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Psychotherapie

30.11.2017

Ängste und Sorgen

Die  individuelle gesundheitliche Situation contergangeschädigter Menschen, die Ängste in Bezug auf die zukünftige Entwicklung, die zunehmenden gesundheitlichen und funktionalen Einschränkungen sowie bestehende Schmerzzustände sind oft der Anlass für eine eher pessimistische Sicht auf die Zukunft. 

Verbunden damit ist die Sorge, dass sowohl das aktuell bestehende Unterstützungsnetzwerk als auch die technischen Hilfsmittel in Zukunft nicht mehr ausreichen werden, um eine ausreichende Kompensation der funktionalen Einschränkungen zu ermöglichen.

Psychische Belastungen

Im Rahmen der Heidelberger Contergan-Studie wurden deshalb auch Fragen der psychischen Belastung und der psychischen Gesundheit untersucht. Dabei zeigte sich:1

© Robert Kneschke / Fotolia.com
Von Sorgen zur Hoffnung.
  1. Die Abnahme der körperlichen Belastbarkeit und damit verbundene Mobilitäts- und Selbständigkeitsbeeinträchtigung führen zu zunehmenden psychischen Belastungen.
  2. Contergangeschädigte Menschen zeigen ein hohes Risiko für Nachwirkungen früherer belastender, biografischer Erlebnisse, die z. B. auch den Kontakt mit Medizinern beeinflussen.
  3. Ein häufiges Auftreten von Zukunftsängsten (z. B. vor zunehmenden Folgeschäden, Mobilitätsverlust, weiteren medizinischen Komplikationen, dem Alter oder dem Pflegeheim) bei den Betroffenen.
  4. In der Folge sind z. B. Depressionen bei contergangeschädigten Menschen häufiger als in der Normalbevölkerung.

Auch im Contergan-Gutachten des Landeszentrums Gesundheit NRW wurde ein im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhter Anteil an psychischen Störungen bei contergangeschädigten Menschen festgestellt. Dabei kommen depressive Störungen am häufigsten vor, gefolgt von (Schmerz-) Störungen und Angststörungen.2

Depression

Zukunftsängste, Einsamkeit und Isolation, gefühlte Ohnmacht und Überforderung, aber auch wiederkehrende körperliche Symptome (z. B. Schmerzen oder chronische Erschöpfungszustände) können bei contergangeschädigten Menschen zu einer depressiven Erkrankung führen. Dabei ist das Risiko, Symptome einer Depression zu entwickeln, umso höher, je mehr conterganbedingte Schädigungen gleichzeitig vorliegen.

Zu den besonderen Risikofaktoren für die Entstehung einer Depression zählen deshalb:3

  • multiple conterganbedingte Schädigungen,
  • Selbständigkeitsverlust,
  • Abhängigkeit von anderen Menschen durch hohen Pflege und Assistenzbedarf,
  • starke Schmerzen,
  • verminderte Belastbarkeit sowie
  • eingeschränkte Erwerbstätigkeit

Diese Faktoren treten häufig auch gemeinsam auf.

Unterstützungsangebote

© goodluz / Fotolia.com
Älteres Ehepaar.

Jeder Mensch geht dabei mit den bestehenden Belastungen anders um und für jeden Menschen kann Hilfe und Unterstützung anders aussehen. Für manche reichen Gespräche mit dem Partner oder der Familie, andere tauschen sich in ihrer Kirchengemeinde oder einer Selbsthilfegruppe aus. Wenn jemand das Gefühl hat, mit seinen seelischen Belastungen oder Problemen nicht mehr alleine fertig zu werden, sollte er nicht zögern, sich externe Unterstützung zu suchen. Insbesondere Männer sind hier eher zurückhaltend. Dabei hat die Inanspruchnahme psychologischer oder auch psychotherapeutischer Unterstützung nichts damit zu tun „verrückt zu sein“.

Vielmehr ist es manchmal sehr schwierig und teilweise sogar unmöglich, alleine mit den vielfältigen Ängsten und schwer zu bewältigenden Belastungen fertig zu werden. Mit Hilfe professioneller Unterstützung können die negativen Auswirkungen, die z. B. der zunehmende Verlust der subjektiven Lebensqualität und eine abnehmende Eigenständigkeit auf die psychische Stabilität haben, besser bewältigt werden.

Unterstützung bietet hierbei z. B.


Wer kann helfen?


