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Alternative Behandlungsverfahren

Noch 2004 beklagte Prof. Willich in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt, dass „das Verhältnis von Schulmedizin und alternativen medizinischen Konzepten – hier zusammenfassend als Komplementärmedizin bezeichnet – im deutschen Gesundheitssystem seit langem von gegenseitigem Misstrauen, Abgrenzung, teilweise Ablehnung geprägt" sei. "Von einer systematischen Kooperation oder gar Integration verschiedener medizinischer Grundkonzepte kann bisher nicht die Rede sein.“1

Seitdem hat sich viel getan. Die Beschäftigung mit alternativen bzw. komplementär-medizinischen Ansätzen gewann auch bei Medizinern - im Sinne einer integrativen Medizin - immer mehr Anhänger. Und vor allem unter Patienten ist in den letzten Jahren eine Zunahme der Nachfrage nach komplementär-medizinischen Angeboten zu beobachten. Dabei ist dieser Trend nicht per se als Beleg für die Wirksamkeit der Komplementärmedizin zu sehen und auch nicht immer mit enttäuschten Erwartungen an die Schulmedizin verbunden. Er deutet jedoch auf den Wunsch der Patienten nach einer Erweiterung der therapeutischen Optionen ihrer behandelnden Ärzte hin, insbesondere bei chronischen oder nicht heilbaren Krankheiten. 

Schulmedizin ergänzen

Dabei werden unter Komplementärmedizin Behandlungsmethoden verstanden, die nicht zur Schulmedizin gehören, diese jedoch ergänzen können. Dazu gehören z. B. Nahrungsergänzungsmittel, Immunstimulanzien, Heilpflanzen, Entspannungstechniken, traditionelle chinesische Medizin mit Akupunktur und vieles mehr. 

Auch technisch unterstützte Therapiemaßnahmen, wie z. B. die Hyperthermie, werden zu komplementärmedizinischen Maßnahmen gezählt. Die meisten der genannten Therapieformen stammen aus der sogenannten Erfahrungsheilkunde. Das bedeutet, dass Ärzte teilweise über Jahrhunderte bestimmte Methoden oder Substanzen probeweise einsetzten und anschließend positive Therapieergebnisse beobachteten. Ihre Erfahrungen gaben die Ärzte innerhalb der Ärzteschaft weiter. Nach Angaben des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte wendeten bereits 2012 rund 60.000 Ärzte in Deutschland komplementärmedizinische Verfahren an.2

Leider versprechen einige Anbieter komplementärer Medizin nach wie vor wundersame Heilung und wecken dadurch bei Patienten Hoffnungen, ohne diese erfüllen zu können. Andererseits trifft die pauschale Aussage "Komplementärmedizin bringt sowieso nichts" nicht zu. Im Bereich der Phytoherapie gibt es große, sorgfältige gemachte und aussagekräftige Studien, die positive Effekte belegen. 

Komplementärmedizin ist nicht nebenwirkungsfrei

Es gilt jedoch auch für die Komplementärmedizin, dass eine sorgfältige Nutzen-/ Risikoabwägung erfolgen muss. Nicht alle komplementärmedizinischen Ansätze sind nebenwirkungsfrei. So können z. B. Substanzen aus der Naturheilkunde mit unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen einhergehen. 

Ein Beispiel dafür ist Johanniskraut, welches ein großes Potential für unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten besitzt. Pflanzliche Arzneimittel ausschließlich mit den Begriffen „natürlich“ und „ungefährlich“ zu assoziieren wäre deshalb ein großer Irrtum.

Darüber hinaus gibt es nicht "die Erkrankung", die für komplementärmedizinische Ansätze prädestiniert ist. Ergänzend zur Schulmedizin werden komplementärmedizinische Methoden z. B. in der Behandlung von Krebs, von chronischen Schmerzzuständen, Angst und Depressionen, aber auch von Asthma und Allergien eingesetzt. 

Weitere Informationen

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