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Folgeschäden

Contergangeschädigte Menschen entwickelten bereits früh ausgeprägte Kompensationsstrategien, mit denen sie ihre vorgeburtlichen Schäden so weit wie möglich auszugleichen versuchten. Dabei waren sie oft sehr erfolgreich. Dieser Erfolg ermöglichte vielen Betroffenen in der Vergangenheit ein Leben in relativ großer Selbständigkeit. Er ist jedoch heute auch die Ursache für zunehmend schmerzhafte Folgeschäden. So stellte die Heidelberger Studie bereits 2012 fest: „Die Fehlbelastung und Überlastung ursprünglich gesunder Gelenke und Gliedmaßen, mit deren Hilfe die Mobilität verbessert werden konnte, ist die Ursache heute auftretender schwerer Arthrosen und Verschleißerscheinungen, die zu Verspannungen und Schmerzen sowie einer zusätzlichen erheblichen Einschränkung der Mobilität auch in diesen ursprünglich nicht betroffenen Bereichen führen.“1

Neben orthopädischen Folgeschäden sind auch Nierenschäden, wie eine fortschreitende Niereninsuffizienz, keine Seltenheit. Hierzu trägt oft auch die Angewohnheit vieler Betroffener bei, zu wenig Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um begleitete Gänge zur Toilette zu vermeiden.

Die Zunahme der Folgeschäden hat sich dabei in den letzten Jahren zunehmend beschleunigt. Nach Erkenntnissen eines Gutachtens im Auftrag der LZG.NRW wird diese Entwicklung noch dadurch verschärft, dass unser bestehendes Versorgungssystem auf die besonderen Probleme der contergangeschädigten Menschen nur unzureichend bzw. gar nicht vorbereitet ist. Trotz einer – im Vergleich zur Gesamtbevölkerung – überdurchschnittlich hohen Anzahl von Arztbesuchen und Krankenhausbehandlungen ist eine erfolgreiche Behandlung der Folgeschäden nicht sicher gestellt. Die größten Defizite ergeben sich dabei „in der Schmerztherapie, aber auch in der Verordnung von geeigneten Verfahren aus dem Bereich der Physiotherapie und der physikalischen Therapie“. Hierzu wären entsprechende Weiterbildungsangebote für die Ärzte und Pflegekräfte in niedergelassenen Praxen und Kliniken notwendig. Die Heildelberger Studie schlug deshalb das Angebot „CME-pflichtige(r) Fort- und Weiterbildungen zu allen Aspekten der Conterganschädigung und deren Therapie für Ärzte und Zahnärzte vor .... , die contergangeschädigte Patienten behandeln.“2

Erschwerend kommt Angaben von Betroffenen hinzu, dass notwendige medizinische bzw. therapeutische Leistungen als Folge der Budgetierung der niedergelassenen Ärzte nicht in gewünschtem Maße verschrieben bzw. nicht von den Krankenkassen übernommen. Hier können die jährlichen Pauschalleistungen zur Deckung der Spezifischen Bedarfe helfen.

Nähere Informationen dazu erhalten Sie bei der Geschäftsstelle der Conterganstiftung oder im Bereich „Spezifische Bedarfe“ des CIP.

Weitere Informationen

Gesundheitsschäden, psychosoziale Beeinträchtigungen und Versorgungsbedarf
von contergangeschädigten Menschen aus Nordrhein-Westfalen in der Langzeitperspektive
Gutachten im Auftrag des LZG. NRW. 2015.

Contergan. Wiederholt durchzuführende Befragungen zu Problemen, speziellen Bedarfen
und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen
Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg

Informationen zu Spezifischen Bedarfen
im Contergan-Infoportal

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