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Zahnmedizin

05.12.2017

Herausforderungen für Contergangeschädigte

Im Rahmen der Heidelberger Conterganstudie1 wurden auch zahnmedizinische Fragestellungen untersucht. Dabei fielen bei den untersuchten Contergangeschädigten Verformungen des Kiefers und Fehlbildungen der Zähne, insbesondere in der Gruppe der Hörgeschädigten, auf. 

39,6% der Gehörlosen und 31% der Hörgeminderten gaben eine diagnostizierte Verformung des Kiefers an. Weitere 36,2 % der Gehörlosen und 28% der Hörgeminderten berichteten über eine bestehende Fehlbildung oder Fehlanlage der Zähne. Unter allen Studienteilnehmer fanden sich bei 22,6 % Fehlbildungen des Kiefers   und bei 15 % Fehlbildungen der Zähne.

Laut Studie erfordern diese vorgeburtlichen Schädigungen regelmäßige aufwändige zahnärztliche und / oder kieferchirurgische Behandlung. Diese sei wichtig unter dem Gesichtspunkt bestmöglicher Sprach- und Kommunikationsfähigkeit sowie ungestörter Essfunktion. 

Eine besondere Belastung für Zahn- und Kiefersystem ergibt sich aus dem kompensatorischen Einsatz der Zähne z. B. zum Greifen und Festhalten von Gegenständen oder Öffnen von Flaschen. Diese häufig unumgänglichen Kompensationsstrategien führen zu frühzeitiger Zahnschädigung. 

Prävention und tägliche Zahnpflege sind vor diesem Hintergrund von besonderer Bedeutung für die Gesunderhaltung der Zähne, werden jedoch durch contergantypische Fehlbildungen mit Funktionseinschränkungen an Armen und Beinen erschwert bzw. unmöglich gemacht. In diesen Fällen sind Folgeschäden oder frühzeitiger Zahnverlust vorprogrammiert. 

Bei Notwendigkeit zum Zahnersatz kommt nach Expertenmeinung Zahnimplantaten eine überragende Bedeutung zu. Sie bieten erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen, herausnehmbaren Zahnprothesen. Durch die Verankerung der Implantate im Kiefer erhält das Gebiss der Betroffenen wieder Stabilität. 

Ein Argument gegen herausnehmbaren Zahnersatz besteht auch im schwierigen oder unmöglichen Handling bei Contergangeschädigten mit Armdysmelie bzw. funktionsgestörten Händen. Auch deshalb sollte Zahnimplantaten der Vorzug gegeben werden.

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1 Vgl. hierzu Institut für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg: Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragungen zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen. Endbericht an die Conterganstiftung für behinderte Menschen. Langfassung. Heidelberg, 2012. S. 130


Eingestellt von: T. Heckmann

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