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Thalidomid

Geschichte

Nachdem das Molekül Thalidomid in den 1950er Jahren patentiert wurde, sah man sich im Forschungsbereich von Grünenthal nach einer passenden Anwendung dafür um. Zuerst als Mittel zur Anfallsprophylaxe bei Epilepsie gedacht, hatte Thalidomid jedoch keine antikonvulsive Wirkung (gegen Krämpfe wirksam). Als Nebeneffekt fiel im Forschungsbereich aber seine entspannende und schlafbringende Wirkung auf. Vor diesem Hintergrund wurde es ab Oktober 1957 von Grünenthal als bromfreies Schlaf- und Beruhigungsmedikament ohne größere Nebenwirkungen vermarktet. Ab Ende der 50er Jahre wurde es auch gezielt als Beruhigungs- und Schlafmittel für Schwangere empfohlen, welches gegen die typische Schwangerschaftsübelkeit wirkte.

Nachdem es Ende 1961 aufgrund des Contergan-Skandals von Grünenthal vom Markt genommen werden musste, wurde es jedoch weltweit weiter im Labor getestet. Aufgrund seiner entzündungshemmenden, tumorhemmenden und anti-angiogenetischen Wirkung zeigt Thalidomid therapeutische Effekte bei verschiedenen Krankheiten. Dazu gehören z.B. Hauterkrankungen, das Multiple Myelom oder auch Autoimmunerkrankungen. Nach Meinung der Wissenschaftler kann Thalidomid - bei Anwendung entsprechend der festgelegten Verabreichungs- und Sicherheitsroutinen und unter Beachtung der Erkenntnisse und Schlussfolgerungen aus dem Contergan-Skandal - eine hilfreiche Therapieoption für Patienten sein, für deren Erkrankung zur Zeit noch keine wirkliche Behandlungsoption verfügbar ist.

Die Anwendung ohne entsprechende Beratung, Aufklärung und Betreuung der Patienten weist aber auch heute noch große Risiken auf. So wurden die aufgedruckten Symbole einer durchgestrichenen Schwangeren von Menschen ohne Rechtschreib- und Lesekenntnisse in armen Regionen dieser Erde auch schon als Hinweis auf einen Schutz gegen Schwangerschaft missverstanden.

Nachdem erste Untersuchungen zeigten, dass Thalidomid bei Aids-Patienten äußerst effektiv Sekundärsymptome bekämpfen kann, haftete Thalidomid in Ländern der Dritten Welt, wo der Wirkstoff auf dem Schwarzmarkt erhältlich war, bereits der Ruf einer Wunderdroge an. So sollte Thalidomid sogar die HIV-Infektion heilen können. In Folge der Gerüchte und einer darauf basierenden unkontrollierten Nutzung von Thalidomid kam es in Afrika und Südamerika wieder zu Conterganschädigungen.

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