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Spätschäden

Laut Heidelberger Contergan-Studie sind Spätschäden eine Folge „krankhafter Veränderungen im Verlauf und im Aufbau von Nerven und von Gefäßen, zum Teil auch im feingeweblichen Aufbau der Muskulatur, die möglicherweise vor der Geburt unter Einwirkung von Contergan entstanden sind.“1 

Diese wurden bisher noch nicht systematisch untersucht. Auf der Basis von Befragungen von Betroffenen sowie der Einsicht in Krankenakten kam das Team von Prof. Kruse jedoch zu der Überzeugung, dass bei einem Teil der contergangeschädigten Menschen eine vorgeburtlichen Schädigung des Gefäßsystems und/oder Nervensystems und/oder der Muskulatur vorliegt. 

Dabei gefährden z. B. die Risiken aus der beobachteten Fehlanlage von Gefäßen und Nerven die contergangeschädigten Menschen gleich doppelt.

So können „atypische Gefäßverläufe, Gefäßabbrüche und Wandschwächen sowie reduzierte Gefäßlumina“ zu einer Einschränkung der Durchblutung und schweren Organschäden führen.

Die abweichenden Verläufe im Bereich des Gefäßsystems und des Nervensystems sind darüber hinaus behandelnden Ärzten oft nicht bekannt, was bei chirurgischen Eingriffen zu einem erhöhten Risiko der unbeabsichtigten Durchtrennung von Nervenbahnen oder zur Verletzung von Gefäßen führen kann. 

Ebenso seien solche Spätschäden bei der Planung rehabilitativer Maßnahmen im Bereich der Muskeln zu beachten, um die anatomischen Besonderheiten contergangeschädigter Menschen bei der Planung und Umsetzung rehabilitativer Maßnahmen zu berücksichtigen und den Behandlungserfolg zu sichern.

Spätschäden erkennen

Zu den Hinweisen auf möglicherweise vorliegende Anomalien im Gefäßsystem contergangeschädigter Menschen zählen z. B.

  • Blutentnahme bei Betroffenen ist erschwert oder nicht möglich, 
  • Puls ist nicht an typischer Stelle oder gar nicht tastbar,
  • Schmerzsymptomatik deutet auf veränderten Verlauf eines peripheren Nervs hin.2

Weitere Informationen

Merkblatt zur langfristigen Heilbehandlung mit Informationen zu Spätschäden
von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse, Heidelberg

Japanische Studie zu Gesundheitsuntersuchungen bei Contergangeschädigten
Das japanische Gesundheitsministerium hat diese Arbeit ausdrücklich auf Deutsch übersetzt um sie deutschen Thalidomidgeschädigten und deren Therapeuten zur Verfügung zu stellen. Die Arbeit umfasst große aber nicht alle Bereiche der Problematik medizinischer Therapie bei Contergangeschädigten. Die Stiftung arbeitet an einer noch besser auf das deutsche Gesundheitssystem zugeschnittenen und erweiterten Version.

Kommentare

  • Rose1961 sagt:
    Hallo,
    Ich bin mit einer Bewegungsstörung (veränderte Gangart) mit Muskelschwächen an Beinen, Armen u. Händen, sowie Kopfwackeln mit Krämpfen und Räusperzwang, u.a. behaftet.
    Da bereits vorgeburtliche- u. Folge-Spätschäden vorhanden sind, wollte ich mal in die Runde fragen,
    ob es jemand ähnlich geht, wenn ja wäre ich an einem Austausch interessiert, um die Ursache sowie die Diagnose herauszufinden und zu klären, da nach 2 Krankenhausaufenthalte keine genaue Diagnose gestellt werden konnte.
    Mfg