zur Nachahmung anregen. Von der Dresdner Frauenkirche liegt bereits eine Anfrage über das "Wie der Fertigung" bei der Domverwaltung vor.

Mentoringprojekt für Studentinnen mit Behinderungen

Das nachstehend beschriebene Mentoringprojekt wird von dem in Bonn ansässigen Hildegardis-Verein (www.hildegardis-verein.de) durchgeführt. Ziel des 1907 gegründeten Vereins ist die nachhaltige Verbesserung der Chancengleichheit für Frauen in verschiedenen Lebensphasen durch verbesserte Ausbildung.

Der Verein möchte besonders Frauen mit Behinderungen bei der Aufnahme und der erfolgreichen Durchführung eines Studiums begleiten und unterstützen. Aus diesem Grund hat der Verein ein Mentoringprojekt (www.mentoring-projekt.de) zur individuellen Begleitung und Ermutigung von Frauen in ihrer wissenschaftlichen und beruflichen Karriereplanung entwickelt. Das Projekt soll 5 Jahre laufen.

Das Konzept basiert auf dem Empowermentgedanken. Mit professioneller Unterstützung sollen die Studentinnen befähigt werden, ihre individuellen Potenziale und Ressourcen besser wahrzunehmen und zu nutzen.

In dem Mentoringprojekt (www.mentoring-projekt.de) werden 60 behinderte (u.a. contergangeschädigte Menschen) und nicht behinderte Mentoren/innen mit akademischer Qualifikation 60 Studentinnen (Mentees) mit und ohne Behinderung über einen Zeitraum von einem Jahr begleiten. Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen, werden die Mentoren/innen die Mentees beraten und coachen. Ferner erhalten die Mentees im Rahmen eines mehrtägigen Praktikums Einblick in die Berufswelt der Mentoren/innen.

Die jeweils 60 Mentoren/innen und Mentees werden in drei Tandemgruppen aufgeteilt. Innerhalb der Gruppen werden jeweils ein Mentor oder eine Mentorin und ein Mentee als Tandem für ein Projektjahr zusammenarbeiten. Daneben finden zu Beginn, nach 6 Monaten und zum Ende des jeweiligen Projektjahres Veranstaltungen statt, die Gelegenheit zu einem Erfahrungsaustausch mit den anderen Tandempaaren gibt.

Die Teilnehmer (Mentees und Mentoren/innen) können sich unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft sowie ihrer Behinderungsform jeweils zu Beginn eines Projektjahres im Zuge eines bundesweiten Ausschreibungsverfahrens an Universitäten und Hochschulen beim Hildegardis-Verein (www.hildegardis-verein.de) um die Teilnahme bewerben.

Der Verlauf und die Ergebnisse dieses bundesweiten Mentoringprojektes (www.mentoring-projekt.de), das in den Jahren 2008 bis 2012 durchgeführt wird, werden im Rahmen einer Evaluationsstudie zusammengefasst und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Conterganstiftung für behinderte Menschen legt großen Wert auf die fachliche und wissenschaftliche Begleitung dieses Mentoringprojektes (www.mentoring-projekt.de).

Langfristiges Ziel der Conterganstiftung ist es, mit diesem Förderprojekt Initiativen auszulösen und beispielsweise Studentenverbände und Universitäten anzuregen, ähnliche Projekte ins Leben zu rufen.

Zur Finanzierung der Gesamtaufwendungen in Höhe von 892.000,00 Euro bewilligt die Conterganstiftung einen Zuschuss von 856.000,00 €.


Erforschung der Bedeutung des Arbeitsgedächtnisses im Sprachlernprozess von gehörlosen Kindern mit Cochlea-Implant

Das Forschungsvorhaben ist angesiedelt im Bereich der Integrationsförderung von gehörlosen Kindern, die mit einer Innenohrprothese, dem so genannten Cochlea-Implant (CI), versorgt worden sind. Die Kinder sind bei sorgfältiger und umfassender Intervention normalerweise in der Lage, wie gut hörende Kinder hören und sprechen zu lernen. Allerdings verläuft der Spracherwerb bei einigen Kindern nicht optimal, so dass deren Integration in die hörende Umwelt und die Entwicklung von grundlegenden Fähigkeiten für ein weitgehend selbst bestimmtes Leben gefährdet sind.

Nach gegenwärtigem Stand der Forschung kann davon ausgegangen werden, dass für solche Sprachentwicklungsdefizite von Kindern mit CI eine Funktionsbeeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses ausschlaggebend sein könnte.

Das Forschungsvorhaben setzt unmittelbar an diesem innovativen Erklärungsmodell an und verfolgt das Ziel, an einer Gruppe von 36 Kindern mit CI, die verschiedenen Leistungen des Arbeitsgedächtnisses und den Grad der Bewältigung der Sprachlernaufgabe zu untersuchen und mit den entsprechenden Entwicklungsdaten einer Kontrollgruppe von 12 gut hörenden Kindern identischen Höralters zu vergleichen.

Der verantwortliche Forschungsträger, das Forschungszentrum Hören und Sprache  im hessischen Friedberg führt das Forschungsvorhaben in interdisziplinärer Kooperation mit drei der größten CI-Rehabilitationszentren in Deutschland (Hannover, Freiburg und Friedberg (www.cic-rheinmain.de) durch.

Mit diesem Projekt sollen Voraussetzungen geschaffen werden, die die Förderbedingungen für CI-Kinder weiterhin verbessern.

Für das seit Januar 2006 laufende dreijährige Forschungsvorhaben wurde ein Finanzierungsbedarf von ca. 224.000,00 Euro veranschlagt. Der Finanzierungsbeitrag der Stiftung beträgt 120.120,00 Euro.

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