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Barrierefrei bauen und wohnen

Passe ich mich meiner Wohnung an, oder meine Wohnung an mich?

Zu Besuch bei Dipl.-Ing. Andreas Drohmann

Unser Gespräch beginnt mit einer kurzen Geschichte: Die Beziehung einer contergangeschädigten Frau ist in die Brüche gegangen. Sie sucht deshalb für sich und ihren Hund eine neue Wohnung in der Stadt. Ohne Erfolg. Ein befreundetes Ehepaar bietet ihr daraufhin Unterstützung an. Gemeinsam gehen Sie zur nächsten Wohnungsbesichtigungen. Mit Erfolg. Sie bekommt die Wohnung beim ersten Termin. Ein Einzelfall? Viele Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen und bei einigen Vermietern fehlt das Vertrauen, ein langfristiges und geordnetes Mietverhältnis mit einem contergangeschädigten Menschen einzugehen. Trotz des vorhandenen Geldes. Darüber hinaus fehlt Betroffenen manchmal auch das Selbstbewusstsein, dem Vermieter auf Augenhöhe zu begegnen und auch über notwendige Anpassungen zu verhandeln. Der gemeinsame Besichtigungstermin gab der Betroffenen etwas von der Sicherheit zurück, die sie im Zuge der langen Wohnungssuche verloren hatte. Und er signalisierte dem Vermieter noch etwas anderes. Es gibt ein intaktes Umfeld und stabile Beziehungen, die im Ernstfall sich auch mal kümmern und unterstützen können. Und das hat sich ausgezahlt.

Kompetente Ansprechpartner fehlen

Andreas Drohmann in seinem Badezimmer.
Andreas Drohmann steht in seinem Badezimmer und erläutert die barrierefreien Anpassungen.

Der das sagt, weiß wovon er spricht. Wir sind zu Gast bei Andreas Drohmann in Werne in Nordrhein-Westfalen. Er ist Ingenieur und beschäftigt sich schon seit Jahren mit dem Thema barrierefreies Wohnen. Und, er und seine Frau sind das Ehepaar aus unserem Eingangsbeispiel. Für ihn kein Einzelfall. Nachdem er bereits vor Jahren die erste, an die Bedürfnisse seiner contergangeschädigten Ehefrau angepasste, barrierefreie Wohnung geplant und ihr Haus seitdem immer wieder an die aktuellen Bedürfnisse angepasst hat, kommt er nun zu einem ernüchternden Fazit: Heute wie damals gibt es kaum kompetente Ansprechpartner, wenn es um eine individuelle Planung, abgestimmt auf die persönlichen Einschränkungen, geht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich in den letzten Jahren auch die Palette von Produkten, die gegebenenfalls das Leben und Wohnen erleichtern könnten, sehr stark erweitert hat und damit heute fast unüberschaubar groß ist. 

Handwerker sind keine wirkliche Hilfe

Das ist eines der Probleme, die es Handwerkern schwer macht, passende Lösungen zu bieten. Das weiß auch Sebastian Busch, Geschäftsführer von AAB Die Raumkultur aus Berlin. Auf der REHAB 2015 in Karlsruhe verwies er auf die mangelnde Transparenz im Markt für barrierefreies Wohnen und Bauen. Es gäbe viele tolle Lösungen. Für die Hersteller würden diese aber nur ein kleines Segment bedienen. In der Kommunikation und Werbung machten sie deshalb kaum darauf aufmerksam. Ohne gezielte Suche würde man von vielen hilfreichen Lösungen nie erfahren. Und diese Intransparenz macht einem manchmal das Leben richtig schwer.

Ein anderes Problem sieht Andreas Drohmann in der fehlenden Flexibilität vieler Handwerker. Sie konzentrieren sich auf eine begrenzte Anzahl von Lösungen, die sie immer wieder anbieten. Die Suche nach der individuellen Lösung bleibt dabei oft auf der Strecke. Ob dies nur mangelndem Wissen oder nicht auch mangelndem Interesse geschuldet sei, wäre für die Betroffenen letztendlich egal. Was bleibt sind sub-optimale Lösungen. Wer sich nicht selbst schlau macht, ist hier oft verloren. 

Welche DIN gilt?

Beispiel Alumat-Magnetdichtung an einer Terrassentür.

Klärungsbedarf sieht Drohmann auch bei den baulichen Regelungen. Die DIN-Vorschriften einiger Gewerke (wie z.B. im Bereich Türen und Fenster) haben Vorschriften, die den Regelungen der DIN für barrierefreies Bauen in Teilen widersprechen. So gibt es seit 30 Jahren Alumat-Magnetdichtungen, die absolut barrierefrei sind und den Zugang z.B. vom Wohnzimmer auf einen Balkon oder eine Terrasse erleichtern. Trotzdem möchte die kaum einer einbauen. „Das haben wir immer so gemacht“, ist eine oft gebrauchte Formulierung. Und da sich viele Handwerker später nicht der Gefahr einer Diskussion über Gewährleistung und Schadenersatz aussetzen möchten, hält man sich zuerst einmal an die für das betreffende Handwerk geltende DIN-Norm. Egal was das barrierefreie Wohnen und die Bedürfnisse der Betroffenen erfordern. „Ich möchte hier nicht alle über einen Kamm scheren“, meint Andreas Drohmann wieder etwas versöhnlicher, „aber bei vielen Handwerkern beschränkt sich Barrierefreiheit auf die Befahrbarkeit mit einem Rollstuhl.“ Wir alle wissen jedoch, da gibt es noch viel mehr, was man tun kann und manchmal muss, um das individuelle Leben zu erleichtern und wirkliche Teilhabe zu ermöglichen.

Weiteres Beispiel einer Alumat-Magnetdichtung an einer Terrassentür.

Hier bedarf es in Zukunft verstärkter Aufklärung und Information. Und wenn das nicht hilft, müssen Veränderungen mit politischem und gesetzlichem Druck angestoßen werden. Andreas Drohmann hat sich deshalb entschlossen, über den individuellen Bereich hinaus professionelle Kompetenz in diesem Fachbereich zu erwerben. Dafür hat er bei der Handwerkskammer Münster eine Weiterbildung zum „Fachplaner für barrierefreies und komfortables Wohnen“ absolviert. Ergänzend dazu hat er sich in den letzten Jahren auch ein kleines Archiv angelegt und Kontakte zu Herstellern von Haustüren, bodengleichen Türschwellen, Zugangssystemen für Haus und Wohnung, die Badezimmer-Einrichtung, Treppen, Aufzüge und weiteren wichtigen Produkten für barrierefreies Wohnen aufgebaut. Dieses Wissen gibt er gerne auch weiter.

Kontakt

Dipl.-Ing. Andreas Drohmann
E-Mail: info@anders-bauen.net
Telefon: 02389 536203 

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