Professionelle Unterstützung

Manchmal sind die seelischen Belastungen so schwerwiegend, dass sie der professionellen Behandlung durch einen Psychologen, Psychater oder Psychotherapeuten bedürfen. 

Psychologe

Ein Psychologe oder auch Diplom-Psychologe hat das Fach Psychologie an einer Hochschule oder Universität studiert. Er beschäftigt sich dem menschlichen Erleben und Verhalten. Dieses möchte er verstehen, erklären und beeinflussen. Deshalb geht er von der psychischen Seite an die aufgetretenen Probleme heran und versucht so die Betroffenen zu beraten und ihnen zu helfen. Er kann jedoch keine Heilbehandlung (Psychotherapie) durchführen und auch keine Medikamente verschreiben.

Psychiater

Der Psychiater ist ein Arzt mit einem abgeschlossenen Medizinstudium. Er geht von der körperlichen Seite an psychische Probleme heran. Er darf - im Gegensatz zum Psychologen - im Rahmen der Therapie auch Medikamente zur Behandlung der psychischen Probleme verordnen. Psychiater behandeln nicht nur Menschen mit schwerwiegenden Krankheiten des Geistes, sondern auch Menschen mit Angstzuständen oder Depressionen.

Psychotherapeut

© Petra Beerhalter / Fotolia.com
Terminkalender Psychotherapie.

In einer Psychotherapie werden z. B. seelische (emotionale) und psychosomatische Probleme und Beschwerden mit Hilfe anerkannter psychotherapeutischer Verfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Verfahren und Psychoanalyse) behandelt.

Die Bezeichnung "Psychotherapeut" ist dabei gesetzlich geschützt. Erwerben können diesen Titel nur Diplom-Psychologen und Ärzte nach einer entsprechenden zusätzlichen Ausbildung und Zulassung (Approbation).

Finanzierung

Die Kosten für Psychotherapeuten und Psychiater werden beim Vorliegen einer entsprechenden Indikation bzw. eines entsprechenden Bedarfs grundsätzlich von der Krankenversicherung erstattet. Es empfiehlt sich jedoch vorab mit der jeweiligen Krankenversicherung zu prüfen, welche konkreten Leistungen wie oft übernommen werden.

Weitere Informationen

Bundesland-bezogene Suche nach psychologischen Psychotherapeuten 
der BundesPsychotherapeutenKammer

Informationsdienst Psychotherapie
der deutschen Psychologen Akademie

Das Informationsportal zur Psychischen Gesundheit
der Berufs- und Fachverbände


Psychosoziale Beratungsstellen

© pressmaster / Fotolia.com
Psychologische Beratung.

Für Menschen in seelischen Krisen und Konfliktsituationen bieten die Gesundheitsämter in Deutschland Beratung, Unterstützung und soziale Kontakte in psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen an. Neben den Betroffenen selbst können sich aber auch Angehörige, Freundinnen und Freunde oder Kolleginnen und Kollegen der Betroffenen an die Beratungsstellen wenden.

Ziel der Beratung ist die akute und kontinuierliche Unterstützung der Betroffenen und die Verbesserung der Lebensqualität. Neben der individuellen Beratung und Begleitung werden auch Gruppenangebote und Freizeitaktivitäten angeboten. Die Beratung ist freiwillig und kostenlos und die ausgebildeten Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Adressdatenbank
im Contergan-Infoportal


Selbsthilfe-Gruppen

Eine Gruppe contergangeschädigter Menschen steht zusammen und unterhält sich.

In Selbsthilfegruppen schließen sich Menschen zusammen, die ein gleiches Problem oder Anliegen haben und gemeinsam etwas dagegen bzw. dafür tun möchten. Die Betroffenen schließen sich freiwillig und selbständig zusammen, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen, praktische Lebenshilfe zu erhalten und sich gegenseitig emotional zu unterstützen und zu motivieren.

Das schließt das Auffangen von Gruppenmitglieder und deren Unterstützung ein, wenn diese eine schwierige Zeit durchleben. Je nach Art der Selbsthilfegruppen bzw. dem Willen der Mitglieder vertritt die Gruppe ihre Mitglieder auch nach außen, um z. B. von Politik oder auch Krankenkassen Aufmerksamkeit für die Situation der Betroffenen und Verbesserungen der Behandlung und Betreuung zu erreichen.

Adressdatenbank
im Contergan-Infoportal


Eingestellt von: T. Heckmann

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